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Dupin.
Regierung führen, wie man eine Spielbank halt, wo es einzig darum zu thun ist, diePartie zu gewinnen und den Einsatz zu ziehen, dann darf es auch nicht befremden, wennJeder nur aus seinen Vortheil denkt und denselben auf alle Weise geltend zu machen sucht.Hat das Ministerium Thiers nicht ein Muster dieser Regierungsweise aufgestellt unddie Gegenwart der Zukunft unbedenklich aufgeopfert? Die Freiheit der Presse ward immermehr beschränkt, als wenn man nicht aus Erfahrung wüßte, daß diese Freiheit, wo sienicht gänzlich aufgehoben werden kann, am häufigsten misbraucht wird, wo man sie an-seindet und bekämpft. Eine Regierung, die es nicht versteht, die Presse durch die Presseselbst zu zügeln und dem Misbrauch durch einen redlichen und verständigen Gebrauch zubegegnen, muß wenig Kraft haben oder dieselbe nicht zu gebrauchen wissen. Läßt sie sichum Zeitungsartikel in einen Rechtsstreit ein, dann giebt sie gewöhnlich dem UnbedeutendenBedeutung, führt Erörterungen vor Gericht herbei, die oft bedenklicher sind als der an-geschuldigte Artikel, stellt sich als Klägerin dem Beklagten gleich und spielt, auch wenndas Urtheil für sie ist, die Rolle des Löwen in der Fabel, den eine Fliege außer Fassungbringt. Die Amnestiefrage wurde mit einer kleinmüthigen Aengstlichkeit behandelt, diesich als durch Furcht oder Rachsucht eingegeben, wenn auch mit Unrecht, deuten ließ.Wie! weiß man nicht, daß Großmuth Größe zeigt Dem, der sie übt, den Glauben anseineMacht gewinnt und alle edelmüthigen Gesinnungen und Gefühle für sich hat? Ist es soneu, daß Vergeben den Begnadigten entwaffnet und mit Dankbarkeit an Den, der ihmvergiebt, mit Ergebung fesseln kann, da Furcht die feindselige Stimmung nur vermehrt?Es giebt gar viele Fälle, in denen man sich ehrt, wenn man verschmäht, sich mit der Un-ehre in einen Kampf einzulassen. Glaubt man klug gethan zu haben, daß man die Ver-suche des Königsmordes vor den Pairshof brachte und den Verhandlungen über gemeineSünder eine Feierlichkeit und Bedeutung gab, welche die Eitelkeit zu ähnlichen Versuchenreizen konnte und den Verbrecher in den Augen Vieler zum Helden oder Märtyrer machte?Daß man Fragen der zartesten Art, die man so wenig als möglich öffentlich berühren sollte,erörtern lassen mußte und den Gerichtshof selbst in die demüthigende Verlegenheit setzte,der schmählichen Controverse dadurch ein Ende zu machen, daß er dem Beklagten Still-schweigen auferlegte? Man sagt, der seine und verschlagene Talleyrand, dem ge-wöhnlich die besten Einfälle in Frankreich zugeschrieben werden, habe den Rath ertheilt,Alibaud als einen Verrückten in Charenton einzusperren. Der Rath war der Klug-heit Dessen würdig, von dem er kam. Man vermied den scheußlichen Proceß, und keinFranzose, den die Eitelkeit versuchen konnte, ein Mucius Scävola, ein BrutuS,ein Ti moleon, ein berühmter Mann zu werden, hatte Lust, für einen Narren zu gel-ten. Zu diesem Zustande der Dinge, über den wir uns mit Bedauern aussprechen müssen,hat Dupin nicht mitgewirkt. Ob er nicht auch dagegen habe wirken können als Präsi-dent der Kammer, als Freund des königlichen Hauses, als Schriftsteller, ist eine Frage,die wir nicht zu beantworten vermögen. Erwägt man indessen die bekannte Persönlichkeitdes Königs, die in wichtigen Angelegenheiten keinen fremden Einfluß erträgt, dann dürfteman geneigter sein, die aufgestellte Frage zu verneinen als zu bejahen. Der sogenannteTiers-Parti hat eine untergeordnete Rolle gespielt, undDupin, der als ihr Haupt ge-golten, blieb der unmittelbaren Einwirkung auf die Staatsgeschäfte fremd. Uebrigenshat er die Ehre, der Führer einer Partei zu sein, von sich abgelehnt und selbst das Da-sein dieser Partei geleugnet. Wie dem auch sei, Dupin zeigte in der spätem Zeit wederdie Entschiedenheit noch die Stärke des Geistes und Charakters, die ihn früher so ehren-voll ausgezeichnet. In dem Bilde Frankreichs, das ohne hervortretende plastische Formenund gehaltene ausdrucksvolle Figuren ist, erscheinen auch die Züge Dupin's matt undverwischt. I. Weitzel.
Durchlaucht, s. Titel.
Durchfuhr-Handel, Durchfuhr-Zoll, s. Handel und Zoll.
Dynasten, s. Adel, deutscher, der Mittlern Zeit.
Dynaftieen, s. Fürstenhäuser.