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Selbstsucht. Der endliche Geist kann ja, als solcher, auchohne die körperliche Hülle, gedacht werden. Daher dieMöglichkeit, seine Abhängigkeit von dem unendlich Höherenzu verkennen, und folglich das eigene Selbst als das Höchsteanzusehen und zu behandeln, sey es auch, daß gegenwärtig,nach Verbindung des Geistes mit dem Körper, diese Selbst»sucht ohiv die Neizung von Außen, die den vorbereitendenAffekt veranlaßt, nicht entstehen könne. Auf der anderenSeite aber erscheint die Selbstsucht, welche auf physischeGenüsse ausgeht. Auffallend ist diese von jener verschieden,sind gleich beyde wieder besonders mit einander verbunden,nach jenem bekannten Worte: „Hochmuth (oder auch Hof-fart) kommt vor'm Fall", wie da mit diesem Worte beson»ders ein Versinken in die gröbere Sinnlichkeit bezeichnetwird.
Sollen wir nun, wie den ersten Zweig der Grundlei-denschaft Hochmuth, so den andern Eigennutz nen-nen? Wer lieber will, der setze dafür die Begierlichkeit.Vielleicht könnte auch die Wollust diese weitere Bedeutungerhalten. Stolz aber und Sinnlichkeit dürfen wohl nichtals die zwey Grundleidenschaften aufgestellt werden. Dennjenes Wort «erstattet nun einmal auch einen milderen Sinn:„ein edler Stolz!"; und diesem müßte wenigstens „die herr-schende" vorgeseßt werden. So viel ist aber, was die Sachebetrifft, wohl unlaugbar; 1) Zu dem psychischen Zweigeder Selbstsucht gehören besonders die Ehr - und Herrsch-sucht. So wie die Abhängigkeit des Menschen von demUnendlich Höheren praktisch verkannt ist, äußert sich dasStreben nach Vergötterung. Und nachdem sich der Menschvon Gott getrennt hat, erhebt er sich natürlich über denMitmenschen, verkennend die gleiche Würde in demselben,und daher wie zum Gotte über ihn sich erhebend. Ja, ohnedie Huldigung, welche der Gottheit gebührt, ist eigentlichauch keine Achtung für das Göttliche in der Menschheit,sey es in dem eigenen oder in dem anderen Selbst. —Auch die Hoffart und Eitelkeit gehören dahin, da sie nicht