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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
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gen, Tollen u. s. f. wird eben so wenig, als dem bloßenNaturwesen, eine Leidenschaft jugeschrieben. Also wo sol-che ist? da findet sich a) zwar eine psychische Thätig,keit, aber nicht diejenige, die dem Einen, was dem Men-schen Würde gibt, zusagt, und l,) auf der physischenSeite eine Angegriffenheit, die eine Hervorbrin-gung jener Thätigkeit ist. Und da eben dieser Zustand alsErscheinung vordringt; so bildete sich darnach das WortLeidenschaft", als wäre der Leidenschaftliche bloß leidend.

Wie eben das Göttliche im Menschen mit Beschränkt-heit verbunden ist; wie er, eben darum, von dem Einen,welchem die Huldigung gebührt, abfallen kann: so ist auchdie Leidenschaft eine ausgezeichnete psychologische oder, washier gleichviel heißt, anthropologische Erscheinung. Dennnur das menschliche Wesen weder dasjenige, welches über,noch dasjenige, welches unter ihm stehtist der Leidenschaftempfänglich. Und gleichwie der Mensch sich über das (bloße)Thier erheben kann: so kann er auch unter dasselbe hinab-sinken. Ja, indem er zu dem Thiere hinabsinkt, fallt ereigentlich unter dasselbe, als Subjekt oder menschlichesEinzelwesen. Die bekannte, populäre Nede:daS ist einThier, kein Mensch!" oder:ein viehisches Leben" u. s. w.,ist bloß nach dem gebildet, was zunächst auffällt. Derschönere, moralische Unwille hat diese Rede hervorgebracht,vorausgesetzt das Gefühl für die Würde der Menschheit.Und am Menschen istdas Thierische" (wofern nicht geradeder Arzt oder Physiolog spricht) auch darum entehrend oderein Wort deö Tadels, weil das Physische, so wie eben diePhysis der Grund oder die Wurzel der Thierheit ist, beydem Menschen nicht thierisch heißt, indem es an der Würdeund Benennung des Psychischen Theil nimmt. Nämlichsofern das Menschliche dadurch bestimmt wird! (Th. I.I. I.)So ist das Thierische selbst humanisirt oder, wenn dieseVerdeutschung erlaubt ist, vermenschlicht: s) nach der An-lage, wenn der Mensch wahrhaft begriffen wird, und l>) in

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