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10 (1848) [Not - Pra]
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O'Connell.

festen Lande an uns vorüber; dann fuhren wir an thurmhohen Schiffskolossen vorbei,die wie jene Steinmaffen der Lust und dem Meere zugleich Trotz zu bieten schienen. Sokamen wir derStadt" naher. Im Nebel verschwindende Hausermassen, überdenNebel hervorreichende, von feuchten Sonnenstrahlen vergoldete Thürme ließen viel mehrahnen als sie zeigten. Und jetzt wurden alle die Schiffe, die früher schweigsam wie Ge-spenster an uns vorüberzogen, lebendig. Hier wurden Anker ausgeworfen, dort landetenmit Lärm und Jubel die von anderen Welten kommenden Fremden. Auf jenem Schiff-rumpfe ohne Masten erschallte eine Glocke, und Matrosen in Menge folgten ihrem Rufeund zogen in ihre Wellenkirche. Mastenlose Linienschiffe dienten zu Matrosengefäng-nissen und Schifflazarethen. Hundert und hundert kleine Kahne schlüpften stets in Ge-fahr, erdrückt zu werden, zwischen allen diesen Seekolossen hin und her. Hier war dieWasserpolizei beschäftigt, zu ordnen; dort kamen Zollbeamten auf ihren Kähnen undlegten bei jedem neu zusahrenden Schiffe an.

Es war ein wunderbares Schauspiel und der Größe des größten Volkes würdig.Mich ergriff ein geheimnißvoller Schauer, nie hatte ein Schauspiel einen so gewaltigenEindruck auf mich gemacht!England!"k»Is Uritsimis!"Herrscherin derWellen!" ries jeder Zollbreit dieser Scene dem erstaunten Blicke zu.

Endlich landeten wir. Wir durchzogen die Straßen, und sie waren des Eindruckesganz würdig, den die Wasserstraße, auf der wir in London angelangt waren, auf unsgemacht hatte. Auf jedem Hause lag ein Ernst, eine Ruhe, ein kalter Stolz, wie sienur in London zu finden sind. Bald sahen wir in der Ferne den Dom St. Paul's,ein Herrscher grau und ernst und stolz auf die grauen ernsten Straßen herabschauend.Es war ein Sonntag. In einzelnen Straßen, den Hauptadern von einem Ende derStadt zum andern, strömte die Menge hin und her, sonntäglich geputzt und doch diewerktägliche Hast nicht ganz aufgebend. So ernst wie die Häuser, wie die Kirchen sahendie Menschen vor sich hin. Das Geräusch der Menge war, wie das der Sphären, ohneTon, ohne Sprache, stumm und doch unser Ohr beherrschend.

In allen Nebenstraßen waltete Todtenstille. Kein Mensch, kein Hund, kein Vo-gel regte sich in ihnen. Und diese Stille, diese Oede hob dann wieder das Leben, dasDrängen, das stumme Geräusch der Hauptstraßen nur noch mehr hervor.

Wunderbar! Welch ein Volk! Wie aus Erz gegossenes Leben! Ich standund staunte und wußte die Gefühle nicht zu meistern.

Da fiel mein Blick auf eine Art Gespenst. Dort an jener Ecke auf kalter nasserSteinplatte saß ein Weib und neben ihr lag ein Knabe, halbnackt, den Auszehrungstodin jeder Miene, Elend an jedem Gliede verkündend. Der Knabe wimmerte und schüt-telte sich vor Kälte, die Mutter hatte keine Thränen mehr. Der kleine Bursche schriebmit weißer Kreide Etwas auf die schwarzen, nassen, kalten Steinplatten, die seine nack-ten Glieder erwärmten, indem sie an ihnen erkalteten. Ich trat hinzu und las:Ism innigr^!"

Das waren Irländer!

II. Jahr und Tag hatte ich in London gewohnt. Ich glaubte England und dieEngländer zu kennen und stand auf dem Punkte, wieder auf das Festland zurückzukeh-ren, als ich eines Abends Freund D. besuchte. D. ist ein Irländer, der an der Spitzeeines der ersten Blätter Englands steht. Es ist auch einer von jenen wunderbaren unddoch so natürlichen Widersprüchen, daß wir bemannen, elenden, hungernden Irlandüberall begegnen, wo sich das Geschick Englands entscheidet. Die ganze englischePresse ist zu Dreiviertheilen in den Händen von Irländern. An der Spitze des Mor-ning Chronicle steht ein katholischer, an der Spitze der llsily IVecvs ein protestantischerIrländer. Und nicht nur in der englischen Presse herrscht Irland. Wellington selbst,derIron und Palmerston, der stolzeste Diplomat Englands, sind Irländer.

Eobden, der Führer des englischen Mittelstandes, ist nur ein Schüler O'Connell's, undFeargus O'Eonnor, das Haupt der englischen Demokratie, ist ein Irländer < der denIrländern zu wenig ^rnft, Würde und Redlichkeit besaß, um ihm zu erlauben, sich zuihrem Wortführer aufzuwerfen.