Numismatik. 39
theile der edeln Metalle liegen theils in ihrer Dauerhaftigkeit (Feuerbeständigkeit undWiderstandsfähigkeit gegen chemische Zersetzung unter dem Einflüsse der Luft und Feuch-tigkeit); theils in ihrer Seltenheit und der daraus hervorgehenden Möglichkeit, durchverhältnißmäßig geringe Massen sehr bedeutende Werthe darzustellen. Dazu kommt nocheine sehr wichtige negative Eigenschaft, wodurch die Wahl von Gold und Silber mitentschieden werden mußte. Es giebt nur wenig Gerätschaften und Werkzeuge, dienicht aus anderen und minder seltenen Metallen eben so gut oder besser als aus edlenbereitet werden könnten. Durch die Verwendung der letzteren als Geld ist also, da sieals Consumtibilien nur geringe Bedeutung haben, dem allgemeinen Genüsse Wenigoder Nichts entzogen worden; und weil hiernach ihr Werth hauptsächlich darin besteht,daß sie zu Werth Zeichen besonders dienlich sind, so erklärt sich ihre Geltung in dieserEigenschaft bei fast allen Völkern der Erde *). Zu diesen Münzen aus Gold und Silbersind noch in der neuesten Zeit, namentlich in Rußland, als eine dritte Gattung vonMünzen aus edlem Metalle die aus Platina gekommen, welche jedoch bis jetzt nochnicht als Currentmünze im Handel umlausen. Außerdem hatte man sich schon früh, zurDarstellung geringerer Werthe, geringerer und nicht edler Metalle bedient, nament-lich des Kupfers, des Zinns (wie in Syrakus), des Messings und anderer Compositio-nen **). Ausnahmsweise wurden hier und da noch andere Stoffe als Metalle, wie Leder,Papier w., zu sogenannten Nothmünzen oder Münzsurrogaten verwendet.
Nach dieser Hinweisung auf die Münz-Stofse in den verschiedenen Periodensind die formellen Veränderungen im Münzwesen kurz ins Auge zu fassen. Vorder Erfindung der eigentlichen Geldmünzen fand der Eintausch der Consumtibilien gegenMetalle durch Au wiegen der letzteren Statt. Der verschiedene Werth der Gegen-stände wurde also durch gewisse Metallmassen bezeichnet; aber die Größe dieser Massenoder das Gewicht mußte im besonderen Falle durch eine besondere Operation ausgemitteltwerden. Dieses war eben so zeitraubend als mitunter schwierig, und so wurde manaus den Gedanken geleitet, das Gewicht von Metallmassen im Voraus zu bestimmen unddiesen, unter dauernder Bezeichnung dieses Gewichts, eine gewisse Form zu geben. Da-her kommt es, daß viele Münzen auch jetzt noch von einem Gewichte ihren Namen haben.Der erste Schritt zur Beschleunigung des Verkehrs bestand nun wohl darin, daß manbesti mmten Gegenständen, die vorzüglich häufig im Verkehre vorkamen, bestimmteMünzen gegenüberstellte, so daß jede besondere Art von Münzen den Werth einer beson-deren Act von Consumtibilien ausdrückte, welche letztere zugleich im Bildnisse denMetallstücken ausgeprägt wurden. Bei den alten Römern, wo das Grundeigenthumwesentlich unveräußerlich war und das bewegliche Vermögen zumeist in Hausthierenbestand, drückten die ersten Münzen, nach Gewicht und Gepräge, vorzugsweise oderausschließlich die verschiedenen Arten dieser Hauslhiere aus, woher dann der Name„pecunis" rührt. Ein solches Metallstück, mit dem Bildnisse eines Pferds, Stiers,Schafs u. dgl. versehen, konnte wohl ohne Weiteres gegen den Gegenstand, den es be-zeichnete, ausg ew e ch sel t werden ***). Jede b e so n der e Art dieser Metallstückewar also noch ein unmittelbares Gleichniß vom Werthe besonderer Objecte,so daß noch das Münzwesen auf dieser unteren Stufe der Entwickelung gleichsam dieHieroglyphenschrift des materiellen Verkehrs bildete. Auch diese Art desAustausches hatte vielfache Jnconvenienzen, da unmöglich für alle Gegenstände desHandels und Wandels Münzen geprägt werden konnten. Die Schwierigkeiten nahmen
*) In dieser Beziehung erscheint auch die an der ostindischen Küste hier und da alsMünze gebräuchliche Muschelart, (Kauris) als zweckmäßig gewähltes Werthzeichen; währendfreilich aus anderen Rücksichten die Metallmünzen weit vorzuziehen sind.
**) Spätere Rücksichten auf Dauerhaftigkeit und zweckmäßigen Umfang der Münzen ha-ben zum Legiren, zur Versetzung der edleren Metalle mit minder edlen, geführt. Auchwerden aus sehr geringhaltigem Silber (billon) manche Arten von Scheidemünze geprägt,wie z. B. in Frankreich die Aehn-Centimesstücke.
***) Da ein solches Metallstück Erinnerungszeichen für den Werth von Dingenwar, wurde es auch „wonvts" genannt.