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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
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Haupt-und Grundideen. Der Schein von Wissenschaftlichkeit,den ein solches Kraftwort gewähren mag, genügt nicht, nochbesteht derselbe. Denn erst auf dem Neflexionöpunkte, welcherauf daS äußere Leben der Menschheit hinweist, und welcherin der Ethik weiterhin vorkommt, tritt der Verstand vordem Willen auf voraussetzend nicht allein die Vernunftin ihrer ersten (objektiven) Entwickelung, sondern auch dieThätigkeit des Willens, sey dann solche der Vernunft-stimme (dem Gewissen) entsprechend oder widersprechendgewesen.

Wird aber dasWahrheitsgefühl passive Vorstellung" *)

anstatt Offenbarung, oder Ankündigung des Göttli-chen rc. genannt, mithin als ein Objektives, Gegebenes auf-gestellt; so stehet der neuen Darstellung ein anderer Um-stand entgegen: jene seit Jahren schon herausgebildete und §mit so großer Entschiedenheit, im Ganzen, vorherrschendeBedeutung, welcher zufolge das Gefühl (auch für dasWahre oder die Wahrheit) einem Menschen zu-, und einemanderen abgesprochen, folglich als ein Subjektives oderHervorgebrachtes durch die subjektive Thätigkeit (in derRichtung auf daS Göttliche) Entstandenes vorgestelltwird. So fällt denn eben das Wahrheitsgefühl mit demTugendgefühle, Rechtsgefühle und selbst mit dem Gottesge- §fühle zuvörderst in Eines zusammen: es ist gleich dem sitt- ^liehen, religiösen und selbst dem ästhetischen Gefühle, da,wenigstens nach der Idee, das Schöne in der Getrennt-heit von dem Göttlichen nicht denkbar ist. Und mit demmoralischen Sinne rc. ist dasselbe nicht minder durch eininneres Band verknüpft. Oder sollen wir Gefühl des Wah-ren und Gefühl für das Wahre unterscheiden? Die Gram-matik, besorge ich, und selbst die Logik dürfte gegen dieseUnterscheidung protestiren. DaS Wahrheitsgefühl mag so-nach wohl mit der Wahrheitsliebe zusammengestelltwerden, so wie diese (bcy der gedachten Hinsicht auf die

') Vorstellung? S. 178 u. w.