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Ehe, Ehebruch, Ehescheidung.
und dann in förmlicher Versteigerung — die Schönen an den Meistbietenden, die Häßli-chen an den Mindestfordernden — zugeschlagen. Der Erlös der Ersten mußte zur Aus-stattung für die Letzten dienen. „Seine Tochter selbst, für wen man wollte, auszustat-ten war Keinem erlaubt" (Herodot). — In der Ehe sah man also nichts Anderes alseine (übel genug eingerichtete!) Staats anstatt. —Zu Herodot's Zeiten war indessendiese Sitte, die er für die sAönste(l) jenes Volkes hielt, bereits abgekommen. — So-dann bestand em zweiter, wo möglich noch häßlicherer Gebrauch: jede Frau mußte ein-mal in ihrem Leben in dem Tempel der Göttin Mylitta sich niedersetzen, bis einer der im-mer herzuströmenden Fremden ihr ein Geldstück zuwarf (das aber den Priestern desTempels zukam), worauf sie sich diesem Fremden unbedingt hingeben mußte. — Schlauehandeltreibende Priester mögen die Hauptstütze dieses Götterdienstes gewesen sein, dersichtlich auf das Herbeiziehen vonFremden mit berechnet war.
Von den alten Medern wird uns berichtet, daß bei ihnen Polyandrie bestanden, daßsonach hier eine Frau gesetz- und gewohnheitsmäßig mehrere Männer zugleich gehabthabe. (Wir hegen einige Zweifel über die Richtigkeit der Angabe.)
Ganz anders bei den jenen benachbarten Persern. Hier befand sich das Weibin tiefer Erniedrigung, in die Harems eingespcrrt, rechtlos gegenüber dem Manne, ihremGebieter. Bei den Königen finden wir eine Art Favorit - Sultaninnen, die aus demStamme der Pasargaden sein mußten. Im klebrigen bestanden die Tribute mehrerer Pro-vinzen in einer bestimmten Anzahl alljährlich für den Harem des Schah's zu liefernderMädchen (und verschnittener Jünglinge)!^) Ehe aber eines dieser Weiber der Gunst desKönigs theilhastig werden konnte, mußte es wenigstens ein Jahr lang gereinigt und vor-bereitet werden. Es konnte sodann diese Gunst alljährlich nur einmal erlangen und täg-lich mußte ein neues Opfer bereit gehalten werden. — Die damaligen ehelichen Verhältnissein den andern Ständen sind nicht genugsam bekannt.
Die Lehren des Zend-Avcsta (den wir für bedeutend neuer halten, als mangewöhnlich annimmt) H beweisen einen großen Voranschritt der Parsen in dieserBeziehung. Zoroaster gestattet dem Manne nur eine Frau. Ist sie aber unfruchtbar,so kann sie ihm erlauben, eine zweite zu nehmen, um Kinder zu bekommen. Denn keineKinder zu besitzen ist dem Parsen ein schweres Unglück, besonders schlimm noch im Tode,beim klebergang über die Brücke in das andere Leben. Hoch begnadigt ist dagegen derKinderreiche; Zoroaster richtet sein Gebet an ihn, wie an alle ausgezeichnet würdigenMenschen. Aber dennoch ist jene zweite Verheirathung nur dann gestattet, wenn die ersteFrau ihre Einwilligung dazu ertheilt. Der Gatte wohnt dann bei dem zweiten Weibe,muß aber die erste bei sich behalten. — Des Mannes Unvermögen schadet der Frau um somehr, als sie an keine zweite Heirath denke» darf, so lange der erste Gatte lebt.
Die ehelichen Verhältnisse bei den Hindus haben wir in dem Artikel Bramah-nen (s. diesen) bereits geschildert.
Bei den alten Aegyptiern scheint die Polygamie in ihren Wirkungen schon etwasgemildert gewesen zu sein, denn die griechischen Schriftsteller schildern den Zustand derFrauen als befriedigend. Auch finden wir bei ihnen die wichtige Bestimmung, daß denPri estern nur die Monogamie erlaubt war.
Inden. Lange vor Moses herrschte bei ihnen die Vielw eib erei und vermulhlichfand jener große Gesetzgeber diese Sitte so tief bei dem Volke eingewurzelt, daß er entwederan deren gänzliche Austilgung gar nicht dachte, oder sie mindestens nicht anzugreifen wagte.— Wir können hier die Ehegebräuche der Juden nicht in allen Einzelnheiten verfolgen,wollen indessen wenigstens einige wesentliche Momente andeuten. (Näheres bei Michae-
3) Es gicbt kaum etwas Empbrendercs für das menschliche Gefühl als solche scheuß-lichen Tribute mit kalter Ncbcrlegung nach Maß und Zahl im eigenen Lande auf-ttlcgt. Die Barbarei eines siegestrunkene» Kriegers kann damit nicht verglichen werden-Es ist unmöglich, die Menschheit und ihre Würde auf eine infamere Art mit' Füßen zu tre-ten und ihr Hohn zu sprechen!
4) Die Nachwcisungc» hierüber in dem Werke des Unterzeichneten über Geschichte der
Menschheit. Kolb.