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Pädagogik.
telung der wahren und höchsten Zwecke aller Erziehung die praktische Philoso-phie oder Ethik im weiteren Sinne, andererseits, in Bezug auf die Auffindung derpassendsten Mittel für jene, die Psychologie oder psychische Anthropologie, undendlich, in Bezug auf die geeignetste Methode der Erziehung, die Geschichte undLiteratur des Erziehungswesens und der Pädagogik zu nennen sind. Aber auch dieStaatslehre oder Politik im weiteren Sissne muß als eine wichtige Hilfswissenschaftder Pädagogik angesehen werden, selbst abgesehen noch von der Frage, ob es eine Staats-pädagogik im engeren Sinne giebt "). In dem Gesammtgebiete der Literatur überhauptgehört die Pädagogik ohne Zweifel in die der philosophischen Wissenschaften,und zwar in das Gebiet der angewandten Philosophie, dieses Wort, im umfassendenSinne, als allgemeines geistiges Bildungswissen oder als allgemeine Geistescultur ge-nommen, über welchen Begriff der Philosophie so wie über die Stellung der Pädagogikin derselben wir der Kürze wegen auf Welckec's juridisch-politische Encyklopädieverweisen. Man kann übrigens die Pädagogik auch in das Gebiet der Staatswis-senschaften einreihen, worin sie von Einigen, z. B. vom Grafen Soden'"), Bü-lau"), als ein Theil oder eine Nebenwissenschaft der Staatshaushaltungs-oder Staatsw irthschaftslehre, nach Anderen, z. B. M ohl ^), als zur Poli-zeiwissenschaft (dieses Wort im umfassenden höheren Sinne genommen) gehörigangesehen wird.
Die Geschichte der Pädagogik beginnt, wie die aller philosophischen Wissen-schaften, und wie auch schon die Namen derselben andeuten, mit der Auffindung undZusammenstellung.der pädagogischen Grundbegriffe und Grundsätze bei den Griechen,und die berühmtesten Philosophen derselben spielen auch im Gebiete der Pädagogik eineHauptrolle, namentlich Pythagoras, Sokrates, Platon, Aristoteles, fer-ner die Stoiker und Epikuräer u. s. w. '^) Eben dieses gilt von den Römern Eicero,Seneca, Quintilian u. s. w. "). Im sogenannten Mittelalter konnte natürlichvon keiner wissenschaftlichen Pädagogik die Rede sein, da das ganze Erziehungs-wesen sich in den Händen der selbst höchst unwissenden Geistlichkeit oder Priesterschaft be-fand und nur nach deren hierarchischen Zwecken geleitetward. Erft nach der Wiederauflebungder Wissenschaften durch die Verbreitung der altclassischenLiteratur, und besonders seit derReformation, welche namentlich auf die UmgestKtung des Ecziehungswesens den größtenEinfluß hatte, entstand wiederum eigentliche Pädagogik, und namentlich ist Luther's Zeit-genosse, Joh. Sturm zu Straßburg, als der erste pädagogische Methodiker anzu-sehen ^). Wegen seiner trefflichen Lehrmethode wurde auch bald der zur Bekämpfungder Reformation gestiftete Jesuiten orden berühmt, sowie die während des dreißig-jährigen Kriegs lebenden Methodiker Ratich und Amos Comenius (der durchseinen sogenannten „orbis pietns" die Methode der Veranschaulichung des Unterrichts be-gründete). Während in dem folgenden Jahrhundert in Deutschland durch Spener,A. H. Franke (Stifter des Waisenhauses in Halle), die sogenannte pietistische
9) „Eben so ist die Staatslehre, sobald diese als unabhängige Wissenschaft be-handelt wird, eine Quelle der Pädagogik. Die Staatslehre bietet der Pädagogikrühmlich das Pcincip der Erziehung zum Bürger und die genaue Würdigung aller Erzie-hungsanstalten in dem Inneren eines Staates dar, indem dem Staate für seine eigeneExistenz und für seine künftige höhere Blüthe Alles daran liegen muß, daß die künftigeGeneration in Hinsicht auf physische Kraft und auf intellektuelle, ästhetische, moralische undreligiöse Bildung so wie in Hinsicht auf eine zweckmäßige Disciplinirung den Zweck desrechtlichen Vereines realifiren helfe." Pölitz, Die Erziehungswissenschaften. I. S. 13. 14.
10) S. dessen Staatshaushaltung und seine Nationaldk. VIII. S. 4.
11) Staatswirthschaftslehre. S. 62 ff.
12) Polizeiwiffenschaft- 1. S. 414 ff.
13) Das Gediegenste und Ausführlichste hierüber hat Eramer, Geschichte der Erzie-hung. Bd. II. S. 99 ff. 214 ff. 288 ff. 414 ff. 507 ff.
14) A. a. O. S. 579 ff.
15) Vergl. hierüber die bekannten Schriften über Erziehung von Schwarz, Ruh-kops und Niemeyer.