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Obskurantismus rc.
Bei wie vielen Deutschen selbst hat nicht religiöser Aberglaube und Obskurantismusdurch den Widerwillen und dann durch den leidenschaftlichen und also einseitigen Gegen-kampf der Aufklärung, welche sie hervorriefen, selbst wahren Haß gegen den Glauben unddie Priesterschaft erzeugt. Und nachdem unter dem Einflüsse freierer Verhältnisse sichauch dieses Uebel zu verlieren begann, da konnte man es in unseren Tagen deutlich sehen,wie durch den neu erweckten fanatischen Ultramontanismus, durch seine obscurantischenVerfolgungen, seine neuen Anpreisungen selbst der Ketzerverbrennungen in sehr vielenKatholiken abermals jener alte Haß hervorgerufen wurde. Sah man ja doch auch bei denfanatischen Adepten der neuen Regierung im Priesterstande, statt, so wie früher, christlicheLiebe und fromme liebevolle Bemühungen um das Wohl ihrer Pfarrkinder, jetzt wiederabschreckenden Hochmuth, stolzes herrschsüchtiges Gefühl der Theilnahme an der gehofftenneuen Herrschaft des Priesterstandes, Heuchelei, fanatischen Verdunklungs- und Verfol-gungseifer und Anfeindung der gegenseitig liebevollen Stimmung zwischen den Mitbür-gern und Familiengliedern verschiedener Eonfessionen. — Doch blicke man auch in dieserBeziehung nur abermals in die Geschichte von Spanien und Portugal und zunächst vonFrankreich, von welchem in der neueren Zeit jener Kamps gegen den alten Obskurantismusder vereinten priesterlichen, fürstlichen und aristokratischen Macht ausging. Schon indem zuerst blos literärischen Kampf vorzüglich durch Voltaire und die Encyklo-pädisten, vollends dann in dem revolutionären, da treten ja überall diese zerstörendenverderblichen Einseitigkeiten und Extreme in furchtbarer Weise hervor. Religion undKönigthum, Priesterschaft und Aristokratie haben gerade durch ihre obscurantische Verthei-digung, und weil man sie dadurch völlig mit dem verhaßten Obskurantismus und Unter-drückungssystem identisicirte, bei Millionen alle Achtung und Liebe verloren, ja feindseli-gen Haß erworben. Die Kirchen wurden zuletzt geplündert, die Altäre geschändet, diePriester und Mönche gemordet, verfolgt und verbannt. Die Bourbone in Frankreich ver-loren , weil nach der Restauration wiederum geistlicher und weltlicher Obskurantismussich vereinigten, eben so wie die Stuarts, zum zweiten Mal und für immer ihrenThron. Der schon durch das alte Königthum und in Folge dessen durch die Revolutionso tiefgewurzelte wahre Haß gegen Religion und Priesterthum aber wuchs während dieserPeriode der Restauration, bei allen Bemühungen der Regierung für das Gegentheil, den-noch auf eine höchst merkwürdige Weise. Die religionsfeindlichen Schriften von Dide-r o t und Voltaire wurden jetzt in zehn Jahren mehr gedruckt und verbreitet als früherin fünfzig, und dem Königthum wurde endlich eine fast tödtlicheWunde versetzt; umgekehrtaber, als seit der Julirevolution die obscurantische Allianz, und dadurch größtentheils dieobscurantische Macht der Kirche, jene alte Verschwörung von Altar und Thron gegen Lichtund Freiheit verschwanden, wächst von Jahr zu Jahr die Religiosität. Und auch das Kö-nigthum und das Volk hätten sich von der moralischen und politischen Verderbniß unter deralten königlichen und der Napoleon'schen Despotie, das Königthum insbesondere von jenerletzten Niederlage schon wieder erholt, wenn die neue Politik nur wirklich königlich undweise, statt hinterlistig, macchiavellistisch und materialistisch hätte sein wollen, wenn mannicht mit den würdigsten Nationalwünschen einen listigen gefährlichen Krieg führen undin Täuschungen und in dem absolutistischen Eentralisations- und Polizeisysteme, in derAvilirung der Beamten und der allgemeinen Eorruption, die möglichst schlechten Stützenfür einen neuen Thron und eine repräsentative Monarchie sich erwählt hätte. (S. Jüste-milieu.") Und trotz dem und trotz den unvollkommenen Municipal- und Wahlgesetzenerwächst durch denEinfluß der frei en'Jnstitutivne n , der Preßfreiheit, derGerichtsöffentlichkeit und des Schwurgerichts, des Parlamentsund der Departemental-verfassung allmälig, so wie eine religiösere, so überhaupt eine solidere Richtung des Natio-nalgeistes, eine würdigere, kräftigere Municipalgesinnung und eine sittlichere und edlerepolitische Bildung, namentlich auch viel mehr historischer und gesetzlicher Sinn. Davonkann sich Jeder überzeugen, der in Frankreich entweder an Ort und Stelle oder in der Li-teratur frühere und jetzige Erscheinungen mit einander vergleicht. In den Berichten frei-lich unserer meisten deutschen Zeitungen sieht man von allem Diesem nur wenig. Hierherrscht zu sehr das eitle und ofsiciöse Bemühen, die französischen Zustände in einem mög-