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Obskurantismus rc.
reien der Willkür und einer engherzigen Bevormundung *). Blicke man nur nach demfreien England! Die für ganz Europa gefährliche jesuitische hierarchische Propagandawird für England nicht im Mindesten beunruhigend und gefahrdrohend. Und doch hatEngland noch große Schwierigkeiten mit seinen vielen Katholiken und vorzüglich mit denacht Millionen Irländern zu beseitigen, Schwierigkeiten, welche selbst nur frühereUnterdrückung schuf. Und doch erfreuen sich auch die Jesuiten in England, wie jedePropaganda, des ausgedehntesten Schutzes der englischenFreiheiten,der Freiheit der Presse,der Associationen , der Volksversammlungen, des Schutzes gegen die Regierungspolizeiund Gerichtswillkür. Von schützendem Placet, von Concordaten oder Unterhandlungenmit der Curie, von einem cmnwe ,I'gl>u8 weiß man in England auch Nichts. Unddennoch die felsenfeste Sicherheit! Alles gleicht sich hier aus, und auch das Schädliche fin-det von selbst seine Hemmungen und Gegengewichte. Ohne daß sich die Regierung irgendgehässig zu machen, durch unterdrückende Präventivmaßregeln den Schein und Eifer einesMärtyrerthums und einen Glaubenskrieg gegen sich aufzuregen braucht-, wird aus derMilte des Volks und der Gläubigen selbst die Verkehrtheit frei bekämpft und zurückgewie-sen, und in äußersten Fällen und Gefahren darf die Regierung sich stolz auf den gesundenSinn, die gesunde kräftige Stimme und Mitwirkung eines freien Volks gegen ver-derbliche Unternehmungen stützen und verlassen. Preußen hat in seiner Mitte keine Je-suiten, und die Regierung hat alle Hände voll gewaltiger Waffen gegen jede misfälligeBewegung im Staate, und doch konnte selbst von Außen her jene jesuitische Propagandaden Staat bis in seine Grundfesten erschüttern und bei zufälligen äußeren Verwickelungenaufs Aeußerste gefährden. Und wer für Preußen und andere deutsche Staaten die Gefahrfür die Zukunft besiegt glaubt, hat gutmüthigece Hoffnungen, als wir uns zu eigen ma-chen können.
Es ist vollends ganz gegen die Natur des männlichen Alters der Völker und Staa-ten, in welchem die verschiedenen Richtungen und Kräfte in so offene männliche Gegen-sätze und Wechselwirkungen getreten sind, wie bei uns sie hier noch durch willkürlich be-vormundende despotische und mechanische Mittel beliebig gängeln, unterdrücken oder re-gieren zu wollen. In der That, nur Schwächlinge in der Politik können so verkehrte,unheilbringende Rathschläge ertheilen.
Verkehrtistes, um den Lauf der Zeit zu hemmen, den Zeiger an der Uhr zurückzu-stellen. Und tausendmal unmöglicher, als es dem unglücklichen KarlV. wurde, alleseine Uhren gleichförmig gehen zu machen, ist es, zur Freiheit erwachte Männer und Völ-ker in einer mechanischen Gleichförmigkeit zu erhalten.
Noch viel unmöglicher aber, als es ist, daß ein Knabe und Jüngling sich zu einemtüchtigen und kräftigen, harmonischen und gesunden Manne entwickele unter solcher be-ständigen Gängelei, Bevormundung, Freiheitsbeschränkung und Absperrung von Lichtund Luft, noch weniger kann sich ein edler, freiheitsfähiger Volksstamm in ähnlicher Lagezu einem tüchtigen und würdigen, freien, sich selbst beherrschenden Volke ausbilden undals solches behaupten. Das wußte der treffliche JustusMöser wohl. Sein gesunderund praktischer, zugleich wahrhaft historischer Sinn wies daher schon zum Voraus zurückdiese zuweilen wohlgemeinten, öfter jedoch auch der Absicht nach etwas despotischen Volks-bevormunduntzen und die solchem Despotismus huldigenden Theorieen- Er verwirftenergisch unsere neuhistorischen und naturphilosophischen Lehren, welche das kümmerliche,gnädige oder beliebig stückweise Zutheilen und Zurücknehmen der kleinsten Brosamen vonFreiheit und Licht als organische Freiheitsentwickelung preisen, welche unter dem All-einmachen der absoluten Herrscher-und Bevormundungsgewalt von einem „sich vonselbst machen", von Recht und Freiheit des Volks sprechen und diegetäuschten Völker überreden wollen, aus dieser verkrüppelnden Erziehung, aus diesenMenschenalter hindurch dauernden Buchstabirübungen der Freiheit, aus dieser Erziehung
*) Vergl. hier insbesondere auch die Artikel „Aberglaube", „Censur als Sit-tengericht" und „Censur der Dru cksch riften", „Lehrfreiheit" und„Galli-ca irische Kirche."