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10 (1848) [Not - Pra]
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Obskurantismus :c.

einzurichten. Aber obgleich hier mehrere Gewerbe gelehrt werden, die den Entlassenen ih-ren Unterhalt sichern können, obgleich in Bordeaux durch den jetzigen Bischof von Algierdie jungen Eingesperrten im Schiffbau unterrichtet und zu Seeleuten gebildet, aus dieMarine gebracht und ihrem schlechten Verwandtenanhang entrissen werden, so darf mandoch dem Versuche in Mettray bei Tours die Priorität einer neuen pädagogischenBehandlung der jungen Diebesbrut nicht versagen. Der Abbe Fissieux, Canonicuszu Marseille und Director der daselbst gebildeten Erziehungsanstalt für Verbcechec-jugend, führte in diesen Tagen vier und dreißig im hiesigen Zuchthause sitzende Knaben sei-ner Anstalt zu, um sie in der Industrie und in dem Ackerbau zu unterrichten und als ge-besserte, wohlunterrichtete Jünglinge der Gesellschaft zurückzugeben. In einer schmucklo-sen Predigt hat er verwichenen Sonntag über sein Werk und die Wichtigkeit desselben inder Kathedrale vor einem zahlreichen Publicum gesprochen und Aller Herzen gewonnen.So wie er ohne Gensd'armen und Schließer und nur in der Gesellschaft einiger Brüderdes Ordens St. Joseph seine kleine Bande nach Marseille führt, so werden sie auch dort ineinem Hause ohne Ringmauern und Schließer im Zaum gehalten werden. Die FreresSt. Joseph sollen die Aufsicht über alle Besserungsanstalten, Zuchthäuser und zuletzt überdie Galeerensträflinge vom Gouvernement erhalten. Das ist der Wille der Regierung,das ist die Uebereinkunst mit dem Cardinal Bonald, der in diesen praktischen Din-gen das Heil der katholischen Kirche Frankreichs erblickt und mit unendlicher Thätigkeitwirkt. Vermöge Frankreichs Centralisation wird es auch hier Riesenschritte thun, undDeutschland mag wohl zusehen, daß es bei seinen vereinzelten Einrichtungen nicht ^urück-bleibt. Niemals hat die Kirche durch ihre Orden einen so großen Schritt gethan als in diesemletzten Jahre. Die Petitionen aller französischen Bischöfe um Freiheit des Unterrichts unddie Angriffe, denen die Universität (mit ihrem Monopol) ausgesetzt ist, beweisen den geisti-gen Einfluß des Klerus in einem Lande, das dem tollsten Unglauben überliefert schien."

lil. Da nun der Obskurantismus nicht blos der Natur und der Würde und Be-stimmung der Menschen widerspricht, sondern auch für das Alles verderblich wirkt, waser vermeintlich und angeblich schützen soll, so könnte es befremden, daß es auch Freundeder Finsterniß giebt, die sie nicht aus bewußten schlechten Zwecken lieben und hegen. Den-noch ist dieses der Fall. Ja die Zahl dieser Dunkelfreunde ist ungleich größer als die derBöswilligen, sofern man nur den letzten Namen nicht anwenden will, bei Selbsttäu-schungen und bei bloßer Mitwirkung menschlicher Leidenschaftlichkeiten und Einseitig-keiten so wie auch eigennütziger Zwecke, wie sie ja nur allzu oft selbst die Ausübung dergebrechlichen menschlichen Tugenden begleiten und unterstützen.

Fast unübersehbar aber und oft in einander überlausend sind die verschiedenenActen der Verdunkelungen, die uns hier entgegentreten: die religiösen, politischen, ge-lehrten, ästhetischen, gewerblichen, die des Mpsticismus und Pietismus, die des Aber-glaubens und Somnambulismus, die der Hierarchie und des Jesuitismus wie die einerfalschen zelotischen protestantischen Orthodoxie, des kirchlichen und weltlichen Stabilismus,der monarchischen, aristokratischen und Pöbeldespotie. Ja, es giebt auch gefährliche Ver-dunkelungen einer falschen Aufklärerei und Rationalisterei.

Wo liegt nun die gemeinschaftliche Quelle dieser krankhaften verderblichen Erschei-nungen ? ' In bösem eigennützigen Willen und Zweck und sittlicher Schwäche sind sie nichtzu finden. Eben so wenig aber kann man sie wohl mit Manchen *) in angeborener Ver-standesschwäche und Stumpfsinn, oder in einer natürlichen Dunkelheit und Krankheitder Seele, in einem Mangel an Kraft, sich zum Licht zu erheben, finden. Man müßtesonst auch für jeden andern menschlichen Jrrthum und Fehler nur diese Quellen angebenwollen ; dann bliebe aber doch noch die Frage nach den besonderen Ursachen dieser beson-deren Fehler.

Freilich eine Quelle bleibt jene zuerst angegebene, der oben geschilderte böse selbst-süchtige Wille, Andere zu misbrauchen. Auch erzeugt sehr häufig das Bewußtsein eige-

*) Vergl. z. B. den ArtikelObskurantismus" in der Allgem. Ene. v.Ersch u. Gruber.