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Numismatik
mit der wachsenden Mannigfaltigkeit der Waaren immer mehr zu. Es war also einhöchst wichtiger Fortschritt, als man endlich zur Anwendung eines Münz-Fuß es ge-langte, d. h. zur Zerlegung einer bestimmten Metallmasse nach gewissen Abstufungen undnach einem ein- für allemal sestgestellten Verhältnisse. Jetzt erst hatte man jenen beweg-lichen Maßstab für den Werth aller Waaren, den wir Geld nennen, mit nur weni-gen und gleichförmigen Werth-Zeichen. Und jetzt erst war der Tausch in Kauf, dasZuwiegen der Metalle in summenweises Zuzahlen verwandelt, was freilich nur einbeschleunigtes Zuwiegen ist, insofern immer das Gewicht und der Feingehalt derzu Münzen ausgeprägten Metalle (Schrot und Korn) der hauptsächliche Bestimmungs-grund des Münzwerthes blieb. Da fortan die Münzen nicht blos den Werth besondererArten von Waaren repräsentieren, so konnten sie um so eher mit beliebigem Gepräge ver-sehen werden. Man benutzte sie also, um darauf besonders hervortretende Persönlichkei-ten oder geschichtliche Thatsachen im Abbilde oder Sinnbild« darzustellen. Dies geschahmeistens auf beiden Seiten, und es wurde darum bald eine Ha up t - Seite mit demHauptbilde (Avers) von der Kehrseite (Revers) unterschieden. Was nicht im Bildnisseauszudrücken war, wurde durch Schrift erläutert, die als kreisförmig am Randeumherlaufende Umschrift Legende heißt. Und weil man für die Geltung der Mün-zen einer öffentlichen Garantie bedurfte, so wurde meistens Das zum Gepräge ge-nommen, was in einer gewissen Zeit den Staat repräsenticte. Auf diese Weise sinddie im Handel geltenden Münzen (Currentmünzen) zugleich zu einer Art historischerDenkmäler geworden.
Die Sage schreibt die Erfindung der Münzen den Handel treibenden Phönikiern zu,also, merkwürdig genug, demselben Volke, von dem nach der herrschenden Meinung dieBuchstabenschrift stammt. Man vermuthet, daß sie sich nur gestempelter Silberbarrenbedient haben. Da indeß das Wesen des Geldes nicht von der äußeren Form der Mün-zen abhangt, so ist es möglich, daß schon bei den Phönikiern ein Münzfuß und ein wah-res Geld im Gebrauche waren. Die Griechen, die stets das Zweckmäßige in die schöneForm zu fassen wußten, hatten schon eigentliche Münzen in der noch jetzt gebräuchlichenplattrunden Gestalt. Der Erfinder und die Zeit der Erfindung sind ungewiß. Die grie-chischen Münzen wurden von Königen, Republiken und Städten geschlagen. DasGepräge stellte meistens Gottheiten und Könige dar; oder Symbole, welche die Städtebezeichnten; oder vorzügliche Landesproducte, wie etwa Kornähren auf sicilianischenMünzen. In Rom fingen, nach den mitNuma oder Servius Tullius begin-nenden Königsmünzen, seit 244 die consularischen, und mit JuliusCäsar die theilslateinischen, theils griechischen Kaisermünzen an, welche letztere bis zur Einnahme Con-stantinopels durch die Türken (1453) dauerten. Außerdem hatten die römischen Colo-nieen ihre eigenen Münzen. Die Griechen wandten nur ausnahmsweise, die Römeraber regelmäßig ihre Münzen an, um daraus das Andenken hervorragender Männer(seit Julius Cäsar der Kaiser) und merkwürdiger Ereignisse zu verewigen. Haupt-sächlich geschah dies unter den Kaisern, so daß die Currentmünzen zugleich eigentlicheDenkmünzen waren. Wenigstens erinnerten sie alle an eine Thatsache, wenn auch inverschiedener Weise, wonach man unter den Kaisermünzen historische, allegorische und ver-mischte unterscheidet. Das Gepräge zeigte darum eine große Mannigfaltigkeit. Beson-ders war dies bis Constantin der Fall. Aber auch später und bis zum Untergangedes Reichs, als der Geschmack schon mehr und mehr sank, liebte man eine beständige Ab-wechselung im Gepräge.
Unter den ersten germanischen Regenten, da sich nach der Völkerwanderung erstwieder ein neues Leben aus dem neuen Chaos gebären mußte, vertraten auch wieder un-förmliche Metallstücke, mit noch unförmlicherem Gepräge, die Stelle der Münzen. Dannkamen im Mittelalter, neben den Soliden oder den stärkeren Silbermünzen, derenWerth nach dem Gewichte sich bestimmte, die Bracteaten auf, auch Blechmünzen,Hohlmünzen, Blätterlinge w. genannt. Die Bracteaten, meistens von sehr schlechterArbeit, waren aus dünnem Blech geschlagen und gewöhnlich nur auf einer Seite ge-prägt, da auf der Rückseite die Figuren vertieft erschienen. Es geschah nur wenig und