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4 (1846) [Deu - For]
Entstehung
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Faction. 579

die grüne, Vitellius für die blaue erklärte; und schon früh entstanden häufig bedeu-tende Unordnungen, indem die Zuschauer für ihre Factioncn auf das Lebhafteste Parteiergriffen. Hierdurch erst erhielten dieselben immer mehr eine politische Bedeutung; unterder Regierung Justinian's theilten sich die Städte zwischen der grünen und blauen Farbeund diese Trennung, die eist dem Kaiser und seinem Hofe zur Unterhaltung diente,gewann mehr und mehr eine ernste Bedeutung und hätte nahebei den Umsturz desThrons herbeigeführt.

Immer deutet dieser Umstand, daß der NameFaction" zuerst in einer Monar-chie gleichsam stereotyp geworden ist, darauf hin, daß auch die Sache keineswegs inDemokratieen hauptsächlich zum Vorschein kommt, wie man nicht selten glaubt, oderzu glauben sich den Anschein giebt. In der That können die Triebfedern, welche be-sondere Factionen hcrvortreten lasten und in Thatigkeit erhalten, wie der religiöse Glau-benseifer im Kampfe mit den Beeinträchtigungen der Gewissensfreiheit, die empörendeHerrschsucht einzelner Familien und besonderer Kasten, der Haß gegen Bevorrechtungund die leidenschaftliche Begeisterung für Freiheit und Gleichheit rc., so verschiedenerArt sein, daß es unter allen bis jetzt bestandenen Verfassungen Factioncn geben mnßte.Ist jedoch von einem Mehr und Weniger die Rede, so liegt es in der Natur derSache, daß die Eigenthümlichkeiten der absoluten wie der beschränkten Monarchienzur Entstehung von Factionen häufiger Anlaß geben. Für die eigentliche Despotie,in so fern sie von der unumschränkten Monarchie als verschieden gedacht wird, ist einestumpfe Gleichgültigkeit der Masse in Bezug auf die Angelegenheiten der Gesammtheitein Symptom und eine Bedingung des Daseins. Das politische Interesse knüpft sichfast ausschließend an die Person des Despoten und an den Einfluß, den seine nächsteUmgebung über ihn zu gewinnen trachtet. Darum entstehen in Despotieen, zur Be-wirkung eines Personenwechsels, öfters Conspirationen, die erst in Dunkel sich hüllen,um dann plötzlich hervorzubrechen und mit einem Schlage ihren Zweck zu erreichen;aber es werden nicht so leicht Factionen sich bilden, die mit beharrlich leidenschaftlicherund darum bald auch offen barer Thatigkeit ihre politischen Zwecke verfolgen. Dieswird nur dann der Fall sein, wenn aus der Masse der gleichmäßig unterworfenenSklaven besonders organisirte Körperschaften hervorrag n und wenn hiernach der eigen-thümliche Corpsgeist der Träger und Erzeuger eines Factionsgeistes zu wer-den vermag. So hatte z. B. im türkischen Reiche das geistliche Corps der Ulemasund das erblich militärische der Janitscharen zeitweise den Charakter von Factionen an-genommen. In der Aristokratie steht einer bevorrechteten Classe die einseitig ver-pflichtete oder doch staatsrechtlich verkürzte Menge gegenüber. Die pcivilegirte Körper-schaft wird hier leicht zur Faction, sobald sie auf Widerstand bei den Unterworfenenstößt; und auf der anderen Seite tritt wohl auch aus einer indifferenten Masse zu-weilen eine Minorität hervor, die den Kampf gegen die Aristokratie zu beginnen undfortzuführen wagt. Weil aber die politischen Rechte und Interessen nicht mehrfachgegliedert und geschieden sind, sondern der Gegensatz derselben ein einfacher ist, sowird der Kampf leicht zu einem allgemeinen Parteicnkampfe, in welchem sich nichtmehr besondere Factioncn unterscheiden lassen. Ein solcher Parteienkampf war der-jenige der Patricier und Plebejer in den ersten Jahrhunderten des römischen Staatsund eigentliche Factionen traten hauptsächlich erst hervor, als der Gemeinaeist schonerschlafft war, als sich aus der indifferent gewordenen Masse nur noch Einzelne umeinzelne Häupter schaarten und als hiernach die Republik schon auf dem Punktestand, in eine Monarchie übcrzugehen. Nach dem Princip der Demokratie ist dasVolk selbst der Souverän und zur Besorgung seiner gemeinsamen Angelegenheitenberechtigt und verpflichtet. Alle Glieder desselben sind also von Rechtswegen veranlaßtund berufen, bei jeder das Gemeinwesen betreffenden Frage Partei zu ergreifen. Unterdieser Herrschaft werden zwar stets Einzelne sich bemühen, die Gunst des Volks undhierdurch Einfluß und Herrschaft zu gewinnen, aber eigentliche Factionen werden erstdann aufkommen, wenn schon der demokratische Gemeingeist zu verschwinden anfängt,oder unter solchen Verfassungsformen, die man zwar häufig als demokratisch be-

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