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Ehe, Ehebruch, Ehescheidung.
und die Personen, welche sich eine solche scandalöse Verletzung der christlichen Parität zuSchulden kommen ließen, wurden von allen Ehren und selbst dem Almosen der Kirche aus-geschlossen. Da die Begierde als ein Verbrechen betrachtet und die Ehe nur als ein Ge-brechen geduldet ward, so sah man konsequent damit das Eölibat als die größte Annähe-rung zur göttlichen Vollkommenheit an. . - . Einige Wenige, worunter der gelehrte Ori-genes, hielten es für das Beste, sich geradezu zu entmannen. Manche waren gegen dieAnfechtungen des Fleisches unempfindlich und unbesiegbar. Eine feige Flucht verachtend,begannen Jungfrauen im heißen Afrika einen Kampf mit dem Feinde in der nächsten Nähe;sie ließen Priester und Diakonen an ihrem Lager Theil nehmen und rühmten sich in denFlammen noch ihrer unbefleckten Reinheit. Aber die verhöhnte Natur behauptete zuweilenihre Rechte." ... ^) So bildete sich der erste Grund zu Mönchsorden. So pflanzte sichdenn z. B- auch das Concubinat, nach römischen Rechtsbegriffen, fort. Nicht nur, daßKarl der Große selbst in seinem Familienleben mehrere Beispiele dieser Art lieferte, sogarbis zur Zeit der Reformation kommen derartige Fälle vor und erst durch die in der bezeich-nten Epoche beginnende höhere Civili sation ward die Sache in die gelindere und sel-tener vorkommende Form der morganatischen Ehe zurückgedrängt. — Wo das Christen-thum die Polygamie zu tief in die Sitten der Völker verflochten fand und nicht Macht ge-nug besaß, den ganzen Socialzustand (wie bei den alten Sachsen oder bei den eingeborenenAmerikanern) umzustürzen und so zu sagen alle bestehenden Formen zu vernichten, dablieb auch die Vielweiberei unangetastet, wie z. B. bei den Bewohnern von Congo, beidenen die Polygamie heute noch besteht, oder wenigstens in der letzten Hälfte des vorigenJahrhunderts noch eben so gebräuchlich war wie in der früheren Zeit, ehe sie zum Chri-stenthum übertraten. (S. 14c>me's Sketcsses nsi tüe iüstar)' ok man.) — So geht manauch offenbar zu weit, wenn man die mildere Behandlung der Frauen als Wirkung derGesetze des Christenthums darstellt und nicht vielmehr als Wirkung der höher gestiegenenCivilisation. Ungeachtet des Christenthums war der Zustand der Weiber während desMittelalters nichts weniger als wie er sein sollte; ungeachtet dieser Religion konnte — umnur Eines anzusühren — das sogenannte jus primae noctis aufkommen und sich nur zulange (gerade ausschließlich bei christlichen Völkern!) fortpflanzen; konnte dasselbe zu ei-ner Art Gewohnheitsrecht werden, das sogar christlichen Pfarrern zustand;ja, ungeachtet des Christenthums konnte selbst ein Diener jener Kirche, ein Geistlicher,dieses menschenschändende Recht förmlich in einem Procefse geltend machen, ohne daß ihndie Kirche oder die christliche Gemeinde, so weit dieser ein Lebenszeichen zu geben zustand,voll Indignation von sich gestoßen hätte"). — In christlichen Schulen hörte man denSatz bestreiten, „ob die Weiber auch Menschen, ob sie gleichfalls nach dem EbenbildeGottes geschaffen seien"; und von rechtgläubigen Lehrern der Kirche ward die Frau „dastauglichste Werkzeug teuflischer Ränke, die alte Waffe des Teufels, das Symbol der Sündeund ein Fehlgriff der Natur" genannt^).
Wichtig eingreifend in die Verhältnisse der Völker war die Einführung des Cölibatsder Geistlichkeit (s. den Art. Cölibat). Doch ist noch zu bemerken, daß auch hierin diePäpste in gewissen Fällen klug nachzugeben wußten
13) 6!1>l>vn, tl>« Itistor^ ot rks Ilecllne soll Va» os tke Itvman Ülmpirs, clisp. XV.
14) Siehe die Schrift: „Gregor, ein Gespräch über das Papstthum und die Monarchie."Auch unter dem Titel: „Gregor, eine Versöhnung des Streites zwischen den höchsten Inter-essen der öffentlichen Meinung. Aus den Papiere» eines Reisenden. 1. Thl. Nürnberg 4833,bei LH. Otto."
1ö) S. Jacob's vermischte Schriften, 4. Thl. S. 233. Es ist überflüssig, daß dergelehrte und würdige Verfasser — zum Beweise seines Satzes: daß man nicht in der Religiondie verschiedenartige Behandlungsweise der Frauen in der alten und in der neuen Zeit zu su-chen habe — auch noch auf die Morlackcn hinwcist, bei denen, obwohl sie eifrige Christensind, keiner seine Frau gegen einen Vornehmer» erwähnt, ohne „mit Respect" hinzuzu-setzen , so wie er ihr auch nicht gestattet, mit ihm in einem Bette zu liegen ic- rc. (Nähe-res über die hier angeregten Punkte in der „Geschichte der Menschheit" des Unterzeichneten. Polb.
16) So berichtet uns z. B- Lamartine in seiner Reise nach dem Oriente, wie es dasPapstthum wissentlich duldet, daß die maronitischen Priester verhcirathet sind, — weil eineStaats-Lerikon. IV. 12