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Oesterreichische Provinzen. Böhmen.
Eben so wenig seine große Tochter Maria Theresia (1740—80) in ihren ersten Re-gierungsjahren, in denen Böbmen wiederholt und lange der Schauplatz des österreichischenErbfolgekciegs und des siebenjährigen Kriegs war. Erst später vermochte sie für des Lan-des Wohlfahrt thätig zu sein. Sie erleichterte das Loos der leibeigenen Bauern, sorgtefür Beseitigung mancher Hindernisse des Ackerbaus, that der weiteren Vermehrung derKlöster Einhalt, ordnete Maße und Gewichte, sorgte für bessere Justiz und schaffte vielearge Misbräuche ab. Die so begonnenen Reformen suchte ihr Sohn, der unsterblicheKaiser Joseph >1.(1765—90), zu vollenden. Ihm verdankt Böhmen die Aufhebungder Leibeigenschaft, die Belebung der Industrie und Gewerbe, die Entfesselung der Gei-ster und die Beförderung der Volksbildung. Er war bemüht, dem Steuersystem einevernünftigere Grundlage zu geben, sorgte für neue Gesetzbücher, übte Duldung in Glau-benssachen, verbesserte das Schulwesen, ordnete das Kirchenwesen und steuerte kräftig derBedrückung und jeder Art von Unfug. Während der Regierung Karl's VI. und in denersten Regierungsjahren der Kaiserin Maria Theresia waren in Böhmen erneuerte,aber noch schwache Versuche zur Wiederbelebung und Emancipirung des Czechenthums ge-macht worden, die spurlos wieder verschwunden schienen, als Joseph II. den Thron be-stieg. Diesem geisteskühnen kaiserlichen Reformator schwebte die große, aber schwerlichin ihrem vollen Umfange je zu verwirklichende Idee vor, die aus den verschiedenartigstenBestandtheilen zusammengesetzte Bevölkerung des österreichischen Reichs mehr und mehrzu einem großen deutschen Volke zusammenzuschmelzen. Wie er selbst in Ungarn dahintrachtete, die deutsche Sprache zur herrschenden zu machen, so konnte er noch weniger inBöhmen zögern, wo die slavische Sprache der Mehrheit im Verfalle war und alsSchristspraäie für immer verschwunden schien. Er gab also Verordnungen, wodurch dasDeutsche zumal zur Sprache alles höheren Unterrichts gemacht wurde. Wie aber I o -seph in seinem reinen Eifer für das Gute die Macht der Natur, der Geschichte und deseingewurzelten Herkommens nicht selten allzu gering achtete; so erweckte er auch in Böh-men eine Opposition, zumal bei den Ständen, die bei seinem Nachfolger Leopold 10(1790—92), gleich nach dessen Regierungsantritt, ihre Beschwerden gegen viele seinerbestgemeinten Anordnungen überreichten. Sie bewirkten bei ihm und bei dessen Sohn,Franzi. (1792—1835), die Zurücknahme mancher Verfügungen, und die Aufhebungmancher Anstalten aus der josephinischen Reformperiode. So gewährte Leopold >>.im 1.1791 auf die Bitte der Stände die Errichtung einer Lehrkanzel der böhmischenSprache. Bis zum I. 1808 verfaßten sodann die Magistrate und Justizämter in denczechischen Städten alle Urtheile sammt den Entscheidungsgründen nur in czechischerSprache, die auch jetzt noch bei denselben die Geschäftssprache ist. Ein Hosdecret von1808 befahl jedoch mit Rücksicht auf die Appellationsgerichte und den obersten Gerichts-hof, daß dem Urtheil und den Entscheidungsgründen zugleich eine deutsche Uebersetzungbeigefügt werden solle.
Seitdem ist in Böhmen, und dies gilt auch von der Regierung des jetzigen Kaisersvon Oesterreich, Ferdinand I., keine wesentliche Veränderung in den politischen undrechtlichen Zuständen des Landes eingetreten. Desto mehr haben sich die faktischen Zu-stände verändert, mit denen sich Politik und Gesetzgebung in Einklang zu setzen haben.Von den Kriegen seit der Revolution ist Böhmen nur wenig unmittelbar berührt worden.Um so rascher konnte es seine Bevölkerung vermehren und im lebhafteren Aufschwung derintellektuellen Thätigkeit wie der materiellen Production größere Bedeutung gewinnen.Zugleich aber hat es Elemente entwickelt, die zu Elementen der Zwietracht und des Zer-würfnisses werden können und müssen, wenn sie nicht zeitige und umsichtige Beachtungfinden sollten. Denn in natürlicher Verbindung mit diesem Bildungsgänge sind In-teressen und Ansichten zum Vorschein gekommen, welche zugleich auf die baldige Noth-wendigkeit neuer Reformen und einer unumwundenen Anerkennung lange bestehender,aber auch lange misachteter und verkümmerter politischer Rechte Hinweisen.
Die wichtigsten Momente, die für Beurtheilung der politischen undsocialen Zustände Böhmens in, Betracht kommen, sind die seit dreizehnJahrhunderten vorhandenen, aber in den letzten Jahrzehnten wieder zu größerer Schärft