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Obskurantismus rc.
Dieses artete nicht selten in Kopfhängerei und Heuchelei, ja in fanatische Selbst- undOpfermorde aus. Hieran schloß sich fünftens ein einseitiges Absondern von der übrigenKirche, ein Separatisten- und Conventikelwesen der Stillen im Lande u. s. w. Dieseswurde dann meist durch die Schuld der kirchlichen und weltlichen Verfolgung großentheilsgeheim, hüllte nicht blos seine Wirksamkeit, seine Versammlungen, seine Proselyten-macherei, seine Missionen und Tractätleinverbreitung in Dunkel, sondern stöhnte indiesem Dunkel auch oftmals, so wie bei den Muckern, geheimen Lüsten und Leiden-schaften und stellte sich immer mehr dem Lichie wahrer Wissenschaft und Aufklärungfeindlich und obscurantisch entgegen. Und besonders auch die Lehrer und Pfarrer derKirche sahen sich oft, so wie kürzlich in Genf und Lausanne und in der Heng-stenberg'schen Berliner Kirchenzeitung, ketzerischen pietistischen Verfolgungen ausgesetzt.
Gegen allen bisher angedeuteken Obscurantismus und Aberglauben, gegen den desweltlichen Despotismus und Stabilismus wie gegen den religiösen, gegen den hierar-chisch-katholischen und katholisch-mystischen wie gegen den orthodoxenAnd pietistischenprotestantischen, trat vorzüglich im achtzehnten Jahrhunderte in England, Frankreichund Deutschland die Aufklärung und der Rationalismus, und zwar vorzugsweiseder philosophische und wissenschaftliche Rationalismus, in die Schranken.
Und wahrlich höchst wohlthätig und ^als ein unendlicher Fortschritt der menschlichenCultur wirkten überall in Staat und Kirche, in Kunst und Wissenschaft, in Handel undGewerbe seine Aufklärungen, seine Zerstörungen von Aberglauben und Vorurtheilenaller Art, seine Reformen und seine Revolutionen.
Doch wer darf es leugnen, daß auch die rationalistischen und aufklärenden Bestre-bungen durch menschliche Schwäche und die Leidenschaft des Kampfs gegen den Obscuran-tismus häufig höchst einseitig wurden ? Und Das gerade muß der wahre Freund des Lichtsam Meisten beklagen, daß sie häufig, statt wirklich Licht und Wahrheit zu lehren und zufördern, statt im besseren Sinne aufklärend und illuminatisch zu sein und zu wirken, sovielfach das wahre Licht zerstörten, obscurantisch und despotisch waren und vorzüglich denObscurantismus und Despotismus selbst wieder hervorriefen und kräftigst unterstützten.
Ist es denn nicht in der Thal eine einseitige, lediglich verneinende und zerstörendeAufklärerei, welche es bewirkte, daß in Frankreich Atheismus und Philosophie ein undderselbe Begriff wurden, welche alle höheren religiösen, sittlichen, ästhetischen Erkenntnisse,Gefühle und Ideen und ihre Quellen, alles geschichtlich Bestehende, Christenthum,Königthum und Volksthum, statt sie von Irrigem zu befreien, vielmehr auf gleicheWeise anfeindete und zerstörte, so viel möglich gewaltsam zerstörte — ist sie nicht selbstein Obscurantismus und Despotismus? Und was mußte mehr die entgegengesetzte ob-scurantisch-despotische Richtung Hervorrufen, unterstützen, scheinbar legilimiren und imleidenschaftlichen Gegenkampfe zum Fanatismus steigern, als dieses Extrem mit seinerUnbefriedigung und Verletzung für die Völker, mit seinen augenfälligen Verkehrtheitenund verderblichen Folgen? Auch jene ausklärenden Verdunkeler aber sah und sieht mannicht selten eben so fanatisch für den Unglauben, wie die Gegner für ihren Glauben undAberglauben. Mit Jubel begrüßen sie in ihrer Verblendung jede Zerstörung wahrer Re-ligiosität, jede Zerstörung aller höheren und tieferen menschlichen Ideen und Gefühle,gleich als wären es Triumphe für die Freiheit und den Fortschritt. Ja, sie feinden selbstdie unentbehrlichsten Grundlagen wahrer Sittlichkeit und Tugend an. Eine obscuranti-sche Unterdrückung aller höheren Wahrheiten, der Wahrheiten von dem wahren persön-lichen Gott, von der Vorsehung, der Freiheit und der Unsterblichkeit, die Verdunkelungdes Lichts der christlichen Religion durch den Materialismus naturphilosophischer, Hegel'-scher und Strauß'scher Lehren begrüßen sie noch heute als gleiche Fortschritte menschlicherWahrheit und Freiheit wie die Abschaffung der Hexenpcocesse und der Inquisition. Sieverhüllen es sich selbst, daß ein Uebertragen der Gesetze blos für die niedere sinnliche Naturauf das ganze Sein, auch auf das freie geistige — das unsterbliche göttliche Leben, ja,eine Unterordnung selbst des freien geschichtlichen Menschenlebens unter das reine Natur-gesetz wahrhaft absurd.ist und zu stets neuen Absurdidäten und Widersprüchen führt. Sieverhüllen es sich, daß sie hierdurch, indem sie es aufgeben, Bürger zweier Wellen, Bür-