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Obskurantismus rc.
ger auch einer höheren, übersinnlichen Welt zu sein, und durch die Verleugnung derhöheren Wahrheiten sich in steten unauflöslichen Widerspruch setzen mit sich selbst undmit der gewissesten aller Erkenntnißquellen, mit dem Gewissen, mit dessen täglichenAussprüchen und ihren eigenen unwillkürlichen praktischen Anerkennungen. Selbst beiden frechsten und rohsten Materialisten lassen sich ihre unwillkürlichen praktischen Aner-kennungen und Urtheile nie auf die Dauer mit der unvermeidlichen Conseguenz jener Leh»ren vereinigen, mit der Consequenz,^daß alle Tugend ein Ammenmärchen und dervollendetsteMaterialismus und Egoismus die höchste, die aufgeklärteste Vollkommen-heit der Menschen und Völker sei. Jene Einseitigkeit ist jetzt bei uns Gottlob noch mehrtheoretischer Natur. Sie entstammt zunächst dem verfehlten philosophischen Bemühen,den philosophischen absolut-gewissen Anfangs- und Einheitspunkt für jene doppeltenWelten, Naturen und Erkenntnisse zu finden, bei welchem noch immer unsere philoso-phischen Systeme an einer dreifachen Einseitigkeit scheitern. Sie stellen entweder beide,das Sinnliche und Uebersinnliche, so wie Kant und Eschenmaier, als Philosophiedes Wissens und Philosophie des Glaubens unvereint neben einander, oder sie lassen dasSinnliche im Uebersinnliche» untergehen, wieFichte, oder umgekehrt das Uebersinnlicheim Sinnlichen, wie die Naturphilosophen. Da nun bei uns die Gelehrten ein-seitiger, als recht ist, sich von jedem neuesten philosophischen Schulsysteme leiten undgängeln lassen, indem dieses, bald in die Literatur und die Unterhaltung und alle Wis-senschaften übergehend, wie ein Miasma Viele auch unbewußt ergreift, und da die sinn-liche Natur und die vorzugsweise tägliche Beschäftigung mit ihr so Viele schon von selbstauf die Naturseite zieht, so begreift sich die große Zahl jener theoretischen aufklärendenVerdunkler, welche uns die Gestirne des Himmels verhüllen, um uns gänzlich auf dieErde zu beschränken. Aber sie übersehen, wohin ihre Lehre, sobald sie allgemeinpraktisch würde, folgerichtig und nothwendig führen müßte, nehmlich zum rohestenMaterialismus und Egoismus, keineswegs etwa blos zu einem feinen Epikuräismus.Dessen krankhafte Jnconsequenzen und Subtilitäten wirst der derbe, kräftige, conse-quente Sinn der Volksmassen, sobald sie einmal nur materialistische Pcincipien anerken-nen, verächtlich zur Seite. Diese Aufklärer also müßten die Völker, gerade so wie daszuletzt nicht mehr blos moralisch, sondern physisch ersterbende rö-mische Volk in der Kaiserzeit, unvermeidlich zuerst zum Untergange aller wah-ren Religiosität und höheren Cultur und alsdann in die scheußlichste Nacht und Barba-rei zugleich der frechsten allgemeinsten Entsittlichung und der scheußlichsten Tyrannei undzugleich eines tausendfältigen gespenstischen Aberglaubens stürzen. So ist denn wirklichdiese aufklärende Verdunkelung, ganz eben so wie die im gewöhnlichen Sinne obscuran-tische, die wahre Mutter des Aberglaubens. Wenn die wahren Himmelslichter, wenndie Sonne und die Sterne erloschen sind, alsdann entsteigen den Sümpfen die Nebel undIrrlichter der Erde.
Es ist nach dem Bisherigen nur eine natürliche und zum Theil selbst heilsame Gegen-wirkung, mit hervorgerufen und unterstützt durch die Einseitigkeiten des Rationalismus,der Aufklärungs- und Freiheitsbestrebungen, daß, nach ihrem scheinbaren gänzlichenSiege gegen Ende des vorigen Jahrhunderts, seitdem wieder entgeg.»gesetzte Bestrebun-gen in allen Gebieten des Wissens und Lebens wirksam wurden. Leider sind dieselbenvorzüglich seit der großen politischen Reaction bald nach den Befreiungskriegen und inunserem heutigen reich und vielseitig bewegten Leben zum Theil wirklich obscucantisch inden Kampf getreten und mit allem wahren Rechte und mit der wahren Freiheit und denbesseren Bestrebungen für sie. Nur ein Betrogener oder Betrüger kann es verneinen,daß täglich weiter und drohender eine hierarchische jesuitische Propaganda fast nochmehr im Finsteren als öffentlich in allen katholischen und auch in protestantischen Län-dern ihren obscurantischen Fanatismus gegen Licht und Freiheit verbreitet. Vielfach hatihr bereits eine verblendete Politik mancher Regierungen und Aristokraten, verblendet,sei es durch eigennützige und herrschsüchtige Motive, sei es durch Leidenschaft gegen falscheliberale Bestrebungen und durch schwachsinnige Scheu vor dem Lichte, in ihrem Versin-sterungswecke hilfreiche Hände geboten. Mit ihnen um di« Wette, obwohl wegen Man-Staat« - Lerikou. X. 5