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10 (1848) [Not - Pra]
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Obskurantismus rc.

gels gleichen Schutzes und eines gemeinschaftlichen Centrums gleich der römischen Curiean sich ungleich weniger gefährlich, suchen neubelebt die pietistischen Convenlikel, vorzüg-lich ihre Anhänger in höheren gesellschaftlichen Posten, in ihren einseitigen Richtungenebenfalls licht- und freiheitseindlich zu wirken. Reaktionäre Bestrebungen in der Politik,Anfeindungen, Unterdrückungen oder Verkümmerungen der Preßfreiheit, dieses wahrenSonnenlichts für die heutige Cultur und Freiheit so wie wahrer verfassungsmäßigerVolksfreiheit, hat vorzüglich in Deutschland ihren Sitz aufgeschlagen. Dieses erst machtlene Propaganda wahrhaft gefährlich. Selbst die Politik protestantischer Regierungenund protestantischer Aristokratie wirkt so hilfreich den ihr todfeindlichen Bestrebungenjener hierarchischen jesuitischen Propaganda liebevoll in die Hände *). Selbst in Wissen-schaft und Kunst sah und sieht man neben heilsamer Rückwirkung gegen flache und falscheeinseitig negirende und zerstörende Aufklärers! und Freiheitsbestrebung absichtliche oderunabsichtliche Alliancen mit jenem gefährlichen Obskurantismus, mit dem politischen wiedem kirchlichen Stabilismus und Absolutismus. So die einseitigen Kano-nisirungen und Restaurationen des Mittelalters und seiner Zustände; soselbst jene n ai urvh il osop hi s ch e und von der historischen Schule nachgeahmte Ueber-tragung des Naturgesetzes und seines Organismus, seines sich von selbst Mächensin das Freiheitsgebiet und ihre Lehren, daß Alles, was ist, und alles Geschichtliche gutund recht und das allein Vernünftige sei.

V. Vielleicht läßt sich als eine besondere vierte Quelle des Obskurantismus auchnoch ein Grundirrthum über die Bestimmung, den Gang und dieBedingungen der gesellschaftlichen Cultur anführen. Dieser Jrrthumwird übrigens unbewußt mehr oder minder durch die zuvor erwähnten einseitigen und lei-denschaftlichen obscurantischen Neigungen und Richtungen bestimmt. Hierdurch mislei-tet, schreiben nehmlich Manche alles Böse in dem civilisirten Zustande der Auf-klärung, der Preßfreiheit, der freien Kirchen- und Staaksverfassung, überhaupt derCivilisationzu. Sie fassen mit einseitiger Phantasie und Schwärmerei die früherenroheren Culturftufen der Kindheitsperiode in der Gestalt erträumter idyllischer Zuständeeines goldenen Zeitalters auf und möchten zur Verbesserung der Völker sie in ihr Kindes-alter zurückführen. Ganz folgerichtig müßte man aus gleiche Weise auch die wichtigstenphysischen Güter, Feuer und Eisen, anklagen und verdammen. Auf diesem Wege hattenamentlich Rousseau in seiner Schrift über die Grundlagen der Ungleich-heit mit seiner glühenden Phantasie die civilisirten Zustände der Völker so schwarz, diebarbarischen Urzustände so herrlich gemalt, daß ihm Voltaire schrieb, er habe ihmfast Lust gemacht, auf allen Vieren zu gehen und Eicheln zu fressen. Die Jrrthümer,welche solchen Ansichten und Bestrebungen zu Grunde liegen, sind wieder mehrfacher Art.

Fürs Erste bilden eben so wenig die meisten eigenthümlichen Erscheinungen der Un-kultur an sich wirkliche Tugenden, als die der Civilisation wahre Laster. Die wahrenmenschlichen Laster oder doch die Quellen derselben: Selbstsucht, Genußsucht, und be-stände der Genuß auch nur in träger Ruhe, Lieblosigkeit, Bosheit, Rachsucht und selbstHinterlist gegen den Nebenmenschen, ja auch Eitelkeit und Hochmuth, zeigen sich wahr-lich eben so sehr in den rohen Zuständen der Menschen als in den civilisirten, ja oft aufeine scheußlichere Weise. Daß dort den Menschen blos aus Unbekanntschaft und ausMangel an äußeren Versuchungen, vollends aber aus Unbekanntschaft mit so vielen Tu-genden alle Möglichkeit und Anreizung zu entgegenstehenden Lastern fehlen, so etwa wieaus Mangel an Freiheitsliebe die Versuchung zu fehlerhaften revolutionären Bestrebun-gen, dieses begründet an sich noch eben so wenig einen wahren, achtbaren Vorzug, alses wahre Tugend von Holz und Stein ist, daß sie geduldig sind. Nicht in der Unmög-lichkeit der Sünde, nicht in unbewußter träger Passivität, sondern in sittlichem Stre-ben und Kampfe besteht die Tugend. Jene- roheren Zustände begründen um so weniger

*) Beachtenswerth ist unter Anderem auch der ArtikelPropaganda" in demConversationslexikon der Gegenwart