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10 (1848) [Not - Pra]
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427
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Pädagogik. 427

Cottu frei übersetzt (Weimar, 1821), S. 1027 ff. F.v. Raumer, die KorngesetzeEnglands (Leipzig, 1841). Bopp.

Pädagogik, mit besonderer Beziehung auf Staatsleben und Politik, sowie die wichtigsten staatspädagogischen Bestrebungen und Forderungen oder Haupt-aufgaben der Gegenwart. I. Begriff und Wesen; Quellen; Geschichte;Literatur. Das der griechischen Sprache entlehnte, ursprünglich so viel wie Kinder-führung oder Leitung bedeutende WortPädagogik" wird in unserer Sprache durchdie Ausdrücke: Erziehungskunde oder Kunst, Erziehungslehre oder Wis-senschaft bezeichnet, welche sämmtlich gewöhnlich gleichbedeutend gebraucht werden, imgenaueren Sprachgebrauchs aber unterschieden werden müssen, da sie in der Thal ganzverschiedene Begriffe ausdrücken. Erziehungskunde ist, dem strengen Begriffe undder Analogie von Staats-, Erdkunde u. dgl. m. nach, das historische oder empi-rische Wissen von der Erziehung; Erziehungslehre bezeichnet eine Theorieoder Zurückführung der Erziehung auf bestimmte Grundbegriffe und Grundsätze (nachAnalogie von Staats- oder Naturlehre, Seelenlehre u. s. w.), und diese wird dann zureigentlichen Erziehungswissenschaft, wenn sie die Erziehung auf höchste Grund-begriffe und Grundsätze oder Maximen zurückführt und ihre Lehren in einem streng geord-neten organischen Zusammenhangs (einem Systeme) darstellt; Erziehungskunstendlich ist die praktische Fertigkeit, nach bestimmten Regeln oder einer pädagogischen Me-thode zu erziehen. Das Wort Pädagogik umfaßt, dem üblichen Sprachgebrauchszufolge, alle diese Begriffe in sich; doch würde es zweckmäßig sein, die Erziehungskunstdurch Pädagogie, die Erziehungslehre oder Wissenschast (welche beide letzterein der Regel nicht weiter unterschieden zu werden pflegen und es auch vor der Handnicht können, da die Pädagogik noch nicht zu dem Range einer Wissenschaft imstrengsten Sinne erhoben ist)') durch Pädagogik zu bezeichnen (nach Analogie desUnterschiedes zwischen Diplomatie und Diplomatik, Politie und Politik, oder zwischenOekonomie als Kunst oder Praxis der Bewicthschaftung und Oekonomik alsWissenschaft derselben; vergl. R au, pol.Oek. I. §.2, Note 6; Baumstark, camecal.Encykl. S. 58). Auch unterscheidet man schon allgemein den Pädagogen, als prak-tischen Erzieher, von dem Pädaqogiker, als dem der pädagogischen Theorie Kundigen.Indessen läßt sich jener übliche Sprachgebrauch in so fern auch rechtfertigen, als dadurchdie innige Verbindung ausgedrückt wird, die gerade in diesem wichtigen Gebiete zwischenTheorie und Praxis oder Wissenschaft und Kunst stattfinden solle. Uebrigens umfaßt,der richtigen Ansicht und auch dem Sprachgebrauchs zufolge, die Pädagogik auch diesogenannte Didaktik oder Kunst des Unterrichts, welche oft als ein besonderes Ge-biet ausgeschieden wird, jedoch mit Unrecht, da Erziehung und Unterricht wesentlich zu-sammengehören ^); ein Punkt, der besonders in politischer oder staatspäda-gogischer Beziehung wohl zu beachten ist, wie näher gezeigt werden wird.

Was sodann den Begriff des Gegenstandes der Pädagogik im weiteren Sinne, den derErziehung selbst, betrifft, so bezeichnet das WortErziehung" im weitestenSinne eine bildende Einwirkung auf die Entwicklung eines organischen oder lebendigen,namentlich eines beseelten Wesens, um dadurch dasselbe seiner Bestimmung besser ent-gegenzuführen oder dem Endzwecke seines Daseins entsprechender zu machen; in welchemSinne man z. B. von Obstbaum- so wie von Schaf- und Pferdezucht u. dgl. m. redet,so wie auch das lateinischeeckucatio" auf ähnliche Weise, namentlich von Theorieen, ge-braucht wird (vergl. 6icero cls kn. V. I4und Ulpian in der bekannten Definitiondes jus naturale 1.. 1 §.3 v. cle justitis et jure). Im engeren Sinne beschränkt manden Begriff der Erziehung auf die absichtlich bildenden Einwirkungen auf die Ent-wicklung des Menschen oder des menschlichen (physischen und geistigen) Lebens; im

1) Schwarz, Lehrbuch der Erziehung. 3. Auflage. I. S. 5 ff.; vergl. Alex. Kapv,Platon's Erziehungslehre. Vorrede. S. XII. Niemeyer, Grundsätze u. s. w. I. Beil. II.

2) Herbart, Pädagogik. S. 17. Cramer, Geschichte der Erziehung. I. S.XIX,Beneke, Erziehungslehre. S. 72.