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Dynastische Interessen u. s. w.
Ja sonst ist es eine Ehre, Beamter zu sein, und wohl die schönste Stellung — imStaate, aber ein Unterschied ist es auch zwischen einem römischen Prätor, zwischen einemenglischen Friedensrichter und einem Bureaukraten des Afterstaates, der ein publicistischesHandwerk betreibt.
Die tiefe Corruption des Afterstaatsbeamtensystems hat natürlich auch den größtenEinfluß auf dieMoralitat dieser Funktionäre. Wenn man bedenkt, daß alleGewaltstreiche undRechtsverletzungen im Afterstaate durch sie ausgeübt werden müssen, wenn man erwägt, wiedie ganze Existenz des Afterstaatsbeamten von seiner Besoldung, also unbedingt von demBesitze seines Amtes, dessen Besetzung aber von der höchsten Gewalt abhängt, so wirdman, dieses Verhältniß in Zusammenhang gebracht mit der Denkungsart gewöhnlicherMenschen, des Schlusses sich nicht erwehren können, daß im Afkerstaate die Beamten vomHimmel herabgestiegene Engel sein müßten, um nicht corrumpirt werden zu können undkeine unsittliche Wirksamkeit zu äußern. Ich will keine Beispiele anführen, »<>i»!-n «n»t,aber wahrhaftig, SanctPeter selbst, wenn er ein so corrumpirtes Staatsamt annähme,würde wohl nur sehr wenige Gesinnungsverwandte, höchstens vielleicht einige falsche Chri-sten aus seiner Seite erblicken.
Man pocht freilich Seitens der Herren Diener des Afterstaats gar sehr auf die Un-abhängigkeit ihrer Gesinnung und beliebt die Anhänglichkeit an ihre Brodherren nur fürdas Resultat der redlichsten Ueberzeugung auszugeben; allein die einzige Frage, ob es derRegel nach von Menschen zu erwarten ist, Dem gegenüber die Sincerität der Gesin-nung, die Reinheit der Absichten und die Freiheit der eigenen Meinung zu bewahren, in des-sen allmächtige Hände die ganze Existenz dieser Menschen gelegt ist, diese Frage überhebtmich jeder Widerlegung obiger Behaüptung. „Weß Brod ich cß', Deß Lied ich sing'" istein eben so alter als wahrer Spruch, denn er hat seinen psychologischen Grund in der Denk-weise des großen Hausens.
Ein Hauptübel dieses corrumpirten Zustandes besteht ferner darin, daß, wiebei jedem, so auch beim System des Beamtenthums im Afterstaate, die Macht derLogik Consequenzen herbeiführt, die sich mit der Idee des Staats nimmermehr vereinigenlassen.
Der Umstand nehmlich, daß die Beamten des Afterstaates lebenslänglich angestellt,mit Besoldung zu ihrem Lebensunterhalte begabt und im Dienste einer unvolksthümlichenMacht sind, führt consequenterweise zu einer Vermehrung der Staatsämter und der Ge-schäfte, die im Staate, der aus derselben Fläche, welche im Afterstaate ungefähr 375 öf-fentliche Diener ernährt, nur 5 hat, ganz unbegreiflich erscheint. Das ewige Controli-ren und Revidiren, das Registriren und Rubriciren, das Neferiren und Rescribiren undalle diese diversen Federbewegungen des Afterbeamtenthums macht eine Menge von Dienst-mannen nöthig, deren ganze Thätigkeit in rein mechanischen Manipulationen besteht.So erhebt sich über der schmalen Kluft der öffentlichen Geschäfte eine ungeheure pyramida-lisch zugespihte Brücke in die Höhe, nur um das vorräthige und supernumeräre Beamten-material zu verwenden, während die Einfachheit der Functionen im Staate durch einengewöhnlichen Steg befriedigt würde.
Die Aussicht, auf leichte und wenig anstrengende Weise sein Brod zu verdienen, dieLüsternheit nach einem Antheil an der Staatsgewalt, die Gewißheit, im Beamtenstandeine Hagelversicherungsgesellschaft gegen die Gewitter und das Risico zu finden, die dasPrivatleben und Privatgeschäfte bedrohen, endlich das Bewußtsein, nach einer gewissenAnzahl in Ruhe und Unterthänigkeit verlebter Jahre auf Staatskosten ausruhen zu dürfen,alle diese Reize locken ferner alljährlich eine große Anzahl Necruten unter die Reihen des„sitzenden Beamtenheeres." Daß darunter stets eine Anzahl guter Köpfe und tüchtigerKräfte sich befinde, läßt sich nicht leugnen, ebenso wenig aber auch, daß dadurch der Ge-sammtheit ein sehr empfindlicher Ausfall an Talenten und tüchtigen Charakteren entsteht,die sich auf nützliche Beschäftigungen verlegt und als tüchtige Bürger dem Vaterland ge-nützt bätten, während sie so ihre Kräfte im Dienste einer unsittlichen Macht aufopfernmüssen.