162 Dynastische Inten ffen ». s. w.
die Vernünftigkeit einer solchen Regierung retten, und die Mittel, wodurch man sie un-schädlich machen wollte.
Absolutisten, Knechtsseelen wie Maurenbrecher wenden in erster Beziehung einenganz absonderlichen logischen Kunstgriff an, indem sie sagen: Weil ein Staat ohne höchsteGewalt und ohne Staatsoberhaupt nicht bestehen kann, deshalb muß die Souverainetätdem Staatsoberhaupt unmittelbar zukommen, und dieses eine vom Volk unabhängige Stel-lung und Gewalt haben. (S. oben An ci llon.) Die grobe, meist absichtliche Begriffs-verwirrung, die diesem Schluffe zu Grunde liegt, ist aber zu offenbar, als daß man einWort dagegen zu verlieren brauchte; jener Schluß ist ebenso absurd, als wollte man be-haupten: weil jede Gemeinde einen Gemeindevocstand haben muß, deshalb muß dieservon der Gemeinde unabhängig sein, von der Regierung ernannt werden, lebenslänglichsein Amt inne haben und einer Controls durch die Gemeinde entzogen sein.
Staatsrechtslehrer von achtbarer Gesinnung und ganze Nationen, wie England,versuchten das Räthsel, daß trotz der Unverletzlichkeit und wirklichen Souverainetät derhöchsten Regiernngsgewalt alle Regierungsacte unter dem Vernunftgesetz und der recht-lichen Verantwortlichkeit stehen und von dem sittlichen Gesammtwillen der Nation ab-hängig sein und daß jedes Unrecht rechtlich verfolgt werden müsse, dadurch zu lösen, daßsie theoretisch die absolute Souverainetät des Staatsoberhaupts conservirten, aber durchTrennung oder Theilung der Gewalten und die Contrasignatur der Minister und derenVerantwortlichkeit factisch beschränkten.
Es ist zwar nicht zu leugnen, daß jenes System der Vermittelung zwischen Absolu-tismus und Volkssouverainetät den Absolutismus und dynastische Interessen bis zur Un-schädlichkeit eindämmen könnte, so weit es möglich Ware, die Joee jenes Systems in ihrerganzen Reinheit ins Leben treten zu lassen. Dazu aber gehört eine sittliche Gesinnungund eine politische Bildung des ganzen Volkes und eine solche glückliche und vollkommneAusbildung des ganzen Systems, die der Wirklichkeit wohl meist fremd sind. Werfe manzum Beweise hiefür einen Blick auf die bestehenden Staate»;.
England scheint fast nicht recht hieher zu gehören, denn England könnte man an-sehen als eine aristokratische Republik*).
Aber Frankreich gehört hierher; Frankreich, das eigentliche Land des Nepräsentativ-systems, mag in seiner jetzigen Lage den Beweis liefern von der Möglichkeit, auf derGrundlage des Bestehenden die Idee der konstitutionellen Monarchie aufzuführen, so daßdiese in Wahrheit ersprießliche Folgen habe für das Volk- Trotz Preßfreiheit und Ge-schwornengerichten existirt indeß wohl keine Regierung in Europa, die das Volk socorrumpirt hätte, als der im Jahr 1830 von einigen Gutgläubigen aus den Thronerhobene Louis Philipp, König der Franzosen. Und worin liegt der Grund dieses trau-rigen Zustandes von Frankreich, worin anders liegt er, als in dem Einfluß der dynastischenInteressen des Staatsoberhaupts, welche seine ganze innere und äußere Politik leiten undbedingen? Nicht Frankreich und das Wohl des französischen Volkes ist das letzte Ziel deröffentlichen Thätigkeit, sondern das Wohl der regierenden Familie und das Interesseder Bourgeoisie — das Volk ist Mittel für außer ihm liegende Zwecke und Absichten. —Dies wäreAlles ganz anders, wenn eine andere Persönlichkeit an der Spitze der Regierungstände, wird man mir einwenden, aber damit zugleich die Mangelhaftigkeit einer Ver-fassung einräumen, die dem Zufall und der Persönlichkeit des jeweiligen Staatsoberhauptseinen Einfluß einräumt, der möglicher Weise das Land an den Rand des Verderbens brin-gen kann. Auch könnte man Alles von einer demokratischen Aenderung der Charte, Her-absetzung des Census, größeren Theilnahme des Volkes, an der Regierung rc. erwarte».Ganz richtig, allein in diesem Falle Hörle der Staat fast auf, ein konstitutioneller zu sein,
*) Daß England auch als musterhafte konstitutionelle Monarchie betrachtet werden kann,in welcher die nicht durch die Verfassung, sondern durch wiederholte Erobcrungsgewalt begrün-deten — aber durch die Verfassung und politische Freiheit unendlich gemilderte» und überwo-gcnen — scudalaristokratischcn Verhältnisse täglich mehr auf friedlichem Wege besiegt werden,darüber f England und Staatsverfassung>
Anm. der Redact.