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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
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Die Erscheinung des Gefühls oder dessen Fortbildung zuder Empfindung kommt zunächst nicht in Betracht. Undist gleich das Gefühl in dieser Hinsicht zugleich durch dieOrganisation und hiemit durch die physische Individualitätbedingt; so steht doch diese Bedingung hinwieder, und zwarim Fortgange der Zeit und einer menschenwürdigen Aus-bildung auf entscheidende Art, unter der Oberherrschaft desGeistes. Auch wird durch dasjenige, was bey dem Ent-stehen des Gefühls von Außen vorhergehend und begleitendist, der besagte Unterschied zwischen Gefühl und Empfin-dung nicht aufgehoben. Wie übrigens die Physis auf diePsyche, und diese auf jene einwirken oder einfließen möge:dies gehöret, wie schon bemerkt, zum Geheimnisse der gei-stigen Schöpfung. Selbst die Hypothesen, *) welche derspekulirende Geist hierüber aufgestellt hat, weisen ja dahin!Genug, daß aus dieser Verbindung auf einer Seite dieBeschränktheit des menschlichen Geistes, auf der anderenaber seine Oberherrschaft und hiemit seine Würde erhellet.

Auch bey jedem einzelnen Sinn'oder Sinnorganezeigt sich diese Oberherrschaft der Psyche über die PhysiS:

a) Im Auge, wenn auf dasselbe ein dem Göttlichenentsprechender oder widersprechender Eindruck geschieht, istdas Gefühl des Wohlgefallens oder Mißfallens so mächtig,daß die Psyche selbst in diesem Organe wirksam erscheint;sie tritt gleichsam vor in dasselbe; ja diese Macht deö Gei-stes zeigt sich selbst in der Art, wie man sodann die Au-gen öffnet oder schließt, hingegeben dem Eindrücke, oderdavon zurückweichend.

b) Das Ohr oder Gehör wird zunächst durch Ein-drücke dieser Art weniger angeregt. Allein auch dabey istein gewisses Maß von diesem Gefühle und dieser Empfin-dung wohl kennbar, indem z. B. ein edles, Menschenfreund,

*) «Lateins csurarum occsrüonglivm, as5i5ceuiiLe Uei'' undksrlnoalne prsensbilitrie."