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Ehe, Ehebruch, Ehescheidung.
gion rühmt sich aber selbst, den Menschen gegeben zu sein, nicht um die Ordnung der Na-tur umzukehren, sondern sie zu veredeln und zu heiligen.
„Die Ehe ist daher heute, was sie immer war, ein natürlicher, nothwendiger, durchdie Schöpfung selbst begründeter Act."
Indem nun Portalis mehr auf die neu zu erlassende französische Gesetzgebungübergeht, bemerkt er u. a. noch: Seitdem die Gewissensfreiheit proclamirt worden, seies möglich, die Legislation von dem Gebiete des Geistlichen in das des Weltlichen zurückzu-bringen. „Man hat die große Idee verwirklicht, daß (in religiösen Dingen) Alles gedul-det werden müsse, was die Vorsehung duldet, und daß das Gesetz, welches der religiösenAnsicht der Bürger keine Gewalt anthun kann, nurFranzosen sehen darf, wie die Na-tur nur Mensche» sieht.
„Wir haben gezeigt, daß die Ehe, in ihren wesentlichen Beziehungen, gleichzeitigden physischen und den moralischen Menschen umfaßt. Indem wir die zur Eingehung der Eheerforderlichen Eigenschaften und Bedingungen sestsetzten, haben wir den moralischen Men-schen gegen die Leidenschaften seiner selbst und die Anderer zu vertheidigen und uns zu ver-sichern gesucht, daß der physische Mensch die zur Erfüllung seiner Bestimmung nöthigeFähigkeit besitzt,"
ß. 2. Geschichtlicher Uebecblick- Die Verhältnisse der Natur führtenohne Zweifel schon in sehr früher Zeit eine Vereinigung der Menschen zu Fa milien herbei.Es war dies sicher einer der ersten Voranschritte der Menschheit zur Gesittung und Cultur;denn daß die Ehe (alS dauernde, nicht blos m omentane Verbindung) so alt sei wiedas Menschengeschlecht (was u. U. Ho m e, 8sietclic:8 «s tliv Uintor)' of sslu» , zu behaup-ten sucht), läßt sich nicht annehmen.
Natürlich waren die frühesten Begriffe von der Ehe durchaus roh und ausschließlichauf das Materielle gehend.
Bei den ältesten Völkern, von denen wir Kunde besitzen den Bewohnern des Mitt-lern und südwestlichen Asiens— herrschte durchgehends Polygamie; ein Zustand, dernicht allein unsere Rechtsidee von der Ehe ausschließt, indem er den einen Theil, dasWeib, blos zum M i ttel für die Zwecke des andern Theiles, des Mannes, herabwürdigtund der höher» Würde der Menschheit widerstrebt, da bei dieser Einrichtung die volleHälfte der Menschen nothwendiger Weise vieler der wesentlichsten Vorrechte beraubt wird;— sondern auch als das Grab jeder bürgerlichen Freiheit betrachtet werden muß, weil diese-Institution den Despotismus von unten auf, durch den gesammten Social-zustand und eben dadurch so unaustilgbar begründet, daß sich ein Aufhörcn derselben garnicht einmal denken läßt, ohne totalen, nur gewaltsam möglichen Umsturz der innerstenim ganzen Volksleben festgewurzelten Verhältnisses.
Ueberall in der Geschichte sehen wir die Verhältnisse der Ehe indem nehmlichen Maßeunser» Begriffen von derselben sich nähern, in welchem sich die Cultur auf eine höhereStufe erhob.
Die Babylonier hatten nicht nur Polygamie, sondern Herodot erzählt unsauch überdies von ihnen einige so ausfallende Momente, daß wir unbedingt an der Glaub-würdigkeit seiner Angaben zweifeln müßten, wenn das Aergste nicht sogar im alten Grie-chenland ein Seitenstück gefunden hätte: die zur Ehe reifen Mädchen wurden (wie etwa eineArtHausthiere) auf den Markt gebracht, den Untersuchungen der Männer ausgestellt
2) Der die Menschheit wahrhaft entwürdigende Zustand des inner» Afrika und Mittel-asiens ist gewiß am meisten durch zwei Ursachen begründet und festgehalten: erstlich durchdie Polvgamie, zweitens durch den Mangel an Küstenländern. Die große Ent-fernung jener Gegenden von den Meeren macht einen regen Verkehr mit einer bedeutendenAnzahl fremder Völker, aus weit entlegenen Punkten, unmöglich: sonach kein Austausch derIdeen, der Kenntnisse, des Wissens. (Selbst der Verkehr unter zwei ganz rohen Völkernwirkt auf deren Gesittung, indem dadurch der in ihnen schlummernde Funke rege gemachtund geweckt wird.) Die Steppen und Sandwüstcn gewöhnen sodann an ein stetes Umherzkc-hen, ndthigen sogar zu solchen unablässigen Wanderungen. Man stößt auf Hindernisse: siemüssen besiegt sein; der Stärkste und Kühnste aus der Horde ist der Anführer; ihm gehorchenalle Uebrigen; er erlangt mit der Zeit übergroße, despotische Gewalt. —