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O'ConneU.
ungleich mehr für den Absolutismus als für gesetzliche, sich selbst ermäßigende Freiheit,könnten sie — sofern sie nicht etwa in verwüstenden Explosionen die Rettungsmitkel derVerzweiflung finden — je mündig, frei und gesund, könnten sie je anders als unfrei, ver-zerrt und verkrüppelt hervorgehen *).
Möchte doch ein neuer Hutten die Briefe unserer modernen weltlichen und geistli-chen Dunkelmänner schreiben!
Ein dritter Zcrthum bei Rousseau, bei unseren Hallers und Mittelalters-freunden ist der schon mehrmals von uns gerügte. Selbst nehmlich wenn man auchnach'subjectivem Geschmack« etwa die Perioden der Kindheit und des Jünglingsalters mitihren eigenthümlichen Vorzügen und Mängeln dem reiferen Mannesalter vorziehen wollte,darf man doch nimmermehr hoffen, durch obscurantische und gewaltsame Hemmungender männlichen Entwickelungen und Fortschritte das eigenthümliche wahrhaft Gute undSchöne des für immer entschwundenen jugendlichen Alters festzuhalten oder herzustellen.Vielmehr wird man dadurch nur die Vortheile beider Lebensalter zerstören. Man wirdnur unglückliche Verzerrungen gegen die Vorzüge der männlichen Zeit eintauschen. AuchRousseau würde, wenn er sein warmes Gefühl für das Wohl seiner Mitmenschen ebenso durch ein erfahrungsreiches praktisches Unheil wie durch geniale Phantasieen hattewollen leiten lassen,,ihre Verbesserung nur in allseitigem, freiem, harmonischem Fort-schritte ihrer Civilisation, nicht im Rückschritte zur Barbarei haben suchen müssen. SelbstStillstand, ja jedes Nachlassen des Kampfs zum Fortschritte im Höheren führt hier, beiden stets wachen und thätigen Kräften der sinnlichen Natur und bei ihrem steten Nieder-ziehen zum Materialismus, naturnothwendig zum Rückschritte. Fortschritt ist also dieAufgabe wahrhaft menschlicher Tugend, Bestimmung und Glückseligkeit; Rückschrittführt zu Fäulniß und Untergang. Vollends wenn einmal in einem Volke, einem Zeital-ter , in der umgebenden Völkerwelt das Gefühl der Freiheit und Mündigkeit erwacht ist,alsdann kann ein eigennützig despotisches oder engherzig bevormundendes obscurantischesAbwehren von Licht und Freiheit, eine Verweigerung und Verkümmerung wahrer gesetzli-cher Lehr- und Preßfreiheit und der freien kirchlichen und politischen Verfassung nur jenezuvor geschilderten, für die edelsten Volkskcäfte und für Thron und Altar verderblichenWirkungen, Lähmungen, unnatürlichen Stockungen und gewaltsamen Ausbrüche zurFolge haben. Kann dieses System auch vielleicht noch vorübergehend sich halten und eindespotisches Ministerium, welches verratherisch das „uprLs moi Is ckeliige!" zu seinemWahlspruche macht, ausdauern und stützen, so wird sie auch um so sicherer Dynastieenund Reiche zum Rande des Abgrundes führen.
Wäre aber auch diese letzte Ansicht irrig — dann um so schlimmer! Die Ehre undZukunft der deutschen Nation selbst gefährden und durch eine eigennützige, verrätherischePolitik in Frage stellen, ihr die von Gott bestimmte freie Vervollkommnung rauben —welcher Deutsche möchte diese Schmach, diesen Fluch auf sich laden! C. Welcker.
Observanz, s. Gewohnheitsrecht.
Obsignation, s. Versiegelung.
O'Connell (Daniel). I. An einem schönen Herbstmorgen fuhren wir auf einemstolzen Dampfboote langsam die Themse hinauf. Ein feiner Nebel, den die Sonne nurvon Zeit zu Zeit in einzelnen Strahlen durchbrach, lag über dem Flusse und seiner Umge-bung und deckte jede Fernaussicht. Dieser geheimnisvolle Schleier, der uns in einenengen Kreis bannte, war ganz geeignet, jeder Scene, an der wir vorbeifuhren, einenum so höheren Reiz zu geben. Hunderte und Tausende von Schiffen, groß und klein,dreimastige Jndienfahrer und leichte Küstensegler, Ruderboote und Dampfschiffe allerArt tauchten aus dem Nebel vor uns auf, fuhren schnell und schweigsam an uns vorüberund gingen ein paar hundert Schritte hinter uns wieder in dem Nebel unter. Endlichrückten die Ufer näher, und dann traten oft graue, dunkle, ernste Steinmassen auf dem
*) Vergleiche über die Mbser'sche Ansicht der Bildung zur Freiheit und der Heilungihrer Nebel durch die Freiheit, so wie sie die Belgier und Norweger uns jetzt zeigen, denArtikel „Möser".