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10 (1848) [Not - Pra]
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393
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Oesterreichische Provinze». Böhmen. 393

Schlesien, über einen Theil Polens und Preußens, also vom adriatischen Meere bis zuden Dünen der Ostsee. Seine Grausamkeit und sein Stolz, der es verschmähte, die öster-reichischen Lande vom Grafen von Habsbucg zu Lehen zu empfangen, brachten ihn in derSchlacht auf dem Marchfelde um Krone und Leben und das Königreich um die meistenneu erworbenen Besitzungen. Für Böhmen war jedoch O tt o kar' s Regierung höchstwohlthätig: er hatte die Willkür und Macht der Großen gebrochen, die öffentliche Sicherheitkräftig gehandhabt, Wissenschaften, Künste und den Volksunterrichk gefördert, die neuange-legte Stadt Budweis (1256) mit Deutschen bevölkert und in Prag den Deutschen ei-nen eigenen Stadttheil angewiesen. Während der Minderjährigkeit seines SohnsWenzel II. (12831305) litt das Land viel durch Krieg und innere Unruhen. Wen-ze l's Vermählung mit Judith, der Tochter Kaiser Rudo ls'sl., brachte aber ihm unddem Lande mancherlei Vortheile; er erhielt die Kurwürde und das Erzmundschenkenamt,die Bestätigung der Erbverbrüderung mit Breslau, später Krakau und Sendomir durchErbschaft. Bald darauf wählten ihn die Polen, und nach dem Erlöschen des Arpad'schenMannsstamms auch die Ungarn zu ihrem Königs. Mit der Ermordung von Ottokar'sEnkel, Wenzel III., zu Olmütz am 4. Aug. 1306 erlosch der Mannsstamm derPrze-mysliden, der den Böhmen 23 Herzoge und 7 Könige gegeben hatte. Rohe Willkürherr-schaft der Fürsten, Anmaßungen des Adels, der Priester und Mönche; die Wechselsalleeines stets sich erneuernden Kampfes der Regenten mit dem Adel; Bedrückung und Ar-muth der leibeigenen Landleute, eine barbarische Rechtsverfafsung und ein sklavisches Un-terthanenverhältniß, auch wiederholte Ausbrüche des Hasses gegen die Deutschen bildendie Grundzüge im düsteren Bilde jener Zeit.

Nach dem Erlöschen der Przemysliden wählten die böhmischen Großen ihreRe-genten einige Zeit bald aus diesem, bald aus jenem Geschlechte, bis Johann von Lu-xe mburg (131146), Kaiser Heinrich's VIOSohn, zum Könige ernannt wurde unddie Reihe der bis 1437 herrschenden lützelburger Dynastie eröffnete. Unter den de utsch enFürsten dieses Hauses erreichte Böhmen seinen höchsten Glanz. Vor Allen war esKarl I. (als deutscher Kaiser Karl IV.), der Böhmen als seinen Augapfel pflegte; ihmdas politische Uebergewicht in Mitteleuropa verschaffte; Handel, Gewerbe und Ackerbauförderte; ein blühendes Zeitalter der böhmischen Wissenschaft und Kunst hervorrief undzu Prag (1348) die erste Universität in Deutschland stiftete. Indem er Böhmen zumMittelpunkte der Bildung in Deutschland machte, legte er zugleich den Grund zu jenemhohen geistigen Aufschwung, der sich unter seinen Nachfolgern Wenzel IV. und Si-gismund in den Lehren des Huß und Hieronymus, in den Bestrebungen der Ca-lixtiner, Taboriten, Ziska' s und anderer seiner Zeitgenossen offenbarte. Mit S i g i s -mund starb der Mannsstamm der Lützelburger aus. In dieser Periode hatte sich dasStändewesen selbstständiger ausgebildet, und der Geist der freieren Forschung hatte Reli-gion und Kirchenthum durchdrungen. Aber die unseligen reaktionären Maßregeln desKaisers S igismund, vor Allem die an I. Huß verübte Schandthat und sein Flam-mentod im I. 1415, hatten die Böhmen zu gerechter Rache aufgestachelt. Der Fanatis-mus schwang seine Fackel, die wilden sechszehnjährigen Hussitenkriege verwandelten dieblühendsten Landstriche in Einöden und ergossen sich zerstörend auch über die Nachbarlän-der. Nur langsam erholte sich Böhmen von den Uebeln, die unter Albrecht von Oe-sterreich, der sich durch die Vermählung mit Sigismund's Tochter den Weg zur böhmi-schen Königskrone gebahnt hatte, und unter dessen früh verstorbenem Sohne Ladislausfortdauerten. Dann bestieg der Statthalter Georg Podiebrad (145871), eineinfacher, aber durch Weisheit und Charakterstärke ausgezeichneter Edelmann, durch dasvom Ungarkönig Matthias und Kaiser Friedrich I V. vergebens bestrittene Wahlrechtder Stände den böhmischen Königsthron und wußte das allgemeine Elend durchmanche weise Maßregel einigermaßen zu mildern. Indessen setzten sich noch unter denbeidenJagellonen, Ladislaus V. undLudwig 1.(14711526), die Ausbrüchedes Fanatismus, die Verwirrung und Unsicherheit fort. 'Dem weisen Ladislaus abergebührt das Verdienst, die Gesetzgebung und Rechtspflege gebessert, die Wissenschaftenbegünstigt und den Religionsfrieden zu Kuttenberg (1484) zu Stande gebracht zu haben.