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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
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chen widerstrebende Neigung, sondern eine Bewegung. Undsofern im Temüthe (Th. 1. Nro. H. Z.) das Psychische undPhysische zusammentreffen, mag die Leidenschaft wohl amTreffendsten als die vernunftwidrige Bewegungdes GemüthS erklärt werden. Wie aber die Leidenschaftaus dem Affekte erwächst: so mag er sich dabey von Zeitzu Zeit wieder einfinden. Und sey eS, daß der Strom, in-dem er sein Bett tiefer gräbt, seltener aus dem Ufer trete;sey eS, daß eine politische Selbstüberwindung, eine mit An-strengung errungene und durch Uebung befestigte Herrschaftüber das eigene Selbst wohl verberge, was im Innerenkocht oder gährt, und eine Verschlossenheit bewirke, welchedie Leidenschaft zunächst von dem, was den Affekt auSzeichnet,sehr unterscheidet: eS folgt, etwas früher oder später, einAusbruch, der ganz die Gestalt des Affekts, und nur einedesto wildere, offenbart. So zeiget und bewährt das Gött-liche wieder indirekter Weise seine Oberherrschaft im Reicheder Menschheit.

Was ist nun zu halten von jener Rede, welche denAffekt dem Rausche, und die Leidenschaft demWahne vergleicht? Offenbar kann solches von demschönen Affekte nicht gesagt werden, z. B. von dem Affektder Liebe zu Gott, der Bewunderung einer schönen, edelnHandlung, und selbst der Liebe gegen ein menschliches We-sen, aber im trennenden Gegensätze mit der Wollust,wenn auch im Geschlechtsverhältnisse. Die Leidenschaft abermag wohl dem Wahnsinn an die Seite gesetzt werden, so-fern, zumal im Fortgange der Zeit, eine Gebundenheit ein-tritt. Aber so kann freylich von denLeidenschaften" z. B.der Liebe und der Freundschaft" so wenig, als von einerLeidenschaft der Humanität, der Großmuth" u. s. f. dieRede mehr seyn. Wenn das Wort überall der Sache die-nen soll; so darf auch das Wort Leidenschaft nur da ge-braucht werden, wo jene Bewegung, in irgend einer be-sonder» Richtung, vorwaltet. Sonst wird mit dem Worte

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