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10 (1848) [Not - Pra]
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Pädagogik.

schichte und Statistik der europäischen Civilisation, ausführliche Notizen über den Standdes dermaligen Erziehungs- und besonders des Unterrichts- oder Schulwesens in Europa,in Hinsicht dessen im Vergleiche mit der früheren Zeit die unserige allerdings im,Ganzensehr zu rühmen ist. Wir beschranken uns hier auf die nähere Besprechung eines einzi-gen Hauptpunkts, weil dieser zugleich in p o liti sch er° Hinsicht von besonderer Bedeu-tung erscheint, nehmlich die der Volksbildung im engeren Sinne, woran sich zugleichdie Erwähnung der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft knüpfen läßt.

Entsprechend dem in unserer Zeit überwiegenden demokratischen Principe inder wahren Bedeutung dieses Wortes (wonach dasselbe nicht dem monarchischen,sonderndem aristokratischen Principe der unbegründeten und widerrechtlichen Be-vorrechtigung entgegensteht ),jst neuerdings das V olksschul wesen von Seiten desStaats vorzugsweise beachtet und zu einer früher noch nicht gekannten Höhe gehoben wor-den, und namentlich nimmt Deutschland, wo seit den ältesten Zeiten dieEultureinen mehr volksthümlichen Charakter hatte, weil sie vom Volke selbst ausging, in Hin-sicht des Volksunterrichtes unter allen Ländern den ersten Platz ein. Die Erfah-rungen der neueren und neuesten Zeit, daß besonders die Länder, wo die geringste Bil-dung der Masse vorhanden ist, z. B. wie in Spanien, Portugal, Italiens., wo demVolke der Halt einer eigenen Urteilsfähigkeit und der Schutz der inneren Bildung gegendie Wogen der Leidenschaften fehlt, der Herd von Unruhen, Bürgerkriegen und Gräuelnaller Art sind, haben bewirkt, daß fast überall dem Unterricht der niederen Elasten jetzteine weit größere Aufmerksamkeit geschenkt wird als früher. Wer wird heut zu Tagenoch die alte Lehre ausstellen wollen, daß Aufklä-rung zu Revolutionen führe^),und daß man den niederen Volksclassen überhaupt die Mittel und Wege zur Aufklärungund Fortbildung möglichst verschließen müsse ? Findet sich eine solche Maxime auchnoch in unserer Zeit irgendwo ^), so ist dieses doch nur Ausnahme und bestätigt die ent-gegengesetzte Regel.

Auch hier ist vor Allem Friedrich der Große zu nennen, der zuerst die Falsch-heit jenes Verdummungsprincips erkannte und erklärte und eben so zuerst die Wichtig-keit der Bildung überhaupt und der Volksaufklärung insbesondere einsah und für die-selbe so wie für die höhere wissenschaftliche Cultur so außerordentlich vielthat, dadurchaber eben seinem Staate das große geistige Uebergewicht, das er noch bis auf die neuestenZeiten behauptet, so wie seine Stellein der Reihe der europäischen Großmächte verschaffte,auf welche derselbe blos vom geographischen oder statistischen Standpunkte aus kei-nen Anspruch haben würde ^). Preußen ging demgemäß mit einer besseren Organi-

72) Vcrgl. Scheid! er in Bran's Minerva 1836 S. 491.

73) Murat ori, Anfangsgründe der Regierungskunst. S. 56.

74)Die Thiere, die Gott einmal als solche anstellen will in seiner zweiten Welt, hater mit den deutlichsten Marken auf diese gesetzt, z. B. Maul-, Stink-, Pflanzen- und andereThiere; was aber vollkommener werden sollte, sieht ganz wie ein Mensch aus, z. B. derBauer." Jean Paul, Freiheitsbüchlein. S. 59.

75) Z. B- im Königreiche Sardinien verbot noch im Jahre 1821 ein kön. Edict dasLesen- und Schreibenlernen Allen, die sich nicht über den Besitz von 1500 Lire (Franken)am Vermögen, und das Studiren Allen, die sich nicht über eben so viel an Renten aus-weisen konnten (s. Leipz. Literatur-Zeitung 1827 Nr. 129. S. 1029). Welche üble Folgendieses System dort auch in materieller Hinsicht hatte, lese man nach in Malten's neue-ster Weltkunde. 1834. IV. S. 29 ff. (Wie erfreulich lauten dagegen jetzt die Nachrichtenaus diesem jüngst mit einer Konstitution begabten Lande!)

76) Vergl. A. Bbckh's akad. Rede, d'Alembert und Friedrich der Große über dasVerhalten der Wissenschaft zum Staat (Berlin 1838). S. 14:Der umfassendste Geist,entblößt von Kenntnissen", sagt Friedrich,ist nur ein roher Demant, der erst seinenWerth gewinnt, nachdem er von den Händen eines geschickten Künstlers geschliffen ist. Alsowie viele der Gesellschaft verlorene Geister! und wie viele große Männer in jeder Gattungerstickt in ihren Keimen, sei es durch die Unwissenheit oder durch den niedrigen Stand, inwelchen sie sich gestellt fanden! Das wahre Wohl des Staats, sein Vortheil, sein Glanzerfordern also, daß das Volk, welches er enthält, so unterrichtet und auf-geklärt als möglich sei, um dem Staate in jeder Art eine Anzahl tauglicher Perso-