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Dynastische Interessen u. s tv.
zu sein, eine dem Volke gegenüberstehende Macht ist, daß die Staatsgewalt statt dasInteresse des Volkes zu wahren, nur ihr Privat- und Svnderinteresse verficht, daß dasOrgan, welches die höchste Gewalt nur zur Aufrechthaltung und Erreichung der Freiheitund Sittlichkeit ausüben sollte, diese Gewalt zur Erreichung von Zwecken und Absichtenmisbraucht, die geradezu mit dem Volkswohl collidiren. Der Asterstaat stellt also dieMisgeburt eines Organismus dar, in welchem zwei einander entgegengesetzte Willen, zweiInteressen und zwei Hauptzwecke existiren- In der Thal ein Dualismus, welcher theo-retisch die Einheit des staatlichen Organismus, die Einheit von Volk und Regierung auf-heben würde, wenn nicht sactisch das stärkere Element stets das schwächere vollständig ab-sorbirte, so daß entweder die unvolksthümliche, souveraine Staatsgewalt die Volksselbst-ständigkeit, oder diese die absolute Regierung aufzehrt.
Die entsetzlichen Nachtheile dieses corrumpirten Verhältnisses liegen auf der Hand.Ein Blick auf ihre widernatürliche Stellung bringt einer solchen Staatsgewalt jeden Tagdie Gewißheit zum Bewußtsein, daß das Volk, sobald es einen gewissen Grad von Selbst-bewusstsein erlangt hat, einsehen muß, daß es politischer Wahnwitz sei, wenn die Mehr-heit einer von Wenigen usurpirten Gewalt gehorche, die keinen andern Rechtstitel hat alsden der Thatsächlichkeit, als ihren feudalen Ursprung in den Zeiten der Volksunmündigkeitund Barbarei, und — ihre Bajonnette, die als den wahren, höchsten Zweck nur sich, ihreWillkür und Erhaltung verfolgt. Die Erkenntniß dieses Zustandes muß jedes Volk belei-digen und dahin führen, diese widernatürlichen Verhältnisse zu ändern und die Staats-gewalt von der Nation abhängig zu machen, und dafür zu sorgen, daß sie keine anderenZwecke und Interessen mehr verfechte, als Volkszwecke und Volksinteressen. Eine cor-rumpirte Staatsgewalt hat also die Aussicht, daß der Geburtstag der Volksselbstständig-keit ihr Todestag sein wird, d. h. daß ihre Vernichtung in dem Erwachen des Volkes be-steht. Darum hat auch eine solche Staatsgewalt keinen andern Zweck, als jenen Geburts-tag so weit als möglich hinauszuschieben ^ als den erwachenden Nativnalgeist zu lähmenund zu unterdrücken.
Entwickelt und beschleunigt wird das Erwachen des Volkes zum Selbstbewußtseindurch gewisse staatliche Einrichtungen, die dem Volke theils die Augen öffnen über seineLage, theils seine Selbstständigkeit und Selbstthätigkeit üben. Preßfreiheit, Associations-recht, Oeffentlichkeit der Rechtspflege, Volksgerichte, Selbstverwaltung, freisinnige Mu-nicipalordnungen u. s. w., das sind diese Institutionen , welche die Freiheit des Volkesentwickeln und erhalten. Die erste Sorge einer absoluten Staatsgewalt ist daher haupt-sächlich auf die Unterdrückung aller dieser Einrichtungen, auf die Vernichtung und Eor-rumpirung alles dessen gerichtet, was das politische Erwachen des Volkes befördern undes zum «oltzovernmont führen könnte. — Die Thätigkeit einer corrumpirten Staats-gewalt ist deshalb dem Begriffe einer volksthümlichen Regierung, als Schützerin undPflegerin der Volksfreiheit, direct entgegengesetzt, so zuwider und so corrumpirt, daß sie,statt die höchste Bestimmung des Menschen, Freiheit und Sittlichkeit, anzustreben, eineAnstalt wird, deren letztes Ziel die Unfreiheit des Volkes, also Unsittlichkeit ist. — Frei-lich bringen sich die Träger dieser unnatürlichen Gewalt über freie mündige Wesen ihresGleichen keineswegs «ine solche fcevlende Absicht zum Bewußtsein. Vielmehr werden sieoft aus guten oder aus sentimentalen Regungen, aus der Sucht, im In- und AuslandRuhm und Popularität zu gewinnen, bestimmt, den Schein freier Institutionen ihremLande zu geben. Sobald aber die Bürger Ernst aus der Sache machen wollen, dannwird zurückgenommen, unterdrückt, die Zusagen werden Fallstricke, die Freiheitsfreundewerden die Opfer dieser Täuschungen. Die Gewalt, so wie sie die Andern täuschte,täuscht sich selbst, sieht in der ehrlichen Freiheitsbestrebung frevelhafte Anmaßung undUntreue. So entstehen ebenso traurige als gefährliche Wortbrüchigkeiten und gehässigeReaktionen.
So beschaffen ist das Wesen, so ist die Stellung und Wirksamkeit einer absoluten,dynastische Interessen verfechtenden Regierung. Betrachten wir, ehe auf die Eorruptionder einzelnen staatlichen Institutionen übergegangen wird, die Kunstgriffe, womit manStaats-Lerlkon. IV- . 11