Do r r e d ezur zweyten Auflage.
Äbenn die Anforderung, daß man mit der neuen Auflageauch Besseres gebe, an irgend einen Schriftsteller mit gutemGrunde gemacht werden kann; so findet dieselbe an den akademi-schen Lehrer vornehmlich Statt. Denn ihm kommt das „durchLehren lernet man (clocenäo 6i8cimus)" mehr als irgend einem An-dern zu Gute. Und dieser Vortheil nimmt zu, wenn er mit demLehrvertrage die wissenschaftliche Unterredung verbindet, auf seinemZimmer sowohl als im Hörsaale, wo diese Unterredung Conversato-rium heißt. Junge Männer, die mit vorzüglichem Talente begabt,und zugleich von einer schönen Wißbegierde, der Tochter der Wahr-heitsliebe, beseelt find, können ihm desto mehr Anlaß und Stoffgeben, da sie noch von keiner Schule eingenommen sind, noch vonkeinem Systeme unter dem Namen Philosophie beherrscht werden;vorausgesetzt freylich, daß sie zur offenen Mittheilung ihrer Ansichtenoder Einwürfe aufgefordert seyen, und die Erfahrung machen, daßeine solche Freymüthigkeit keineswegs mißfalle, geschweige denn scha-de! Und muß nicht der Lehrer, wenn er wahrnimmt, daß und wieeine solche Unterhaltung den Studierenden nütze, diese Erfahrungum so mehr dazu bestimmen, sollte sie ihm auch viele Stunde» imLause eines Studienjahres kosten? — Selbst die Prüfungen (exs-mioa), wo dergleichen noch Statt finden, mögen zu diesem Zweckedienen» indem der Lehrer z. B. vier Eandidaten mit einander vor«nimmt, und dieL)rüfung zum Theil in eine freye, akademische Con-versation verwandelt, ober, aufmerksam gemacht durch die Antwor-ten, noch diesen und jenen Hauptpunkt besonders zur Sprache bringt,hervorhebt und in das völligere Licht setzet. Und welche Belohnung(nehme auch eine solche Prüfung mehrere Zeit weg) für den Pro-fessor, wenn jetzt, am Schlüße derselben, der Kandidat — vielleichtauch einer, der sonst etwas flüchtig oder weniger fleißig gewesen, —freudig und dankend bekennt, daß und wie er da noch gelernet, nochgewonnen habe!
Da nun der Verf. wieder, trotz gewisser, ganz eigener Hinder-nisse der Zeit und des Ortes, eine neue Auflage veranstalten konnte;so war es ihm eine besondere Pflicht, auf die neue Bearbeitung je-den möglichen Fleiß zu verwenden: um so mehr, da er bey seinemAlter — und bey dem bekannten Laufe der Zeit oder des Zeitgei-stes ! — wohl nicht hoffen darf, noch eine Auflage desselben jemalsveranstalten zu können. Die lte Auflage erschien übrigens im Jahre