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Dynastische Interessen u. s. >v.
erlangen, und ohne sonderliche Gewissenssccupel z. B. in einem Jahre mehr Amtschre-beleidigungen abstrafen als Diebstähle, wie solches laut amtlichen Notizen jüngst in einemsogar dem Scheine und dem Namen nach konstitutionellen Staate geschehen ist
Eine solche Eorruption der Gerichte und Gesetze muß aber um so bedauerlicher sein,wenn es unter einer Nation noch eine Menge gutgläubiger, resignirter Seelen giebt, diesolch geschändetes Recht ebenso heilig achten als das wahre, gegen das corrumpirte Rechtmit demselben Respect erfüllt sind wie gegen das flncere und die Knute als eine recht-mäßige betrachten, sobald man ihnen begreiflich macht, daß es eine positive Knute sei-Wahrhaftig, diese Achtung vor dem positiven Recht, auch wenn es noch so corrumpirt undheillos sein sollte, auch wenn es der Rechtsidee noch so sehr widerspräche, sie beweist amSchlagendsten den tiefen Rechtssinn und den moralischen Kern, aber auch die politischeUnmündigkeit einer Nation.
Wie die Gerichte, so sind auch die Verwaftungs - und Polizeibehörden im After-staate corrumpirt. Der Rechts-Staat hat natürlich auch seine Polizei, aber cinevvlks-ibümliche, die nichts Anderes ist als das Executionsorgan theilö für die Gerichte, theilsfür das öffentliche Sittlichkeits- und Schicklichkeitsgefühl.
Niemand wird daher einer solchen Polizei ihre Berechtigung abspccchen. Ganz an-ders aber verhält es sich mit der Polizei des Afterstaates. Hier ist sie das nächste und eigent-lichste Organ der Gewaltstreiche und despotischen Willkür. „Ein Polizeibeamter des Äfter-staates ist ein Pascha mit drei Roßschweifen", welchem die persönliche Freiheit des Bür-gers und dessen Geldbeutel bis zu einem gewissen Strafmaß rettungslos zur beliebigenDisposition in die Hände gegeben ist, um unter der Firma der abenteuerlichsten und an denHaaren herbeigezogenen Strafbestimmungen mislftbige Personen zu züchtigen. Einneuerer Schriftsteller sagt deshalb mit vollem Recht: „Die Polizei - im engeren undweiteren Sinne des Wortes — macht das Wesen des Absolutismus aus, so sehr, daß ab-solutistische Staatsformen sogar den Namen davon bekommen und als Polizeistaaten ge-brandmarkt werden, zum Zeichen, daß Willkür, heimliche Jntrigue, Inquisition undVerfolgung wie offene Brutalität oberstes Princip, Entmündigung und Knechtung desVolks ihr vornehmster Zweck und Erfolg sei. — Ja die Polizei heißt, ins Deutsche über-setzt, nichts Anderes als Willkür, Gewalt. Sie bildet eine vom Volke unabhängige,nicht einmal durch gesetzliche Formen eingeschränkte, sondern Alles lediglich auf den Wil-len des Vorgesetzten zurückführende Gewalt. Die Polizei des Absolutismus ist die fluch-würdigste Anstalt, eine wahre Geißel der Völker, die unter ihr leiden. Sie ist daseigentliche Organ der Rechtsnnterdrückung und Brutalität. Alle Gewaltmaßregeln, alleSchandthaten und Rechtsverletzungen werden zunächst von der Polizei ausgeübt. Sie istum so furchtbarer, als ihrem Willen, ihrer Entscheidung augenblicklich die Verwirklichungnachfolgt.-
Die Polizei ist es vornehmlich, welche die bürgerliche Freiheit vernichtet. Wie zäherLeim hängen sich die tausend und aber tausend Polizeistaatsverordnungen an das öffentlicheLeben, wie der schuhtiefe Sand der Ukermark hindern die unzähligen Polizeidictate denBürger an der freien Bewegung. Wie ein Eisenbahngeleis reihen sich die verschiedenenPolizeiverordnungen an einander und schreiben dem bürgerlichen Leben seinen Gang vor.Wie der giftige Sandstaub des Samum dringt die Polizei in alle Räume und Verhältnissedes bürgerlichen Lebens ein, tödtet alles Leben und jegliche Freiheit, Selbstständigkeit undMündigkeit des Volks. Keinen Schritt kannst du thun, ohne über eine Polizeiverord-nung zu stolpern. Die Polizei bildet eine große Vormundschastsbehöcde, die eine ganzeNation entmündigt und zu einem Haufen unmündiger Schulknaben hsrabwürdiqt. Allesgeschieht mit hoher obrigkeitlicher Bewilligung und Erlaubniß. Nicht eine öffentlicheThätigkeit ohne Polizei und Gensdarmen. Die Polizei regulirt das Tanzen, verfügt überdas Tabackrauchen, beaufsichtigt den Wirthshausbesuch, ordnet Volksfeste, selbst denGottesdienst, z. B. den der Deutsch-Katholiken und Lichtfreunde, kurz, pflanzt eine Massevon Geßlershüten auf, um das Volk an unbedingten Gehorsam zu gewöhnen" — undalles Dies geschieht unter dem Vorwand, die Ordming aufrecht zu erhalten, und mit