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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
Entstehung
Seite
233
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e) Der Tastsinnder nicht mehr Gefühl oder Ge-fühlssinn heißen soll! ist nicht minder dieser psychischenMacht unterthan: daher das Anziehende oder Abstoßendeder körperlichen Berührung eines Menschen, z. B. bey derUmarmung oder auch einer zufälligen Begegnung, je nach-dem der Mensch im Lichte des Göttlichen oder des Gegen-theilS erscheint. Mag auch die Phantasie Mitwirken: dertiefere, psychische Grund, welcher sie bestimmte, entscheidet.Man denke an denLiebeskuß von einem frommen Mann"nach Claudius! Und welche Wirkung entspringt aus demGegentheile, trotz dem, was die PhysiS anbieten mag oderals solche zu gewahren vermöchte?

Noch mag ein Fall, wo sich das Verhältniß der Psy-che zur PhysiS besonders offenbart, ausgezeichnet werden;der Fall, welchen Kant schon hervorhob, wo sich Vernunftund Natur, Freyheit und Nothwendigkeit gleichsam berüh-ren in der Wirklichkeit. Daher i) die bittere Freude,in der Seele eines edeln jungen Mannes bey der Nach-richt von dem Tode seines WohlthaterS, auf dessen Amt erdie Anwartschaft hatte: offenbar ist hier die Freude, dievon der physischen Seite entsteht, durch einen psychischenEinfluß verbittert, oder doch in ihrem Lauf als natürlicheRegung gehemmt; und 2) der süße Schmerz im Ge-müthe z. B. einer edeln Gattin bey dem Tode eines Man-nes, durch den sie viel zu leiden hatte, und der ihr eingroßes Vermögen hinterläßt: offenbar ist hier der Schmerz,welchen das schöne Gefühl der Dankbarkeit mit sich führt,versüßt durch den Gedanken an ihre Unabhängigkeit, zu-mal im Abstiche mit ihrer vorigen Gebundenheit. Also wiedort ein psychischer Einfluß die Naturwirkung als solche zuhemmen vermochte: so konnte hier die Naturwirkung diesenEinfluß der Psyche nicht ausschließen. Aber von der physi-schen Ursache stammt hingegen Erfreuendes und Versüßen-des. Wie stimmt dies zu der Würde und Macht des Gei-stes? Zunächst, wenn die vernünftige oder menschen-würdige Stimmung fortdauert, wird sogar das Schmerz-