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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
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der Wirklichkeit, wo sich eine würdige Individualität fin-det. Ohne diesen Rückblick auf den Menschen ist die Lei-denschaft nicht begreiflich, da und wie selbige nur als einMenschliches gedacht werden kann.

Derjenige Affekt nun, welcher deS Menschen unwür-dig ist, führet zur Leidenschaft, so wie er, dieser Affekt inirgend einer Gestalt, öfters eintritt. Denn auf diesemWege entsteht eine Neigung zu dem, was der Selbstheit,die sich von jenem Einen getrennt hat, in solchem Zustande ^entspricht. Die Angewöhnung und deren Macht kommt !hinzu: cS entsteht der Hang und jene mächtige Gewohn-heit, die wohl auch die andere Natur (altera natura) ge-nannt wird. Aber dem bloßen Naturwesen schreibt manauch diesen Hang und diese Neigung nimmermehr zu. ESbesteht also zugleich eine Thätigkeit, welche von der bloßen,physischen Wirksamkeit nicht bloß dem Grade nach verschie-den ist. Wenn sich aber bey dieser Thätigkeit Unruhe,Zwietracht, Unfriede u. s. w. findet; so ist dies eben da-rum, weil der Mensch von dem Göttlichen und somit vondem, woran er seiner Anlage und Bestimmung nach Theilnimmt, sich getrennt hat. Also davon getrennt, ist ernothwendig auch mit sich selber uneins. Und wie könnte,nach jener Anlage, das Zeitliche, Sinnliche, Vergänglicheu. s. f. ihm Ruhe und dauernde Befriedigung gewähren?Was die Vernunft, auf ihrem Standpunkte (jenem derIdee), als nothwendig und so als gültig für alle Zeitenund Orte auöspricht: eben das wird bekanntlich von derErfahrung, im Laufe der Zeit, der menschlichen Bildungund Verbildung, durch die sprechendsten Thatsachen (Data)bestätigt. Und scheinet da oder dort Etwas anders; soist nur Schein, welcher bey jedem schärferen Blick indie Wirklichkeit selbst zerrinnt.

Diese mit Unruhe verbundene Thätigkeit der SeeleUnseligkeit in den Folgen, die sich selbst durch die Empfin-dung aussprechen ist dann ein Bleibendes, Fortwährendes.Aber sie ist nicht bloß eine der Vernunft oder dem Göttli-