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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
Entstehung
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die unbegranzte! Nur allmählig, nur stets völliger kann sichdieselbe offenbaren. So weit ist sie an daS Gesetz der Na-tur selbst gebunden. WaS natürlich entstanden ist, und sichalsdann nach und nach festgesetzt hat: das kann auch, selbstvon einer göttlichen Macht, nicht mit Einem Male aufge-hoben und vertilgt werden. Aber dann ist hinwieder dieMacht der Angewöhnung auch dem Göttlichen dienstbar.An dieser Kenntniß der menschlichen Natur ist selbst in Ab-sicht des Höchsten sehr viel gelegen, damit nicht 1) ein zar-tes Gemüth, ergriffen von der Aengstlichkeit bey einernatürlichen Entwickelung und Erstarkung, selbst durch dieArt seines Widerstrebens das Hebel vergrößere, unddamit 2) Muth, Hoffnung und Geduld in Bezugauf das eigene Selbst eintrete, bey dem Gedanken, daßeine solche Naturmacht dem höher», göttlichen Princip ge-wiß weichen werde, wofern der Mensch nur festhalte andem, was ihm jene höhere Stimme in seinem Innerstenankündigt; wo dann ein solches Natürliche wohl auch, in-dem kein weiterer, besonderer Werth demselben beygelegtwird, weit schneller und zuletzt selbst wie mit Einem Male,ja auf eine fast wunderbare Weise dahinschwindet. So be-währt sich wieder die psychische Macht.

Auf solche Art entschwinden selbst die mächtigsten„Phantome", sey es auch, daß gewisse lebhafte Bilder, ansich Kinder der Einbildungskraft, nur nach und nach er-blassen. Ja, auf solche Art entweichen selbst jene „Phanta-sien", die sich mit dem stärksten aller Naturtriebe, nach des-sen Entwickelung auf einer bekannten Altersstufe, natürlichverbinden. Und war auch eine Schuld dabey eingctrcten;so vermag doch ein Wille, der sich zu jenem Einen wiedergewandt hat, auch diese Unordnung zu heben, obwohlschwerer und nur in längerer Zeit. Auch dazu gehört danneine schöne Geduld in Bezug auf das eigene Selbst, unbe-schadet einer eben so schönen, sittlichen Strenge.

Selbst auf den künftigen Traum, wie eben die Phan-tasie mit dem Gedächtniß und Verstand im Traume zusam-