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Obskurantismus rc.
einen Vorzug, da diese besonderen Laster der Zivilisation meist nur mehr oder minderverschiedene Formen derselben untugendhaften Neigungen sind, die sich in andererWeise auch bei dem rohen Menschen äußern. Insbesondere ist es eine grobe Täuschungvieler deutschen Büchergelehrten, die nur die Abbilder ihrer geschriebenen und gedrucktenWelt, nicht die wirkliche Welt ins Auge fassen, oder eine Täuschung ganz erfahcungslosereinfältiger Menschen, wenn sie glauben, in den unter dem Deckmantel des politischenund religiösen Obskurantismus erzogenen und regierten Völkern finde sich mehr wahreTugend und weniger Laster als in den freien. Bei diesen letzteren enthalten zwar natür-lich die öffentlichen Mittheilungen und die preßfreien Zeitungsrügen vorzugsweisealles wirklich oder scheinbar Böse, und ungleich weniger dasGute,weil ja keine Interessen der Politik oder der Neugierde zu dessen öffentlicher Erzählungund Darstellung auffordern. Bei den unfreien dagegen dürfen nicht einmal im Allgemei-nen die officiellen Lügen und Schmeichelreden widerlegt und am Wenigsten die besonde-ren Schlechtigkeiten enthüllt werden. Aber wer, der auch nur halb hinter die Eoulifsensolcher Zustände blickte, weiß es denn nicht, daß sich hier ungleich mehr als beifreien Völkern sinnliche Genußsucht, Ehrgeiz, Eitelkeit, Hochmuts,, Eigennutz, Be-stechlichkeit, Veccath und Verkauf alles Heiligen und grausame Unterdrückungen vorsin-den. In den Tagen großer Erschütterungen und Unglücksfälle und der Auflösung durchdie im Stillen angrwachsene Verderbnis und Fäulniß, so wie in den französischen undspanischen Revolutionen oder so wie bei uns nach der ersten französischen Revolution,da werden sie zum Theil wenigstens auch der Welt sichtbar. Nur Betrüger oder Betro-gene können dieses leugnen. Schwachsinnige deutsche Gelehrte aber freuen sich, daßwenigstens ihre gedruckte Welt der Regel nach frei bleibt von dem Bösen im Vaterlande,daß unsere Druckschriften nur französische, spanische und englische Mängel berichtendürfen, und daß so ihr selbstsüchtiger Götzendienst gegen die Gnadenspender nicht ge-stört wird.
Ein zweiter Jrrthum ist der, daß man auch solche «inseitige, mangelhafte und feh-lerhafte Anwendungen der Kräfte und Güter der Civilisation und des Lichts, welche ver-mieden oder verbessert werden können, als mit diesen selbst unabänderlich verbunden an-sieht. So sagt schon B a c o n von der Philosophie, daß ein oberflächliches Nippen an der-selben von dem wahren Glauben an Gott abführen könne, während die volleren Züge zuGott hin-und zurückführen. So befestigtauch, wie es England beweist, ein vollererlängerer Genuß der religiösen und bürgerlichen, der Verfassungs- und Preßfreiheit in dervollen Achtung der Religion, der Moral, der Gesetzlichkeit und der gesetzlichen Regierung,während nach längerer Beraubung Mer Güter und bei dem ersten unvollkommen gewähr-ten oder wieder geraubten, bei bedrohtem und unsicherem Besitze Abwege und Misbräuche,so wie in Frankreich, Spanien und zum Theil auch in Deutschland, sich zeigten. Kei-neswegs das wahre Licht des Kopfes, sondern nur jenes falsche Licht flacher verneinenderAufklärer schadet der Wärme des Herzens. Nicht die gesunde Lebenswärme des Herzens,sondern jene fanatische Fiebergluth schadet dem Lichte des Kopfes. Das wahre gesundeLicht und die wahre Wärme sind unzertrennlich und erhalten und fördern sich gegenseitig.
VI. Die sichersten und kräftigsten Heilmittel und Bürgschaften gegen diese Unvoll-kommenheiten und Misbräuche und überhaupt gegen die eigenthümlichen Gefahren derCivilisation oder der Aufklärung ganz eben so wie die besten Schutzmittel gegen alle ob-scurantischs Bestrebungen lassen sich nimmermehr in willkürlichen Hemmungen, Unter-drückungen und Gängelbändern, sondern durchaus nur in echem zwar weise gesetzlichgeregelten, aber vollständig freien Walten des Lichts und der Freiheit und aller Quellenderselben finden. Die Natur der Menschen und Völker strebt unabweisbar nach Harmo-nie und Gleichgewicht ihrer Kräfte, nach Gesundheit. Lasse man ihr nur diese Kräfteund die Wege und Mittel frei! Sie findet alsdann, so wie im freien England undSchweden, in Norwegen, Holland und Belgien, in der Schweiz und allmälig auch inFrankreich und Spanien, gegen die Einseitigkeiten und Uebertreibung die rechten Gegen-kräfte und Schranken. Sie und der gesunde Sinn und die natürlichen Bedürfnisse derVölker finden und geben sie zehnlausendmal besser als die Gängeleien und Quacksalbe-> 5 *