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10 (1848) [Not - Pra]
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Obskurantismus rc.

Land, wo nnm niemals für Ideen gekämpft, wo es niemals Religionskriege noch philoso-phische Secten gegeben hat. Gegen die Religion im 16., gegen die Philosophie im18. Jahrhundert sorgsam durch die Inquisition geschützt, ist es seit Vertreibung derMauren das erste Mal, daß Spanien sich für Ideen erhebt. Diese politischen Ideen sindallerdings etwas verwirrt, sehr schlecht verdaut, tragen sehr das Gepräge der Nachahmungdes Auslandes ; aber das entnervende Fieber ist besser für ein Volk als eine vollständigeLähmung der Intelligenz. Das Werk, welches jetzt in Spanien ausgeführt wird, ist eineZersetzung aller Gewalten und aller alten Ideen, und diese Aufregung scheint nicht dazu be-stimmt zu sein, stets unfruchtbar zu bleiben. So haben z. B. die politischen Unruhen, in-dem sie abwechselnd die Männer aller Parteien und viele Geistliche zwangen, ihr Vaterlandzu verlassen, durch diese Berührung mit dem Auslande viel Intelligenz geweckt, der es inder Heimath an Nahrung fehlte. Viele große Grundbesitzer haben die Zeit ihres Exilsbenutzt, sich mit den verbesserten Culturmethoden bekannt zu machen, und dieselben beiihrer Rückkehr eingesührt. Es ist Thatsache, daß namentlich in den Provinzen, die an dasMeer stoßen und wo die Verbindungen leichter sind, ungeachtet des fürchterlichen Bür-gerkrieges, der Reichthum zugenommen hat. Die Wein - und Oelbereitung, die Einfüh-rung neuer Eulturzweige, wie die des Seidenbaues und der Cochenillenzucht, bieten für dieZukunft Elemente der materiellen Regeneration dar. Der lebhafte Verkehr der Dampf-boote längs der Küsten begünstigt die Bewegung sehr. Die Theilung der Ländereien inFolge des Verkaufs der Nationalgüter ist auch eine ökonomisch-wichtige Thatsache, undwenn die Ordnung der Dinge nur in etwas wiederhergestellt ist, wenn die Polizei- undJustizverwaltung ernstlich organisirt sein wird, und wenn man endlich nur ein wenig mehrSicherheit zu hoffen hat, so unterliegt es keinem Zweifel, daß englische und französischeEapitalien nach Spanien wandern werden, wo der Reichthum des Bodens und der zahl-reichen Bergwerke der Spekulation ein unermeßliches Feld eröffnen. In geistiger Hinsichtfindet etwas Aehnliches Stakt. Man liest, man druckt, man discutirt, der Gedanke er-wacht; dieJournale, welche in jenem Lande erscheinen, wo man vor einigen Jahren Nichtsals Breviere und Ankündigungen druckte, werden mit einem Talente redigirt, welches be-weist, daß, wenn auch die Erziehung noch unvollkommen und neu, doch wenigstens die Na-tur reich ist. Wollte man endlich noch den Zustand der Anarchie, mit dem Spanienkämpft, mit einem Worte bezeichnen, so müßte man sagen:Es ist das Chaos, aber dasChaos, welches der Schöpfung vorausgeht." "-

Fast noch verderblicher aber als in jeder anderen Hinsicht wirkt der Obskurantismusrücksichtlich derjenigen höheren Güter der Menschheit, zu deren vermeintlichem und angeb-lichem Schutz derselbe meist gerechtfertigt werden soll, nehmlich rücksichtlich der Religionund der Treue gegen die gesetzliche Regierung, oder für Altar und Thron. Denn da dasStreben nach Licht und Freiheit, nach geistiger Entwickelung und Vervollkommnung tiefund unauslöschlich in der Natur der Menschen und Völker lebt, sobald nur einmal einStrahl des höheren Menschenlebens in die Nacht ihres Daseins siel, so ist es natürlich, daßder Obskurantismus immer nur vorübergehend und unvollkommen siegt, und daß, sobaldeinmal durch äußere oder innere günstige Verhältnisse dem Streben nach Licht undFreiheit die Bahn zum siegreichen Kampfe gegen die Unterdrückung eröffnet ist, als-dann die Leidenschaft des Kriegs selbst für Thron und Altar verderbliche und vernichtendeEinseitigkeiten und Extreme hervorruft.

Für die Dynastieen wie für die Völker war jedes obscurantische Bündniß der prie-sterlichen und der weltlichen Macht für Thron und Altar stets verderblich, wie England,Frankreich, Spanien, Portugal und die gestürzten Stuarts und Bourbone beweisen. Auchverwandelt die herrschsüchtige hierarchische Macht sehr natürlich stets im Geheimen undzuletzt öffentlich, so wie noch neuerlich in Preußen, dasThron und Altar" in Altar undThron und untergräbt die weltliche Macht. Die Päpste, so wie neulich die Ultramonta-nen in dem Königreich der Niederlande, haben es nie verschmäht, sobald es ihnen für ihreZwecke irgend paßte, sich mit den Ultraliberalen zum Sturz der Throne zu verbünden.

Diese Bündnisse nutzen nur der priesterlichen Herrschsucht, aber eben so aufKosten derReligion wie der Staaten und Regierungen.