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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
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Gedächtniß hat, in einer spekulativen Arbeit Gedanke anGedanke sich zudrangt, und .dabey so manches verwandteThatsächliche, was er langst vergessen glaubte, sich darbie-tet, so daß er über diese Macht seines Gedächtnisses selbststaunen dürfte. Aber wie viel mehr noch wird Solchesihm gelingen oder zukommen, wenn er so recht im Geisteseines Berufs arbeitet! Und wie lange kann, wie langewird ohne diesen Geist jene Kraft bestehen? Gedächt-niß ohne Verstand, wie sich daraus die Urtheilskraft ent-wickelt» ist übrigens nur eine vorübergehende Erscheinungder Natur, und nur als solche dem Beobachter zuweileneiner auszeichnenden Bemerkung werth. Diese Erscheinungbleibt der empirischen Psychologie, aus welcher sie mit somancher andern hier als bekannt vorausgesetzt wird, über-lassen; wie denn auch dieser Empirie in ihrem Verbändemit der Pädagogik jene Frage zufällt, ob oder wiefernbey dem Heranwachsenden Knaben ein gutes Gedächtniß— einen großen Verstand oder ein ausgezeichnetes Talentverrathe?

Ist endlich der Verstand, ist die Denkkraft selbstals solche dem Gesetze der Natur auf die vorhin gezeigteArt unterworfen; so kann freylich die Gewalt der Mey-nung, der tiefsißenden, nicht mit Einem Male gebrochen,so können die vorgefaßten Begriffe, Vorurtheile u. s. w.nicht mit Einem Male aufgehoben oder berichtigt werden:aber die Macht, jene wirklich zu brechen, und diese in derThat, wenn sie ganz irrig sind, aufzuheben, kommt dochjedem menschlichen Geiste zu, — jedem, der zuvörderstim Göttlichen wurzelt. Wie der Mensch objektiv und dann,im gesetzten Falle, auch subjektiv am Göttlichen Theilnimmt: so äußert sich dessen höhere Macht, indem es,das Unbedingte, seine Oberherrschaft über das Bedingtejeder Art behauptet. Eben darum aber, weil in keinemFalle dem Menschen das Göttliche oder die Göttlichkeitschlechthin (vollkommen) einwohnen kann, — eben darumkann auch dieser Sieg des Höheren nur allmählig, nur im