152
Dupin.
wir nicht, daß die Freiheit de? Presse, die, ich gestehe es, sich manchmal sehr verderblicheVerirrungen vvrzuwersen hat, darum nicht weniger eine unserer wichtigsten Freiheiten,und daß diese Freiheit das gemeine Recht ist!"
Sein politisches Leben begann Dupin 1815, wo er als Abgeordneter in der Kam-mer erschien. Er sprach gegen den Eid, den ein kaiserliches Decret der Kammer vorschrei-ben wollte, so wie gegen die Legitimität Napoleon's II. und gehörte zu Denjenigen,welche die bekannte Declaration vom 5. Juli 1815 Unterzeichneten, in welcher die Re-präsentanten des Volks unter den feindlichen Kanonen erklärten: daß die RegierungFrankreichs, wer auch an ihrer Spitze stehen möge, den gesetzmäßig ausgesprochenen Wil-len der Nation für sich haben müsse, und daß ein Monarch keine reelle Bürgschaft gebenkönne, wenn er nicht eine von der Nationalcepräsentation beralhene und von dem Volkeangenommene Verfassung beschworen habe. Bis zum Jahre 1828 erschien er nicht inder Kammer. In diesem und in dem folgenden Jahre aber sehen wir ihn wieder inseiner rüstigen Thätigkeit bei allen Fragen, die das Wohl des Staates und die Rechtedes Volkes betrafen. In stetem Kampfe mit den Anmaßungen der Restauration truger wesentlich dazu bei, ihr die milderen und freisinnigen Gesetze über die Wahlen, diePresse und die Gemeindeverwaltung abzunöthigen. Er erhob sich gegen die Auflösungder Nationalgarde von Paris, gegen dis gewinnsüchtige Anhäufung von Stellenund die Sinecuren, gegen die Majorate, das Recht der Erstgeburt, gegen denwachsenden Einfluß der Geistlichkeit, gegen die Missionen und Congregationen, die denabgestorbenen Aberglauben und den Fanatismus wieder in das Leben zu rufen und diealte gute Zeit durch die alten beliebten Mittel zurückzuführen suchten. Mit einem Feuer-eifer, dessen der Gegenstand kaum würdig war, bekämpfte er die Jesuiten, die armenWerkzeuge in der Hand einer Partei, die eben durch die Mittel, die sie wählte, umihre Sache zu erhalten, bewies, daß diese Sache verloren sei. Die Angst vor diesemOrden, von der Manche und auch Dupin ergriffen schienen, hat wirklich etwas Komi-sches, wie die Gespensterfurcht bei sonst verständigen Leuten, denn die Gesellschaft Jesumit dem Einfluss« und der Wirksamkeit, wie sie früher bestanden, wiederherzustellen, istunmöglich; ihre Erscheinung mit'ihrer frühern Bestimmung, wäre in unfern Tagen dieeines Nachtgespenstes. WennD u p in sagt: „Proteus ist nur eine Fabel, der Jesuitismusaber eine Wirklichkeit", dann können wir bei aller Achtung vor dem Ausspruchs eines soverdienten Mannes, demselben keinen Glauben schenken Wenige Tage vor dem Aus-bruche der Julirevolution war er der Berichterstatter über die Adresse der 221, welchedas denkwürdige Ereigniß vorbereitete. Wie früher vor dem königlichen Gerichtshöfe hatteer die Folgen des Aufstandes der Gewalt gegen die Gesetze voräusgesagt unddie Regierung vor diesem gefährlichen Schritte gewarnt. Der Nationalcepräsentationertheilte er die tröstliche Versicherung, jedes Bemühen, sie zu unterjochen, werde erfolg-los sein, so lange die beiden Gesetze, die sie dem Lande gegeben, das über die Presse unddas andere über die Wahlen, unverletzt erhalten würden. Das wußte auch die Regierungund bereitete darum zur Zerstörung derselben die berüchtigten Ordonnanzen vor. Dadiese nun wirklich erschienen waren, versammelten sich die Herausgeber der öffentlichenBlätter, nebst den angesehensten Sachwaltern von Paris, beiDupin, um über die Fragezu berathen, ob den Ordonnanzen, durch welche auch die Preßfreiheit aufgehoben war,Folge zu leisten sei. Dupin sprach zuerst seine Meinung aus und erklärte, die Ordon-nanzen dürsten nicht vollzogen werden. „Wäre ich Journalist, fügt« er hinzu, dannwürde ich durch alle Mittel der That und des Rechts widerstreben, und jedes Blatt, dassich dazu verstehen sollte, die vorgeschriebene Ermächtigung der Regierung nachzusuchen,verdient auch nicht einen Abonnenten in Frankreich zu behalten." Der Widerstand ge-lang, und Dupin gebührt die Ehre, zu dem Erfolge der Julitage kräftig mitqewirkt zuhaben- Eben so thätig erwies er sich, um diesen Erfolg zum Wöhle Frankreichs zusichern. Er war es, der den Bericht über die Charte von 1830 erstattete und den großenGrundsätzen die Anerkennung zu gewinnen wußte: „Keine Staatsreligion, keine Com-missionen mehr zur Handhabung der Gerechtigkeit, welche Namen sie auch führen mögen;die Censur kann nie eingeführt werden, und Frankreich nimmt wieder seine früheren