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Pädagogik.
Pädagogik aufkam und bald darauf der sogenannte Humanismus oder die Begrün-dung aller Bildung aufStudium der altclassischen Literatur, machte der Engländer Locke,das Haupt des neueren Empirismus in der Philosophie, auch im Gebiete der PädagogikEpoche, besonders indem er als obersten Grundsatz die Brauchbarkeit für Welt und Lebenausstellte, welcher Grundsatz noch bis auf die neueste Zeit ein sogenanntes Utilitätsprincipin England, Frankreich und auch in Deutschland geltend macht. Im Gegensätze gegendiese Ueberschätzung des Conventionellen stellte der Genfer R ousseau in seinem „Emil"den Grundsatz der Natürlichkeit — den des Naturgemäßen auf"), und sowie derselbe durch seine politischen Schriften, namentlich seinen „Laut,st socisl",auf die Richtung der französischen Revolution durch das vorzugsweise von ihm allgemeinverbreitete Volkssouverainetatsprincip den größten Einfluß hatte: so beginntauch mit ihm die für die neueste Zeit wichtigste Epoche des praktischen Einflusses derPädagogik; daher wir hierüber noch einiges Nähere hinzufügen müssen. Rousseau'ssehr bedeutender Reform des Erziehungswesens gebührt ohne Zweifel der Ruhm, diemannigfachen Uebel und Gebrechen, an welchen die europäische Civilisation schon seit ge-raumer Zeit litt und woran theils der Autokratismus und Despotismus der Regierungen,theils die Demoralisation der höheren Stände, theils die Einseitigkeit des auf bloße Ver-standesbildung sich beschrankenden und einer seichten Aufklarerei huldigenden Gelehrten-standes einen großen Theil der Schuld hatten — zuerst mit einer außerordentlichen undsiegenden Beredsamkeit geschildert und auf das wirksamste Heilmittel dagegen, nehm-lich die Verbesserung der Erziehung, auf das Anregendste aufmerksam gemacht zu haben.Aber auf der anderen Seite ist auch nicht zu leugnen, daß Rousseau in Folge seinerkrankhaften Lebens- und Weltansicht in das Extrem verfiel, alle Civilisation für einUebel und den Menschen nur für ein isolirtes, blos physisches oder vegetatives Leben be-stimmt zu halten, daher er auch auf den Staat und die bestehenden Verhältnisse so wieauf das Christenthum gar keine Rücksicht nahm und überhaupt sehr dazu beitrug, gleichseinem Vorgänger Locke, das gemeine Nützlichkeitsprincip in die Erziehung ein-zuführen "). Gerade in diesen Jrrlhümern war Rousseau überaus folgenreich, wassich namentlich in Deutschland zeigte, wo die von ihm angeregte Reform des Erziehungs-wesens am Meisten Wurzel faßte und sich fortentwickelte. Es genügt hier wohl, an densogenannten Philanthropinismus eines B asedow, Camp e, Salzmann zuerinnern, dem zwar allerdings das Verdienst nicht abzusprechen ist, als Neaction gegenden einseitigen, blos das Studium der alten Sprachen als Bildung gelten lassen-den sogenannten Humanismus mancherlei Gutes (namentlich in Betreff des Studiumsder Muttersprache, Mathematik und der Naturwissenschaften) gewirkt zu haben, in wel-chem aber auch zugleich die erwähnten Fehler der Rousseau'schen Ansichten ebenfalls zueinem verderblichen Einflüsse gelangten. Dahin gehört namentlich, daß dieser Philan-thropinismus die Erziehung zu einer bloßen Privatsache, mit möglichster Ausschließung desStaats, machte "), statt des Patriotismus einen schwächlichen Kosmopolitismus anem-pfahl, überhaupt die bestehenden Verhältnisse und namentlich die thatsächliche Grund-lage des ganzen neueren Staats-und Volkslebens, das Christenthum, im höchstenGrade verkannte, ja selbst bekämpfte").
Diese Philanthropinen waren überdies nur Anstalten für eine möglichst bequemeund den künftigen gesellschaftlichen Anforderungen entsprechende Erziehung der höhe-ren Stände, und für das sogenannte Volk geschah (die einzelnen Bestrebungen
16) Vergl. R eh b erg's Prüfung der Erziehung (Schriften Bd. I.). Dahlmann,Politik 1. S. 262.
17) Schwarz, Geschichte der Erziehung Bd. II. S. 370 ff.
18) S. das Archiv für die Erziehungskunst für Deutschland (I7S1) Th. I. S. 40Eampe, Allgemeine Revision Bd. X. Vergl. die Widerlegung dieser falschen Ansicht inErh. Schmid's philos. Journal (1793) I. H. I. S. 108 und besonders Rehberg,Prüfung der Erziehungskunst (vermischte Schriften 1).
19) Schwarz, Geschichte der Erziehung S. 405 ff. Vergl. das citirte Archiv Bd. II.