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4 (1846) [Deu - For]
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Dupin. '

der Misvergnügten des In- und Auslandes ertragen und den wiederholten Gefahren desTodes Trotz geboten. Was Ludwig Philipp gethan, bisher glücklich ausgeführt undvielleicht zurVollendung bringt, übersteigt auch die kühnste Erwartung. Niemand ahnetedas Ziel, bei dem Frankreich, selbst überrascht, eintreffen wird, weil Niemand auch nureine Ahnung von den Wegen hatte, hinter denen das unbekannte Ziel versteckt lag unddie Ludwig Philipp wählte. Sonst ging so ziemlich Alles seinen Gang, wie es inder Natur des Menschen und der Dinge liegt. Das Kammerspiel der Gesetzgebung spielteman mit großer Feinheit; nach dem Spielbrauche ward eingesetzt, ausgeworsen, gesto-chen, getrumpft, bekannt, oder auch Farbe verleugnet und eingezogen. Daß die Regie-rung, welche den Vortheil hat, die Karten zu mischen und auszugeben, diesen Vortheilbenutzte, kann um so weniger befremden, da sie selbst auf eigene Rechnung spielte, dieKammernaber in Auftrag, und die Deputaten gern unter dem Commissionsspiele das Spielauf eigene Rechnung verbergen und ihren persönlichen Vortheil mit dem Vortheile ihrerCommittenten verwechseln. Die Gerechtigkeit geht den von Alters her breit getretenenWeg der Gerechtigkeit und glaubt an die ewige Wahrheit des eben so falschen als verderb-lichen Grundsatzes, daß, je häufiger und strenger man bestrafe, desto seltener würden dieVerbrecher und Verbrechen. Es giebt einen vornehmen Köhlerglauben der Wissenschaft,der schwerer auszurotten ist als der gemeine an Gespenster und Hexen, gerade weil er vor-nehmer und darum dünkelhafter ist. Hätte Frankreich bei dem Vielen, das es verloren, auchseine Geschwornen eingebüßt, wie stände es in vielen Fallen um die Gerechtigkeit? Wasseine Verwaltung, besonders in den untern Regionen betrifft, so ist sie ein Muster, wieeine Verwaltung nicht sein soll, wenn man dem Bürger einige freie Bewegung in seinemengen Kreise gönnen will. Dagegen sind die Vorzüge der höher« Verwaltung, wo Ein-heit ebenso sehr an ihrer Stelle ist als bei der Besorgung von Gemeindeangelegenheiten undLocalinteressen mannigfaches Zusammenwirken, nicht zu verkennen. Ist Frankreich un-glücklich ? Gewiß nicht. Hatte es seit dem Ausbruche der Revolution je eine Zeit, in der fseine täglichen Vortheile besser gewahrt, seine täglichen Bedürfnisse leichter zu befriedigengewesen wären? Ich wüßte nicht. Alles, was der Mensch zur Nothdurft des Leibes,zum ungestörten Fortleben, zum sorgenlosen Weiterkommen von einem Tage zum andernbraucht, er hat es, in wie weit die Regierung es ihm geben und sichern kann. DiesesBild Frankreichs ist wie ein Gesicht, in dem sich an keinem einzelnen Theile viel aussetzenläßt; jeder für sich betrachtet hat seine rechte Gestalt und sein wahres Verhältniß; unddoch ist die Physiognomie ohne Ausdruck, ohne Geist und Charakter. Ich rede, wie essich von selbst versteht, nicht von der Nation als solcher, nicht von den verschiedenen Stän-den des Volks, nicht von dem ganzen Strome der Bevölkerung, der unbeachtet unter derOberfläche sich fortzieht, die, allein beleuchtet und gesehen, auch allein von dem Schreiberder Tags - und Zeitgeschichte beobachtet und geschildert wird, sondern von dieser gesehenen,schimmernden Oberfläche, von den Ständen, welche die Nation, wenn auch oft nur di-plomatisch, repräsentiren, von den Angesehenen und Angestellten, den Vornehmen, Rei-chen und Begünstigten, die Alles gelten oder sich geltend machen. Bon Einzelnen, diesich in diesen Reihen finden, von hervorragenden, höchst achtbaren Persönlichkeiten undIndividualitäten, deren Frankreich manche mit Stolz nennen kann, ist hier ebenfalls nichtdie Rede, sondern von dem leuchtenden, gischenden Schaume, der sich in dem Glanze derSonne der Macht und der Auszeichnung spiegelt. In diesem kunstreich behandelten Theiledes Staatswerks aber scheinen alle moralischen Springfedern gelähmt, und nur die sinn-lichen und gemeinen, wie Eitelkeit, Habsucht, Begierde nach Geld, Macht und Einfluß,thätig und wirksam. Da ist keine großartige Gesinnung, kein höheres Gefühl, die überdie kleinlichen Bedürfnisse und Interessen des Tags hinausragten, Nichts, was Achtunggebieten oder Zuneigung gewinnen könnte. Die ganze Kunst, die ganze Weisheit, nachder man strebt, weil man sie nur braucht, ist, über seinen Gegner Herr zu werden, seies durch Gewalt oder durch Betrug und List, seinen Mitbewerber zu verdrängen und sei-nem Vordermann den Rang abzugewinnen. Der Sieg giebt, die Niederlage nimmt -Alles, mit jenem ist Alles gerechtfertigt, mit dieser Alles verschuldet, durch welche Mit-tel und Wege man auch in seine glückliche oder unglückliche Lage gekommen sein mag.