Wo nun die bloß physische Verstimmung obwaltet; da magdie Denkkraft bald gebunden, bald so einseitig gerichtetwerden, daß nur solche Gedanken, welche dieser Gemüths-stimmung Zusagen, Hervorkommen: düstere, traurige. JederGedanke, jede Erinnerung an das Bessere der frühern,selbst der jüngstvergangenen, Zeit ist wie vertilgt. Selbstdas Bessere, welches man früherhin, vielleicht als ein aus-gezeichnetes Werkzeug der Vorsehung, so manchem Mit-menschen thun konnte, will da nicht „einfallen" oder „inden Smn kommen", wie eben von einem solchen GedankenErmuthigung und Erheiterung auögehen könnte. Hier nungilt wohl die Regel: man habe auch mit sich selber GeduldNimmt aber die Melancholie oder Hypochondrie den Ver-stand selbst in Beschlag, so wird er Grübler in dieser Rich-tung: und auch so mag der Mensch, der unglückliche, viel-leicht ein Edler bis zu der Selbsttödtung, die nimmermehrSelbstmord genannt werden soll, sortgezogen und fortge-sührt werden, zumal wo der klimatische Einfluß (wie z. B.in England) die physische Verstimmung mächtig befördert.
Einen besonder» Einfluß auf die Thatigkeit der Denk-kraft äußert derjenige Naturtrieb, welcher in dem Reicheder Menschheit nach dessen Verbindung mit dem Naturrei-che der mächtigste heißt. Die Wollust, die physischeSchwächung dieser Art und in ihrem Fortgange wirkt wiekeine andere Leidenschaft auf das Denkvermögen. Aberauch ein Zuviel auf der anderen Seite, ein gewisses, na-türliches Uebermaß kann den freyen Gang und Fluß derGedanken mächtig stören und hemmen. Dies erhellet schondaher, weil die Physis zur Wohnung und zum Werkzeugeder Psyche bestimmt ist. Und auch dazu liefert die Erfah-rung recht sprechende Belege. Nein, was von einer An-lage, welche die schöpferische Weisheit gemacht hat, abwei-chet, kann nimmermehr zweckmäßig wirken, sey es auchvon einem guten, frommen Sinne versucht, und durchMittel, welche die feinste Despotie darbietet, erzwungen.