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11 (1848) [Pre - Schi]
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Sachsen, der Volksstamm.

S.

Sachsen, der Volksstamm. — Eine uralte Sage ließ das Volk der Sach-sen mit seinem König Aschan inmitten eines grünen Waldes aus einem Felsen wachsen. —Wo Wald und Fels gestanden habe? — Das lehrte gewiß die Sage, so lange sie noch imMunde des Volkes lebte, und eben darum laßt sich nicht bezweifeln, daß das Volk sich füreingeboren hielt in dem Lande, das es bewohnte. Dem steht nicht entgegen, daß Ptole-mäus die Sachsen auf die westliche Küste der kimbrischen Halbinsel und auf drei Inselnvor dem Ausfluß der Elbe setzt, und daß sie als Seefahrer auftreten, während die spätereGeschichte sie in Deutschland nur im Binnenlande als Ackerbauer ohne Schifffahrt undHandel kennt. Auch später saßen sie ja rechts und links um die Mündung der Elbe, undNichts hindert anzunehmen, daß das Volk ursprünglich im Binnenlande gesessen und zuPtolemäus'Zeit Auswanderungen nach jener Küste und Inseln und von da später nachder Küste von Belgien und Armoricum entsendet habe. Die Küstenbewohner wurdenSeefahrer, und da sie wohl aus den verschiedenen Gauen des Landes sich zum Auszug ver-einigt haben mochten, so führten sie den gemeinschaftlichen Namen Sachsen zur Unter-scheidung von ihren nicht sächsischen Nachbarn fort, während die Zurückgebliebenen untersich mehr die Namen ihrer Gaue im Munde führen mochten und unter ihren Stamm-namen den Griechen nicht bekannt wurden.

Die früheste Geschichte der Sachsen ist dunkel und wird es noch mehr, wenn man,was von den ausgewanderten seefahrenden Sachsen erzählt wird, auf die zurückgebliebe-nen ackerbauenden anwendet. Nur eine strenge Scheidung Beider giebt einiges Licht.Wir verdanken diese für die älteste Geschichte Deutschlands und des deutschen Volksle-bens höchst wichtige Entdeckung Schaumann's gehaltvoller „Geschichte des nieder-sächsischen Volkes". Zum großen Theil aus den hier gesammelten Zügen erhalten wirfolgendes Bild.

^ I. Von den binnenländischen ackerbautreibenden Sachsen, den Stammväternder deutsch gebliebenen Ober- und Niedersachsen und Westphalen, später Alt-Sach-sen genannt.

Erst im 4. Jahrhundert n. Ehr., wo die Völkerwanderung die Geschichte andererStämme verschlingt, beginnt die der Sachsen und zeigt uns noch einmal das Bild einesurächten deutschen Volkslebens, während das der anderen Stämme meist durch Krieg undWanderung schon entstellt war. Damals bewohnten sie das Land zwischen der Elbe undEms, der Friesen und Sueven (s. diese). Genauer lassen sich die Gränzen in jener Zeitnicht ziehen, es sind im Ganzen dieselben, wie sie sich später in den Zeiten Karl's desGroßen etwas deutlicher beleuchtet finden. Diese Gränze umfaßte also den größten Theildes heutigen Oldenburg, lief längs der Ems hinauf und in gleicher Richtung bis zur Lippe,von dieser bis zur Diemel, zog von da zur sächsischen Saale östlich und mit dieser bis zurElbe, welcher sie bis dahin folgte, wo sie die Stecknitz aufnimmt; von dort an nordwärtswohnten Sachsen bis an die Eider. Da hiernach nur ein kleiner Theil des sächsischenLandes ans Meer stieß und dieser Theil der Küste damals weder einen sichern Hafennoch einen zuverlässigen Grundbesitz dargeboten haben mag, die Dänen und Franken aber,deren Küstenland« der Schifffahrt günstiger waren, ohnehin die Herrschaft zur See in derHand hatten und weit und breit die Küsten ausplünderten, so erklärt sich leicht und natür-lich, daß die sächsische Seeküste nur wenig bevölkert war, und es rechtfertigt sich also, daßoben die Altsachsen ausschließlich oder doch vorzugsweise als ackerbauend bezeichnet wur-den. Dies geschah jedoch nur im Gegensätze zu den ausgewanderten seefahrenden Sach-sen, und es sollte damit also keineswegs behauptet werden, daß sie den Ackerbau mehr undbesser betrieben hätten als die übrigen Bewohner des alten Deutschlands (s. den Artikel„Altdeutsche Völker"), vielmehr stellt sich, wie bemerkt, gerade an den Altsachsen die