27
Deutscher Bund und deutsches Bundesrecht.
rische Bestrebungen sollten deutsche Regierungen und Völker getauscht und den Völkernihre schönsten Hoffnungen, die Verwirklichung jener großen Verheißungen vereitelt wer-den. Ein solcher Gedanke, in Verbindung mit der immer größeren Versagung freieröffentlicher Mittheilung, nahm einem ungeduldigen deutschen Jüngling die Hoffnung,auf offnem gesetzlichen Wege zur Rettung des Vaterlandes wirken zu können — und derUnglückliche, sich tauschend durch falsche Theorieen und die Voraussetzung der Erlaubtheitdes Mords fremder Spione, stürzte sich in die Nacht des Wahns und des Verbrechens.
Die Thal eines Einzelnen schien gesühnt und getilgt durch das blutige Schwertstrenger Gerechtigkeit. In Deutschland und Europa herrschte Ruhe und Frieden. KeineWidersetzlichkeit zeigte sich uns in dem deutschen Volk, keine Aufreizungen dazu, auch danicht, wo Preßfreiheit stattfgnd, so wie z. B. in Weimar, Holstein und Hessen.Wo das Versprecken der Verfassung gelöst war, da fühlten Fürst und Volk sich glücklich.Die neuen Verfassungen wurden mit frischer Freude gesetzlich gebraucht. Diese Freude,dieser Gebrauch uns die sichtbar reifende Tüchtigkeit des Volkes für eine würdige gesetzlicheFreiheit widersprachen doppelt den Vorhersagungen der Freiheitsfeinde. Die allgemeinereVerwirklichung der großen Zusagen schien endlich nach jenem aus den damals noch öffent-lichen Bundesverhandlungen ersichtlichen Wetteifer liberaler Erklärungen über die Versas-sungspetilion am Bundestage im Jahre 1818 und nach jener bekannten Verfassungspeti-tion in den Rbeinlanden ; sie schien nach den von Niebuhr, Schleiermacher und an-deren preußischen Patrioten siegreich bekämpften öffentlichen Denunciationen unvermeid-lich zu sein. Doch harrte das Volk in vertrauensvoller Ruhe. Auch in der Jugend hat-ten sich nach vielseitigen öffentlichen Anerkennungen Fleiß und sittlicher würdiger Ton mehrals seit Jahrhunderten entwickelt. Die allerdings noch aus den Feldzügen stammende, dawo es an Preßfreiheit und Verfassung fehlte, durch die erzwungenepolitische Unthätigkeit der Männer genährte einseitige politische Auf-regung der Jünglinge und ihre zum Theil jugendlich anmaßliche Richtung schientheils von selbst, theils durch einfache disciplinarische Mittel verschwinden zu können.Kurz, Alles gab Hoffnung auf die baldige glänzende Widerlegung jener sin den Politi-schen Annalen 1815, S. 3 und 4 mitgetheilten) unglücklichen französischen Pcophe-zsihungen, daß die deutsche Nation nicht ohne furchtbare Kämpfe in den Besitz der ihr ver-heißenen Freiheit kommen werde. Aber durch ein unglückliches Verhängniß und bei demMangel der Preßfreiheit gelang der Rsactionspartei ihre Täuschung. Die freilich oft herbausgedrückten Wünsche nach baldigster Erfüllung der großen Verheißungen und die Ver-stimmungen über scheinbare oder wirkliche Rückschritte, die Klagen der Freiheitsfreunde,ihre Zurückweisungen der Reaktionärs wirkten, daß diese immer mehr jeden Rest von Preß-freiheit so wie jedes Bestreben für gesetzliche Freiheit in den jetzt immer mehr nur ihnenoffen stehenden censirten Blättern und insgeheim anschwärzten. So wie andere öffent-liche Aeußerungen mußten jetzt auch die Freudenseuer an dem Jahrestage der Befreiung desVaterlandes erlöschen. Je mehr man auf des redlichen Bockes Abscheu Sand'scher Tha-ten rechnen konnte, um so mehr gerade bemühten sich die Freiheitsseinde durch Vorspie-gelung ihres Zusammenhangs mit allen liberalen Bestrebungen diese zu verdächtigen.
Endlich nach mehrjährigem unermüdlichen Wirken schienen die Bestrebungen undTäuschungen der Reactionsfreunde zu siegen; gerade in dem Augenblicke zu siegen, wo dieZeitungen, nachdem Hr. «.Humboldt als Verfassungsministec einberufen war, vonbaldiger Einführung der Verfassung auch in Preußen sprachen.
Allgemein bekannt und bereits ein Bestandtheil der deutschen Geschichte sind die jetztunerwartet und plötzlich im Sommer 1819 durch alle Zeitungen verbreiteten Nachrichtenvon großen deutschen Verschwörungen. Große Maßregeln machten auch die Zweifler irreoder stumm. Merkwürdige Zeitungsartikel verdächtigten selbst die gewöhnlichen Gerichtedemagogischer Gesinnung und suchten die Unmöglichkeit, die ja geht ganz aufgehobeneVerpflichtung zur Einführung der verheißenen Freiheit darzuthun. Dieselbe Macht derCensur aber, welche bekanntlich dadurch so sehr verstärkt wurde, daß gerade jetzt denhohen Regierungen die Carlsbader Beschlüsse als nöthig erschienen, verhindertelange, ja zum Theil bis auf diesen Tag die Enthüllung der Täuschungen, die hier mit-