Druckschrift 
10 (1848) [Not - Pra]
Entstehung
Seite
404
Einzelbild herunterladen
 

-104 Oesterreichische Provinzen. Böhme«.

daß durch Leihbanken und andere bereits bestehende Anstalten hinlänglich gesorgt sei, wurdeihr Gesuch abgeschlagen. Inzwischen ward 1846, auf den Antrieb des ErzherzogsStephan, zum dürftigen Surrogat für die verlangte Hypothekenbank, eine Bank inPrag als Filiale derjenigen von Wien errichtet. Damit war dem Bedürfnisse nicht ge-nügt. Indem also die Stande für das Ablösungsgesetz vom 12. Der. 1846 ihren Dank ^

aussprachen, wiederholten sie 1847 das Verlangen der Errichtung einer Hypothekenbank !

und machten darauf aufmerksam, daß ohne dieses Institut auch die Aussicht auf Ablösungder Robote und Zehnten nur auf Täuschung hinauslaufen werde. Sie beschlossen sogar ?bis zur endlichen Erledigung der Sache, im Einverständnisse mit den niederösterreichischenStanden, die Errichtung einer permanent in Wien bleibenden Deputation. Da auchihre erneuerten Bemühungen bisher ohne Erfolg geblieben, so schrieb dies eine weit ver-breitete Meinung dem in Oesterreich so besonders mächtigen Einflüsse einer Clique vonBankiers und Geldwucherern zu, die sich hier, wie anderwärts, ein Monopol der Aus-saugung des Volks zu erhalten suchen. Von nicht geringerem Interesse war der Antragder Stände auf Abschaffung der auf die augenscheinlichste Uebervortheilung berechnetenund das Volk tief entsittlichenden Staatslotterie, mit der Erklärung, daß sie die Mittelund Wege zur Deckung des Ausfalls mit allem Eifer und aller Beförderlichkeit berathen "würden. Ihrem 1847 erneuerten Gesuche war eine höchst interessante Denkschrift bei-gegeben, welche den zum Aeußersten getriebenen schamlosen Volksbetrug nachweist und zu-gleich darlegt, wie das arme Volk von den Lottobeamten zum Spielen verführt wird.

Es wird darin nachgewiesen, daß in einer einzigen böhmischen Herrschaft die Einnahmen derLocalcollecturen in einem einzigen Monate mehr betrugen als die ganzjährige Rustical-steuer; daß sich die kreuzerweisen Einlagen in das Lotto auf einer Besitzung von 2^ Oua-dratmeilen auf nicht weniger als 26,863 Gulden C.-M. beliefen; und daß, nach einerschon von früher ber bekannten Erfahrung, auch wieder im letzten Hungerjahre sogar nochstärker als je vorher eingesetzt wurde ^). Die ständische Deputation, die unter Anderem fdiese im heiligsten Interesse der öffentlichen Moral so unabweisliche Forderung zu bevor-worten hatte, ward zwar nach längerem Harren angenommen, erhielt jedoch auch imJabr 1847 den Bescheid, daß es bei der Zurückweisung des ständiscben Antrags bleibe.

Nicht einmal auf eine baldige Gewäbrung desselben wurde Aussicht eröffnet. Die Zurück-weisung erfolgte vielmehr auf so schnöde Weise, daß die Stände eine gleichfalls unbeachtetgebliebene Beschwerde gegen die kaiserliche Behörde erhoben, welche die bestmotivirte Vor-stellung Wegfällen ließe, ohne sich nur irgendwie auf Gründe einzulassen. Die traurigeBeschaffenbeit des Gemeindewesens, ja der völlige Mangel einer eigentlichen Gemeindever-sassung in allen Provinzen Oesterreichs, mit Ausnahme der Lombardei, bestimmten auchdie böhmischen Stande, wie schon früher diejenigen von Niederösterreich, zur Ernennungeiner Commission für Benutzung einer Gemeindeordnung sowohl für Städte als Land-gemeinden. An dieser Commission nahmen die Bürgermeister von Prag und KuttenbergTheil. Damit wurde ein besonders wichtiger Gegenstand in Behandlung genommen,weil erst mit der Herstellung einer freieren und zeitgemäßen Gemeindeverfassung die Grund-lage einer wahren Volksvertretung und zugleich für die Landgemeinden die erleichterteMöglichkeit einer allmaligen Entlastung von Roboten und Zehnten gewonnen wird.

Inzwischen hatten die Stände in ihren Anträgen für Oeffenrlichkeit und für die För-derung der geistigen Interessen gegenüber der Regierung kein besseres Glück als mit ihrer §

Sorge für das materielle Wohl. Sie beantragten die Veröffentlichung der ständischen ff-

Verhandlungen und beschlossen einstweilen die Ernennung von sechs ständischen Steno- 'graphen so wie die Abfassung summarischer Berichte über jede Sitzung für Aufnahme indie Prager Zeitung nach vorgängiger Einigung mit dem Gubernium. Einen weitergehenden Antrag, die Staatsverwaltung um genaue Vorlagen über den Activ- und

13) Eine Berechnung wies nach, daß sich die Wahrscheinlichkeit des Gewinnes zum Ver-luste bei dem Besatz von Lernen wie 1:11,748 verhält; von Quaternen wie 1:511,038;und daß es bei dem Besatz von Quinternen, selbst wenn alle Einwohner der Monarchie in 'derselben Ziehung einsetzen würden, kaum wahrscheinlich ist, daß auch nur ein Einziger gewinne-