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Obskurantismus rc.
lichst schlechten Lichte erscheinen zu lassen. So strebt man nehmlich uns gutmüthigenDeutschen selbst unsere eigenen deutschen Gebrechen, statt sie zu heben, im Gegentheil nochmehr zu verhüllen, als es schon die Censur thut. Während wir täglich eifriger das achtfranzösische absolutistische Centralisirungs-, Administrations- und Polizeisystem vonLouis XlV. und Napoleon und die Avilirung der zu bloßen Willkürsinstrumentenherabgewürdigten Beamten bei uns nachahmen und für unsere modernen Beamtenstaatenden Beamten ihre frühere deutsche selbstständige Stellung und Würde rauben, soll unsdoch ein blinder Franzosenhaß gegen Das, was in Frankreich gut und was achtdeutschen und britischen Freiheitsgrundsatzen entstammt ist, gegen die reichsstän-dische Parlaments- und Preßfreiheit und gegen die öffentlichen und Schwurgerichte, gegenihre Güte und ihren Ursprung verblenden. Dennoch dringt auch hier unter vielen Artikelnvon jener einseitigen gehässigen Richtung zuweilen die Wahrheit durch. So, um nur dasmir zunächst vor Augen Liegende zu erwähnen, geben zwei verschiedene Artikel in der Bei-lage 118 von der Augsb urLer Allg. Zeit. v-1840 Bestätigungen des Ausgeführten.Der eine sagt in einer Correspondenz aus Paris unter Anderem Folgendes: „Mankonnte hier schon seit einigen Jahren eine große Zunahme der Frömmigkeit bemerken; aberin der eben verflossenen Fastenzeit hat sich ein ganz unglaublicher Fortschritt darin gezeigt.Unter der Restauration, wo man die Frömmigkeit systematisch zu befördern suchte und wosie sich mit der Dynastie der Bourbone politisch identisicirt hatte, vermochte sie nicht em-porzukommen. Man sah zwar öffentliche Processionen, in denen eine Menge Leute, vondenen man es nicht erwartete, erschienen; aber sie wurden von der öffentlichen Meinungmit Verachtung behandelt und als ehrgeizige Heuchler gebrandmarkt. Leute von wahrerreligiöser Ueberzeugung verrichteten lieber ihre Andachtsübungen im Stillen und verbargeneher ihre Meinung, um nicht angefeindet zu werden. Nun aber ist eine außerordentlicheReaction eingetreten, ja die Frömmigkeit ist nun förmlich Mode geworden, welche Erschei-nungen erzeugt, die in Frankreich mehr als in jedem andern Lande auffallen. Währendunter der Restauration jedes Jahr eine Ausgabe von Voltaire erschien und jeder Mu-sterkartenreiter einen Band in seiner Tasche hatte, um seine Aufklärung zu beweisen, so istes jetzt fast unanständig geworden, von ihm zu reden oder ihn anzuführen. Wie man Ei-nen früher fragte, ob man das oder jenes Stück, den oder jenen Schauspieler gesehen habe,so fragt man Einen jetzt, ob man den Abbe Bautain, oder den Abbe Ravignan,oder den neuen Dominicanerprovinzial gehört habe. Die Tabletterieläden sind voll vonCrucisixen und Heiligen in Elfenbein und Bronze, und die Buchläden von geistlichen Bü-chern mit Vergoldungen und Illustrationen zum Gebrauch von Danien.-—
Man erfindet täglich neue Andachtsübungen, welche die alten Leute, selbst Die, welche sichimmer durch ihre Frömmigkeit auszeichneten, mit Verwunderung erfüllen. Die Vorbe-reitungen zum ersten Abendmahl, welche früher in zweijährigem Unterricht bestanden, sindjetzt unter dem Namen des catecliisme cke persevärance auf drei Jahre ausgedehnt worden,und man sieht Mütter, die ihr Leben lang an Nichts als das Modejournal glaubten, ihreTöchter mit der größten Pünktlichkeit, zu diesem supplementarischen Unterricht, der nochvor einigen Jahren völlig unbekannt war, führen.-Der Elerus ist im Ganzen gemä-ßigt, man sieht bei ihm seltener Fanatismus als unter der Restauration."-—
Ein anderer Correspondenzartikel aus Lyon in demselben Blatt berichtet, nachdemschon frühere Artikel den immer mehr erwachenden selbstständigeren Municipal- und Pro-vinzialgeist und die beginnende Emancipation von Paris gerühmt hatten, Folgendes: „Ne-ben der Sündfluth des Vergnügens-— zeigt sich doch in Frankreich ein Hoffnungs-
schimmer einer durch innere Entwickelung angebahnten Zukunft. Die Besserungsanstal-ten für verwahrloste Kinder und junge Verbrecher, welche seit Falk in Deutschland sichbildeten, sind auch in Frankreich versucht worden. Die „msisons centrales ,1« cketen-tian", in welchen die zuchtlose Jugend für die höheren Studien der Gaunerei vorbereitetwurde, gaben die traurigen Resultate, daß wenigstens drei Viertel der Entlassenen nachkurzer Abwesenheit zurückkehrten, weil sie sich neuer Verbrechen schuldig gemacht hatten,und zuletzt auf der Hochschule der Bagnos endeten. Zuerst in Lyon, später in Bor-deaux, Paris und Marseille, hat man versucht, ein besseres Pönitentiarsystem