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10 (1848) [Not - Pra]
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Numismatik. 41

wenig Bedeutendes zur Verbesserung des Münzwesens in dem artistisch sonst so hochstehenden Mittelalter. Wie aber in Griechenland und Rom die bildenden Künste in denWerken kleinster Dimension nicht eher Vorzügliches leisteten, als da sie von ihremHöhepunkte schon herabzusteigen begannen; so bittet die Geschichte der neueren Numis-matik eine ähnliche Erscheinung dar. Erst gegen Mitte des fünfzehnten Jahrhundertsfingen mehrere italienische Künstler an, nach den Eingebungen ihrer Phantasie von derCurrentmünze verschiedene Medaglione (meilnilles) zu prägen, auf welche dann grö-ßere künstlerische Sorgfalt verwendet wurde. Später wurden solche Denkmünzenauch unter öffentlicher Auctorität geschlagen. Es entstand eine ziemlich lebhafte Lieb-haberei an Medaillen und Medaillensammlungen, und ganze Geschichten, namentlich dieRegierungsgeschichte von Louis XlV., wurde in einer Reihenfolge von Denkmünzendargestellt. Zugleich wurde die Herausgabe von Prachtwerken, der sogenannten Ii^toireswätiillignes,von Louis XIV., XV. und anderen Monarchen veranstaltet, worin dieVerbesserungen des neueren Münzwesens übersichtlich und anschaulich hervortraten *).Die artistischen Fortschritte im Prägen der Medaillen hatten natürlich auch förderlichenEinfluß auf die Currentmünze. Neben dieser letzteren bildeten indessen die Medaillen **)eine ganz eig en e Classe, da man sich auf den Geldmünzen kaum noch mit der Darstel-lung von historisch bedeutenden Ereignissen befaßte. Wie überhaupt im politischenLeben, so zeigte sich auch darin ein gewisser Charakter der Einförmigkeit. Die vorherr-schende Idee eines abstrakten Staats, der nur im zeitweiligen Monarchen sich repräsen-tirt, drückte sich selbst auf den Landesmünzen aus, indem sie als Hauptbild stets nur denRegenten, auf der Kehrseite aber das Wappen, als stabiles Symbol des Staats, zeigten.So war auch die metallne Chronik der Geldmünzen zu einer blos einförmigen Regenten-geschichte geworden, und nur ausnahmsweise wurde noch im Bilde oder auf der Legendeauf irgend eine besondere Begebenheit angespielt. Wenn gleichwohl das neuere Geld einegrößere Mannigfaltigkeit darbietet, so liegt der Grund nicht sowohl in einem verändertenCharakter des Staatsmünzwesens als in dem Wechsel der politischen Schicksale und inder sich drängenden Menge der Staats- und Territorialveränderungen. Im Hinblickeauf die viel reichere Mannigfaltigkeit der Münzen des Alterthums sind nun in den letztenJahren manche Vorschläge gemacht worden, um in die Einförmigkeit mehr concretesLeben zu bringen und dem gangbaren Gelbe wieder die Bestimmung historischer Denk-male zu geben. Nicht mit Unrecht ist hervorgehoben worden, daß es nicht ganzgleichgültig sei, gerade bei dem von Hand zu Hand gehenden Gelbe auch die Anfor-derungen des Geschmacks zu beachten und neben den einförmig wiederkehrenden Wap-pen, wobei kein Mensch sich Etwas denke, noch andere aus dem Leben gegriffene undgeistig anregende Gebilde erscheinen zu lassen. Wenigstens wäre es nicht allzu viel,bei jeder nothwendigen Erneuerung eines Münzstempels, statt der bloßen Wieder-holung des Herkömmlichen, den künstlerischen Ecfindungsgeist in Anspruch zu nehmen.Uebrigens ist nicht zu verkennen, daß sich in der neuesten Zeit im Münzfache, wie in allenGebieten der Kunst, ein populäres Element auf selbstthätigere Weise geltend zu machensucht. Liefern doch die künstlerischen Werkstätten jetzt eine weit größere Menge vonDenkmünzen, die nicht Monumente der Fürsten oder ihrer Feldherren und Staatsdienersind, sondern von Männern des Volks aus allen Elasten der Gesellschaft. Zugleich las-sen sich Fortschritte in der technischen Vollendung gewahren, wie denn aus den Münz-stätten eines D uvi v i er in Paris, Loos in Berlin und so mancher Anderen Vorzüg-liches hervorgegangen ist.

Noch wichtiger sind die Veränderungen, die im Münzwesen und mit Bezie-hung auf dieses während der letzten Jahrhunderte in nationalökonomischer HinsichtStatt hatten. Die Erfindung des Geldes und ihre Wirkung auf den materiellen Ver-

*) Ein ähnliches Prachtwerk ließ Napoleon erscheinen.

**) Von den eigentlichen Denkmünzen, die ein historisches Factum im Abbilde oderSinnbild« darstellen, sind die ein bloßes Emblem und einen Wahlspruch enthaltenden Jettonszu unterscheiden.