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11 (1848) [Pre - Schi]
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728
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728 Sachsen, Königreich.

aber sein Rechtssinn verschmähte jeden solchen Gedanken; seine Politik war di« des ehrli-chen Mannes; und eben so hielt er die alte ständische Verfassung in Kraft und Ehrenund hielt sich durch die erlangte Souveränetät in keiner Art ermächtigt, sich über Rechtund Gesetz hinwegzusetzen. Gerade in der Zeit des Rheinbundes ward Nichts oder Wenigin seinem Lande verändert, und vielleicht kein Fürst des Rheinbundes hielt sich auch sonstso unabhängig von dem Fcanzosenkaiser und wußte so gut durch gemessene Würde die sub-alternen Anmaßungen zurückzuhalten wie Friedrich August. Als die Stunde der Be-freiung schlug, ging er, um unabhängig handeln zu können, nicht nach Mainz, wohin ihnNapoleon geladen, sondern nach Regensburg , bald nach Prag und bezweckte einen An-schluß an Oesterreich, folglich eine Entfernung von Frankreich. Au Preußen hatte er keinVertrauen, und die formlose Art, mit der er von dort aus behandelt ward, mußte ihn zu-rückstoßen. Sein Plan aber scheiterte an Oesterreichs Zaudern, das die Maske noch nichtheben konnte, und an der Schlacht von Groß-Görschen mit ihren nächsten Folgen. SeinLand war in den Händen der Franzosen, und er mußte von Neuem ihnen folgen, wie es soviele andere Fürsten des Rheinbundes eben so thaten. Ich mag die famose sogenannteTheilungssache nicht hier nochmals ausführlich aufrühren; ich habe es an anderemOrte *o) gethan und nachgewiesen, wie schreiend ungerecht Sachsen behandelt wor-den. Jndeß die Verhältnisse fügten es so; der König mußte die Hälfte seiner Staaten,die größere an Areal, die kleinere an Volkszahl, er mußte den Wittenberger, neustädter undthüringer Kreis, Theile des meißner, leipziger und voigtländischen, die Niedeclausitz, Theileder Oberlausitz, Querfurt, Henneberg, Theile der Stifter Naumburg, Zeiz und Merse-burg, zusammen 367^ Quadratmsilen mit 864,404 Einwohnern abtreten, damit Preu-ßen für Das entschädigt werde, was es einst in den berüchtigten polnischen Theilungen er-worben und jetzt nicht Alles behalten konnte oder wollte. Sachsen mußte zerrissen werden,damit Rußland Polen behaupte und Preußen etwas Besseres erhalte, als sein Polen ihmwar. Letzteres war in dem Rathe der großmüthigen Befreier schon zu Kalisch beschlossen,und am Abende der Schlacht bei Leipzig begrüßte Hardenberg seinen König nicht als Be-freier Deutschlands, sondern als König von Sachsen und Großherzog von Polen ")!Doch genug. Die Verhältnisse haben es auch so gefügt, daß Sachsen jenes Unheil ver-schmerzt und überwunden hat und daß es jetzt blühender und geehrter dasteht als je, undwenige Jahre nach jenen Zeiten, wo so viele harte und ungerechte Urtheile auswärts überden König gefällt wurden, bereute Mancher das Unrecht und stand der ehrwürdige Königs-greis wieder hoch in der Achtung der Mitwelt da. Seine innere Regierung war in denersten dreißig Jahren und länger noch eine umsichtig resormatorische. Allerdings faßteFriedrich August den Begriff des Rechts leicht zu starr auf und ging nicht leicht aus durch-greifende organische Aenderungen ein. Aber innerhalb des Bestehenden hielt er mitstrengster Gewissenhaftigkeit an dem Rechte. Auch unterblieben keineswegs zweckmäßigeReformen. Die zeitherige Verpachtung der Justizämter wurde aufgehoben (1784 bis1794), die Tortur und die Landesverweisung abgeschafft (1770), die Criminalgesetzge-dung überhaupt gemildert und das Untersuchungsverfahren wesentlich verbessert (1770und 1783), eine neue Vormundschaftsordnung erlassen (1782), das Jnnungswesen re-sormirt (1789), für die Gesundheitspflege sehr viel gethan, zuerst eine regelmäßige, aufdem Grundsatz allgemeiner Verpflichtung ruhende Brandassecuranz, so wie neue Zucht-,Arbeits- und Versorgungshäuser errichtet (1787), die Saale schiffbar gemachtu. dgl. m.Ungemeine Fortschritte machte das Straßen- und Postwesen, der Bergbau, in welchem durchdie zu Freiberg 1765 begründete und weltberühmt werdende Bergakademie ein hochintelli-gentes Leben entzündet wurde, das Forstwesen, das gleichfalls 1816 in der Forstakademi«zu Tharand eine treffliche Lehranstalt erhielt, die Fabrikindustrie, die Schafzucht durch diespanischen Schafe, die sich erst von Sachsen aus über die civilisirte Welt verbreiteten

10) Geschichte Deutschlands von 18061830. Hamburg 1842. 8. S. 187 ff. S. 213.S. 322 ff.

11) v. Hippel, Beiträge zur Charakteristik Friedrich Wilhelm's III. Bromberg 1841.ö. S. 94, 95.