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Pädagogik.
Angelegenheit für die Erhaltung des Staates^), und eben so sagt Kant, daß derMensch nur durch Erziehung Mensch werden kann, und daß (wie er sich ausdrückt)„hinter der Education das große Geheimniß der Vollkommenheit der menschlichenNatur steckt" 32).
Steht dies Alles fest, — und wer wollte es bestreiten? >— so ist hiermit auch die hoheBedeutung der Pädagogik, dieselbe als Erziehungs-Kunst so wie auch als Erzie-hungs-Wissenschaft betrachtet, außer allen Zweifel gesetzt, und es würde ganz un-nöthig sein, hierüber noch ein Wort zu verlieren, wenn nicht die Erfahrung lehrte, daß jenetheoretisch so unbestrittene und unbestreitbare Wahrheit im wirklichen Leben keineswegspraktisch anerkannt, und im Gegentheil das Studium der Pädagogik in jener doppeltenBeziehung zum größten Nachtheil sowohl der menschlichen Ausbildung überhaupt als derpolitischen insbesondere noch viel zu sehr vernachlässigt wurde 33).
Ist es nicht sonderbar, daß, obgleich alle Eltern die Richtigkeit und Vernünftigkeitdes Wunsches einsehen, „daß der Sohn dem Vater nicht gleich sei, sondern ein besserer!"wie Goethe (in „Herrmann und Dorothea"^)) sagt und längst vor ihm schon Ho-m e r gesagt hatte 3b), daß sie doch nicht das wichtigste und sicherste Mittel zu seiner Reali-sirung anwenden, nehmlich vor Allein für eine zweckmäßige Erziehung zu sorgen unddemgemäß die Pädagogik als die wichtigste aller Künste und Lehren anzuerkennen!Ist es nicht unverantwortlich, daß dieser Vorwurf in der Regel selbst Diejenigen, die zu dengebildeten Elasten gehören, namentlich auch die Gelehrten trifft, die doch geradehierin dem „Volke" mit gutem Beispiele vorangehen sollten! Denn während die Betrei-bung aller übrigen Künste und Wissenschaften Sache des Geschmacks und der beliebigenWahl ist, muß die der Pädagogik geradezu als Sache der Pfl icht angesehen werden. Be-sonders wünschenswert!) erscheint die Förderung der wissenschaftlichen Ausbildungder Pädagogik. Denn, was überhaupt von dem Einflüsse richtiger Theorieen auf diePraxis und besonders von dem einer wissenschaftlichen Welt- und Lebensansicht auf dieLebensführung gilt, läßt sich auch auf dieses wichtige Gebiet der angewandten Philosophieanwenden, welches nur durch Erhebung der Erziehungspraxis zur eigentlichen Pädagogikmit wahrem Nutzen und Erfolg cultivirt werden kann. Zwar liegt es in dem Begriffealler pragmatischen oder praktischen Disciplinen, daß bei ihnen das bloße Wissen oderdie Theorie nicht hinreicht, wie dieses schon Aristoteles in Beziehung auf die Ethik,Politik u. s. w. ausführlich nachgewiesen hat 36), und daß in ihnen noch das Können oderder praktische Tact zu dem Wissen nothwsndig hinzukommen muß, daher sie aucheben als Künste oder wissenschaftliche Kunstlehren bezeichnet zu werden pflegen. Alleinauf der anderen Seite ist dock auch die wissenschaftliche Theorie für die Praxis höchst wich-tig und ihre nothwendige Ergänzung, da, wie ebenfalls schon Aristoteles bemerkt^),nur durch Wissenschaft das allein Wahre und Beste ausgemitkelt und ohne dieselbedas Gegebene der Erfahrung nicht richtig aufgefaßt werden kann. Und wenn schon vonder eigentlichen schönen Kunst, bei der doch das Meiste auf angeborenes Talent oder Genieankommt, Lessing's bekanntes Wort gilt: „der denkende Künstler ist noch Einsso viel werth", so wie der Goethe'sche Ausspruch: „Die Kunst ist Kunst; Wer sienicht durchgedacht, Der darf sich keinen Künstler nennen", so muß dies nothwendig noch
31) ?olit. I. 5. V. 7. VII. 12 sgg. Bergt. Al. Kapp, Aristoteles' Staatepädago-gik (1837). S. 42 ff. Cramer a. a. O. S. 4ö2 ff.
32) Pädagogik, Einl. (Werke, herausgegeben von Hartenstein. 1839.) Bd. X. S. 386.
33) „Die wichtigste Kunst — die Kunst aller Künste — ist die Erzieh ungs-kunst, und dennoch sind wir in keiner Kunst weiter zurück, welches die Ge-schichte aller Tage am Besten beweist. Der Erzieher kann schöne Samenkörner zur An-dauung der ganzen Menschheit, aber auch Pulverkörner zur Zersprengung derselben aus-streuen. In der Erziehungsgcschichte des Menschen ist die ganze übrige Geschichte vorge-deutet u. s. w." W. Harnisch, Das Leben Felix Kaskorbi's. 2. Bd. S. 84.
34) W. Bd. 4». S. 268. Vergl. Bd. 24. S. 44.
35) II. VI. 476. Oä^ss. II. 276.
36) Ltdic. X. Iv.
37) A. a. O. und kolit. IV. 1.
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