44
Numismatik
mit dem Handelswerthe der Münzen der verschiedenen Völker. Sie hat die Stoffe der 'Münzen so wie ihr Gewicht ins Äuge zu fassen, sodann die verschiedenen Münzfüßeund das Vechältniß der mehreren Geldsorten nach Gewicht und Gehalt zu dem eigent-lichen Eours-Werthe, wie dieser durch die Auctorität des Staats oder der öffentlichen -Meinung festgesetzt wird. Die historische Numismatik sucht die geschichtlichen Data ides Alters und Vaterlandes der Münzen so wie die Bedeutung ihres Gepräges zu ermit- iteln. Als Anhang ist noch die Kenntniß der Metall -Marken erforderlich, der Noth- >!münzen ic. Diese geschichtliche Numismatik ist also eine historische Hilfswissenschaft und -namentlich ein Theil der Archäologie, so weit sie es wesentlich mit den Münzen des Alter- :thums zu thun hat. Mit Rücksicht auf das Alter der Münzen zerfallt die historische ?Münzkunde in eine alte und neue. Jene, die wohl auch vorzugsweise Numisma- >tik genannt wird, beschäftigt sich mit den Münzen der Griechen und Römer, die im We-sten bis auf Ro mulus Augustulus, im Osten bis zur Eroberung Constantinopelsdurch die Türken (1453) reichen. Die orientalischen und barbarischen Münzen aus die-ser Periode werden als Anhang zu denen der Griechen und Römer behandelt. Alle späte-ren abendländischen und morgenländischen Münzen fallen in das Gebiet der neuen Nu-mismatik, wohin überdies die orientalischen, mit arabischer und kusischer Schrift, gezähltwerden. Zuweilen hat man noch eine mittlere von einer neueren Münzkundeunterschieden. Hiernach hört das numismatische Mittelalter mit Anfang des sechszehn-ten Jahrhunderts und zugleich mit dem Bracteaten- und Solidenwesen auf; da fortanauf den Landesmünzen die Jahreszahlen in ununterbrochener Folge erscheinen, da mit derEinführung gesetzlicher Münzordnungen das eigentliche Geld im neueren staatswirth-schaftlichen Sinne entsteht und neben den Eurrsntmünzen eigentliche Schaumünzen '(Medaillen) zum Vorscheine kommen. Die Ausbeute der Numismatik aus dem Mittel-alter ist indessen höchst dürftig, und so läßt man es gewöhnlich bei jener blos zweitheiligen :Eintheilung bewenden. -
Die Geschichte der Numismatik als Wissenschaft gehört erst der neueren Zeit Han. Den Völkern des Alterthums war sie als gelehrte Beschäftigung durchaus unbekannt. ?Für die Neueren konnte sie dies erst werden, nachdem man angefangen hatte, Münz- ßSammlungen zu veranstalten, was etwa seit dem fünfzehnten Jahrhunderte geschah, !und nachdem in Italien der Eifer für die Erforschung des klassischen Alterthums erwachtwar. Die erste Periode der Wissenschaft, etwa von 1580—1680, rechnet man von F.Ursinus und dem Niederländer H. Goltz ius bis auf A. Patin und den SchweizerA. Morell. Schon 1577 hatte indeß der Spanier A. Agostino eine erste Anlei-tung zur Münzkunde verfaßt. W. Lazius, Kaiser Ferdinand's 1. Leibarzt, suchtezuerst Geschichtliches aus Münzen zu erläutern; und schon Goltz ius hatte griechischeMünzen vorzüglich beachtet. Vorherrschend blieb jedoch die Beschäftigung mit den rö-mischen Münzen, sowohl der Familien als der Kaiser. Doch wußte man noch vonkeiner Kritik über Aecht und Unächt. Da zugleich die Numismatik eine Modebeschäfti-gung für Mächtige und Reiche geworden war, so wurden in Italien, auch in Deutschland,unächte Münzen zu Tausenden verfertigt. Zu Anfang der zweiten Periode — vonVaillant und Spanheim bis Pellerin und I. Eckhel — etwa 1680—1780>— waren die römischen Münzen schon ziemlich zahlreich vorhanden und wurden geschicht-lichen Forschungen zu Grunde gelegt. Im Verlaufe dieses Jahrhunderts waren sodanndie griechischen Münzen sorgfältiger gesammelt und mit Geschichte und Geographie inVerbindung gesetzt worden. Auch richtete sich schon die Aufmerksamkeit auf die mittlereZeit. Indem so der Stoff sich anhäuste, trat zugleich das Bedücfniß einer Wissenschaft- .lichen Betrachtung und Behandlung desselben lebhafter hervor. Darauf hatte schon der ^Professor in Zürich I. I. Geßner hingewiesen. Der eigentliche Begründer der wis-senschaftlichen Numismatik, mit dem ihre dritte oder kritische Periode beginnt,wurde jedoch I. Eckhel, den man den Linnäus der Münzkunde genannt hat. Durchseinen trefflichen Katalog über das sehr reichhaltige Wi ener Münzcabinet und Vorzug- ;lich durch die in acht Quartbänden (1792 — 98) erschienene „voctrins mimmnrum", ^wodurch erst die Numismatik mit alter Geographie und Geschichte in die engste Verbin-