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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
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290
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Indem wir die Phantasie als Menschenkraft, ohnejedoch die gedachte göttliche Macht auSzuschließen, in Be-zug auf den Zweck unserer Wissenschaft näher betrachten,stellen sich vier ausgezeichnete anthropologische Erscheinungendar:

I. der Enthusiasmus, die reine oder eigentlicheBegeisterung, da und wie eben hierin die Phantasie her-vorsticht, — im Dienste der Vernunft, und in Harmoniemit dem Verstände, trete auch dieser zunächst weniger vor,so daß alles Niedere dem Höheren zugewandt ist, und selbstdas Feuer der Sinnlichkeit auf dem Altäre der Sittlich-keit brennt: die Erde ist mit dem Himmel vermählt*);

II. die Schwärmerey, da eben die Phantasie zwarin Verbindung mit der Vernunft, wie davon die Würdig-keit auögeht, aber auf Kosten des Verstandes wirkt, alsodiesen (wie er als Organ und Werkzeug der Vernunft hin-zukommen sollte) mehr oder weniger unterdrückt, und dage-gen eine Fülle deS Bildlichen, wozu die Sinnenwelt denStoff liefert, herbepführet, so daß der Herrschaft des Gött-lichen über das Irdische ein Hinderniß gesetzt wird: der Him-mel ist durch die Erde getrübt;

III. die PHanta sterey, wo nun die Phantasie der-maßen vordringt, daß selbst jenes Bewußtseyn deS Gött-lichen, welches in der Sprache des Ethikerö Gewissen heißt,nicht mehr Statt finden kann, so daß weiterhin der Menschnicht mehr als Subjekt, sondern, in der Erscheinung, imwie ein Naturding angesehen und beurtheilt werden kann:die Erde ist (obwohl nur soweit) vom Himmel getrennt,verlassen; und

IV. der Fanatismus, wo zwar die Phantasie auchdespotisch wirkt, wo aber jenes Vewußtseyn noch so weitStatt findet, daß die Vernunftwidrigkeit (der böse Wille)eintreten kann, ja der Verstand selbst gewandt und scharf,obwohl einseitig, mit der Phantasie zusammenwirkt, und

") Möge auch diese Sympolik der Sache dienen!