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Pädagogik.
einesv. Rochowund einiger durch die Errichtung von Seminarien das Volksschulwesen ver-besserndenRegierungenabgerechnet) sogutwieNichts^o). Das Bedürfniß,diese Lücke aus-zufüllen, zeigte sich jedoch um so dringender, je unverkennbarer es war, daß die Demoralisi-rung der höheren Standeszunächst inFrankreich und dann überall, wo die französische Halb-und Falschbildung Wurzel geschlagen) den verderblichsten Einfluß auf die unteren Elas-sen geübt hatte, welche überdies durch den Verfall der früher ihre Rechte wahrendenEorporationen und Verfassungen politisch auf das Aergste bedrückt wurden.
So wie nun dieser Druck bekanntlich durch sein Uebermaß die französische Re-volution hervornef, so trat fast gleichzeitig mit derselben Heinr. Pestalozzi alsReformator der Pädagogik auf, indem er jene Lücke auszusüllen suchte und vornehmlichauf die Verbesserung des Elementarunterrich t s und der niederen Volkser-ziehung drang, worin ihm dann Fellenberg folgte, der zugleich in das praktischeErziehungswesen einen organischen, die verschiedenen Volksclassen oder Stände gleich-mäßig umfassenden Zusammenhang zu bringen suchte, welches ihm denn auch durch dieHofwyler Bildungsanstalten gelungen ist, die wir bereits früher ausführlicherbesprochen haben ^). Ueberhaupt ist in der Schweiz in der neuesten Zeit ausnehmendviel für Erziehungswesen geschehen, was wohl mit dem schon von Herder^) ausge-sprochenen politischen Axiom zusammenhängt, daß vorzugsweise in Republiken aufErziehung gesehen wird und werden muß, und worüber sich Näheres in der vonScherr herausgegebenen Pädagogik findet. Auch ist das neueste und bedeutendsteWerk über Pädagogik aus Genf hervorgegangen; wir meinen die Schrift der MadameNecker de Saussure, die unter dem Titel: „die Erziehung des Menschen" in einerschätzbaren Uebersetzung von v. Wangenheim und Jacob! (Hamburg bei Fr. Perthes,1839) erschienen ist.
Unter den praktisch wichtigsten pädagogischen Erscheinungen der neuern Zeit ist be-sonders dieBell-Lancaster'sche Methode des gegenseitigen Unterrichts zu bemerkenso wieHami lton's Methode eines verbesserten Unterrichts in fremden Sprachen. We-niger bedeutend ist der belgische Pädagog Iacotot, da seine Methode auf durchaus ir-rigen psychologischen Voraussetzungen beruht. Den Deutschen indeß gebührt ohneZweifel der Ruhm, am Meisten für die eigentlich wissenschaftliche Pädagogik thä-tig gewesen zu sein und die bedeutendsten Vorarbeiten in dieser Beziehung geliefert zuhaben, wenngleich es auch in unserer Literatur noch immer an einem dem jetzigenHöhestand der Wissenschaft angemessenen Hauptwerke fehlt. Zu jenen Vorarbeiten habenmehrere unserer ausgezeichnetsten Philosophen Beiträge geliefert, namentlich Kant in ei-ner eigenen Schrift über Pädagogik; Fichte (in den Reden an die deutsche Nation); fernerHerbart, Wagner, Blasche, Rehberg und Prof. Beneke in Berlin (dessen Erziehungs-undUnterrichtslehre allerdings zu einer der bedeutendsten Erscheinungen gerechnet werden muß,übrigens auf einer Reform der Psychologie, nehmlich auf der Verwerfung der sogenanntenSeelenvermögentheorie beruht, welche noch keineswegs als allgemein gültig anerkanntund in ihrem Hauptpunkte vielmehr von einem andern ausgezeichneten Philosophen,Fries ^), zur Genüge widerlegt ist). Unter den eigentlichen Pädagogen Deutschlandssind besonders zu nennen: Niemeyer, Schwarz, Graser, Harnisch, Dinter,
2V) Blvs der würdige Salz mann, der überhaupt sowohl als Bolksschriftsteller alsdurch sein noch jetzt blühendes Philanthropin unter allen deutschen praktischen Pädagogender neueren Zeit die größten Verdienste sich erworben, hat bereits im Jahre 1801 (in demTaschenbuch zur Beförderung der Vaterlandsliebe) einen sehr beherzigenswerthen Vorschlaggemacht, besser als bisher für die Kinder der ärmeren Volksclassen zu sorgen. Jedoch istdieser Vorschlag ganz unbeachtet geblieben und deshalb mit Recht neuerdings wieder in Er-innerung gebracht worden. S. Lange, Feldgärtnereicolonieen (2. Auflage, 1836). Th. 1.S. 228.
21) S. Staats-Lexikon „Hofwyl." Bd. VII. S. 112 ff.
22) Herder, über die Frage, in wiefern die Regierung auf Wissenschaft gewirkt hat(Werke zur Philosophie und Geschichte Bd. XlV. S. 283).
23) S. dessen Handbuch der psychischen Anthropologie, Vorrede zur 2. Ausgabe des2. Theils.